Heilig dem HERRN! 2. Mose 39,30b
Menno Simon (1) 141-146 Des Herrn Braut, Reich, Stadt, Leib, Gemeinde, Gnade und Friede Drucken E-Mail
Des Herrn Braut, Reich, Stadt, Leib, Gemeinde, Gnade und Friede.

Also spricht der Bräutigam, Christus Jesus, durch Salomon zu seiner Braut, der Gemeinde: „Stehe auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm her, denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin; die Blumen sind hervorkommen in dem Lande, der Lenz ist herbeikommen, und die Turteltaube läßt sich hören in unserm Lande; der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, die Weinstöcke haben Augen gewonnen, und geben ihren Geruch. Stehe auf, meine Freundin, und komme, meine Schöne komm her," Hohel. 2,10,13.

Auserwählte, treue Kinder, die ihr mit mir zu gleicher Gnade, zu gleichem Erbtheil und Reich berufen seid, und nach des Herrn Namen genannt werdet, höret die Stimme eures Bräutigams, o du Braut Gottes, du Freundin des Herrn, stehe auf, und ziere dich deinem König und Bräutigam zu Ehren. Wiewohl du rein bist, reinige dich noch mehr, wiewohl du heilig bist, heilige dich noch mehr, und wiewohl du rechtschaffen bist, werde noch rechtschaffener. (1) Diese Zierung, Reinigung, Heiligung und Rechtfertigung, geschiehet durch den Glauben im Geist, Offenb. 21) Ziere dich mit dem weißen, seidenen Kleid der Gerechtigkeit, hänge um deinen Hals die goldene Kette aller Frömmigkeit, umgürte dich mit dem schönen Gürtel der brüderlichen Liebe, thue an den Trauring eines wahren Glaubens, vergolde dich mit dem edlen, schönen Gold des göttlichen Worts, ziere dich mit den Perlen allerlei Tugenden, wasche dich mit dem klaren Wasser der Gnaden, und salbe dich mit dem Oel des heiligen Geistes, wasche deine Füße in dem klaren, hellen Fluß des allmächtigen Gottes, laß deinen ganzen Leib sauber und rein sein, denn dein Freund hasset alle Runzeln und Flecken, so wird er Lust an deiner Schöne haben, dich preisen und sagen: Wie schön sind deine Brüste, meine Schwester, liebe Braut! Deine Brüste (Der Braut Brüste sind die zwei Testamente) sind lieblicher denn Wein, und der Geruch (Hier mag man durch den Geruch der Salben verstehen die Früchte der Gerechtigkeit) deiner Salbe übertrifft alle Würze. Deine (Durch die Lippen des Predigers und durch den Honig und Honigseim GottesWort) Lippen, meine Braut, sind wie triefender Honigseim; Honig und Milch ist unter deiner Zunge," Hohel. 4, 10, 11.

„Erfreue dich, o du Vertraute des Herrn! denn schön (Christi geistliche Schönheit und Freundlichkeit, Liebe, Kraft und Wahrheit, Hohel. 5.) ist dein Vermählter über alle Kinder der Menschen, auserkoren unter viel tausenden, sein Haupt ist, das feinste Gold, seine Locken sind kraus, schwarz wie ein Rabe. Seine Augen sind wie Taubenaugen an den Wasserbächen, mit Milch gewaschen und stehen in der Fülle. Seine Backen sind wie die wachsenden Würzgärtlein der Apotheker. Seine Lippen sind wie Rosen, die mit fließenden Myrrhen triefen. Seine Hände sind wie goldene Ringe, voll Türkisse. Sein Leib ist wie rein Elfenbein mit Saphiren geschmückt. Seine Beine sind wie Marmorsäulen, gegründet auf güldenen Füßen. Seine Gestalt ist wie Libanon, auserwählt wie Cedern; seine Kehle ist süß (Die süße Kehle ist der süße Klang seines gnadenreichen Worts) und ganz lieblich," Hohel. 5, 10-16. Rufe und sprich: „Höre, Tochter, schaue darauf, und neige deine Ohren, vergiß deines Volkes und deines Vaters Hauses; so wird der König Lust an deiner Schöne haben," Ps. 45, 11,12.

Tritt hervor, o du Königin, o du wohlbereitete und schönste aller Weiber! beuge deinen Nacken mit Esther unter seinen gewaltigen Zepter, höre sein Wort und fürchte sein Gericht, erkenne seine große Liebe, denn er hat sich sehr gegen dich erniedriget (Die große Liebe und gnädige Erniedrigung Christi gegen uns) „Dein Geschlecht und deine Geburt ist aus der Cananiter Lande, dein Vater aus den Amoritern, und deine Mutter aus den Hethitern; deine Geburt ist also geschehen: Dein Nabel, da du geboren wurdest, ist nicht verschnitten; so hat man dich auch mit dem Wasser nicht gebadet, daß du sauber würdest, noch mit Salz gerieben, noch in Windeln gewickelt," Hes. 26, 3, 4, und du lagst in deinem Blut erstickt, siehe, so verachtet war deine Seele, wie der Prophet klagte. (Hier wird unsere sündliche Herkunft und Gerechtigkeit, und Unvermögenheit bezeichnet) Aber er hat sich über dich erbarmet, (Christi Gnade, Gunst, Barmherzigkeit und wundersame große Liebe gegen uns, Hohel. 1) dir das Leben zugesagt, dich auferzogen, deine Schande zugedeckt, dich von deiner Unreinigkeit gesäubert, dein Blut abgewaschen, dich mit Balsam gesalbet, mit geistlichen Kleidern bekleidet, mit Spangen, Ohr-Ringen und einer schönen Krone gezieret, dich als seine Braut angenommen, und einen ewigen Bund mit dir gemacht; mit Oel, Honig und Semmelmehl hat er dich gespeist, in die Schlafkammer seiner Liebe eingeführet, und geküsset mit dem Mund seines Friedens.

Ei wie ein lieblicher, günstiger Bräutigam und gnädiger König ist das, der seine arme, unreine, ungeachtete, ja unkeusche Dienst-Dirne, zu einer solchen hohen Frau erwählt, und zu einer so herrlichen Königin berufen hat, und hat sich keine Mühe, Arbeit noch Unkosten verdrießen lassen, bis daß er sie auf das allerschönste, sauberste, würdigste und edelste, unter allen Weibern gemacht hat. Stehet auf und eilet, zieret und schmücket euch, lobet und preiset den, der euch geschaffen, und mit dem Wort der Gnade zu solchen hohen Ehren berufen hat. „Der Winter und Regen sind vergangen, die Blumen werden gesehen, und die Turteltaube gehört in unserm Lande." Es gibt nichts mehr, das uns schaden oder hindern kann, denn Hölle, Sünde, Teufel und Tod, dazu Welt, Fleisch, Feuer und Schwert, sind von allen Gottes Kindern, durch Christum schon überwunden; all ihr Wissen ist Christus Jesus, ihr Suchen ist die reine, apostolische Lehre, und das fromme, unsträfliche Leben, das aus Gott ist.

Lob sei dem Allerhöchsten, der die Lügen verstummet, denn die Wahrheit klingt in allen Straßen. Der Antichrist wird zu Schanden, und Christus steiget auf in hohe Ehren, „ja der unfruchtbare kalte Winter (Bei dem Winter verstehe hier die Zeit des Gesetzes, oder die Zeit der Ungnade, und bei dem Frühling die Zeit des Evangeliums und der Gnaden) ist verschwunden, und der fruchtbare, lustige Frühling ist herzukommen, die lieblichen, schönen Blumen sprießen an allen Orten, die Turteltaube kirret," Das heilsame, heilige Wort, das Wort der Buße, das Wort der Gnade und des ewigen Friedens, wird mit Mund, Schrift, Leben und Tod bezeugt, in vielen Landen. Mache dich auf, du Allerschönste, gehe in den Lustgarten und Weinberg (Der Lustgarten und Weinberg ist die Versammlung der Gerechten) deines Freundes, und siehe, die Knospen des Feigenbaums und die Weingärten geben ihren süßen Geruch," Hohel. 2. Der Glaube grünet, die Liebe blühet, die Sonne erweichet, und die Wahrheit wird verkündigt und bezeugt, die so viele Jahre ohne Frucht gewesen ist; und wiewohl du für kurze Zeit die Hitze der Sonne (Unter Sonnenhitze verstehe hier die Anfechtung) ertragen mußt, so ist dir dennoch wohl bekannt, daß dir das Reich der Ehren in ewiger Freude zugesagt und bereitet ist.

Erfreue dich, und wache, schwarz bist du, aber ganz lieblich; du bist als die Hütten Kedar, als die Tapeten Salomons. „Stehe auf, Nordwind, und komm, Südwind; und wehe durch meinen Garten, daß seine Würze triefen," Hohel. 4,16. Fürchte dich nicht, du kleine Versammlung, denn es ist des Vaters Wille, dir das Reich zu geben, nicht das vergängliche Reich Assyrien, Medien, Macedonien oder Rom, sondern das Reich der Heiligen, das Reich des großen Königs, das Reich Davids, das Reich der Gnaden und des ewigen Friedens, das nimmermehr vergehen, sondern ewig bleiben und bestehen wird; darum höre ihn und sei gehorsam, auf daß du nicht mit der hoffärtigen, ungehorsamen Vasthi ausgestoßen, sondern mit der frommen und demüthigen Esther in ewiger Herrlichkeit vor dem wahren Ahasverus, Christo, leben und ewig bei ihm bleiben magst.

„Blicke auf, du Tochter Zion, und merke was dir verheißen ist. O Jerusalem, wiewohl du nun als eine Trostlose eine Zeitlang sitzest, und allerlei Ungewitter und Hagel tragen mußt, so wird doch gleichwohl dein Helfer zu rechter Zeit da sein, der deine Gerechtigkeit gleich dem Morgen hervorbringen und dein Schirm vor Wind und Stürmen sein wird. Denn er, der dich lieb hatte, hat gesagt: „Siehe, Ich will deine Steine wie ein Schmuck legen, und will deinen Grund mit Sapphiren legen, und deine Fenster aus Krystallen machen, und deine Kinder gelehrt vom Herrn. Du sollst durch Gerechtigkeit bereitet werden; du wirst ferne sein von Gewalt und Unrecht," Jes. 54, 11, 14.

Nimm wahr, deine Mauern sind auf zwölf Fundamenten befestiget, deine Pforten sind von Perlen, die Stadt von lauterm Gold, die Ströme voll lebendigen Wassers fließen von dem Stuhl Gottes und des Lammes, bis mitten auf ihre Straßen, und der Baum des Lebens auf beiden Seiten, und seine Blätter dienen zur Gesundheit der Heiden. Selig und heilig ist der, der einen Antheil an dieser Stadt hat.

Darum so reiniget euch, ihr, die ihr den Herrn sucht, beschneidet die Vorhaut eures Herzens, den diese heilige Stadt darf von keinem Unbeschnittenen bewohnet, ihre goldenen Straßen von keinen unreinen Füßen betreten, ihre klaren Wasser von keinem Unreinen getrunken, die Frucht des Lebens von keinem Gottlosen gegessen werden, „denn draußen sind die Hunde, und die Zauberer, und die Hurer, und die Todtschläger, und die Abgöttischen, und Alle, die lieb haben und thun die Lügen," Offenb. 22, 15.

Trübsal, das Kreuz und Elend, damit das Volk Gottes angefochten wird. Seid alle gleich gesinnet mit Christo Jesu; seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens; ihr seid alle ein Tempel, Haus, Berg, Leib, eine Stadt und Gemeinde in Christo Jesu.

Euer Licht setzet auf den Leuchter, eure Stadt bauet auf einen hohen Berg; lebet unsträflich, handelt in allen Dingen christlich, fürchtet Gott auf allen euren Wegen, preiset ihn in allen euren Werken, denn groß ist die Gnade, die erschienen ist. Beweiset euch in allen Dingen als diejenigen, die aus Gott geboren sind; meidet alle falsche Lehre; vergeltet nicht Böses mit Bösem, sondern vergeltet das Böse mit Gutem; bittet ohne Aufhören; in Geduld besitzt eure Seelen; richtet alle eure Gedanken nach Christi Gedanken, eure Worte nach Christi Worten, und euer Leben nach Christi Leben, so könnt ihr in Ewigkeit nicht betrogen werden.

Wandelt, wie sich's eurem Beruf gebührt, darinnen ihr berufen seid. Laß sie tyrannisiren, lästern, schelten und wüthen, alle die den Herrn und sein Wort hassen, die verfolgen nicht euch, sondern Christum Jesum, der sie zu seiner Zeit richten, und (so sie sich nicht bekehren) ein gleiches Maß der Vergeltung in ihren Schooß schütten wird, Luc. 6, 38. Streitet und kämpfet ritterlich, auf daß euch die Krone nicht genommen werde; fliehet zu dem Berg der Beschirmung Christi Jesu. Umgürtet euch mit den Waffen der Gerechtigkeit, bekennet Gottes Wort mit Freimüthigkeit, wanket weder noch weichet, Gott ist euer Führer; seid treu bis in den Tod, so werdet ihr die Krone des Lebens ererben. Wer überwindet, wird mit weißen Kleidern bekleidet und sein Name aus dem Buch des Lebens nicht ausgetilgt werden. Ob wir gleich vor den Augen der Unweisen zu sterben scheinen, und unser Abschied für eine Pein gerechnet wird, sind dennoch unsere Seelen in gewisser Hoffnung und im Frieden, Weish. 3. „Das ist je gewißlich wahr," spricht Paulus: „Sterben wir mit (Christo), so werden wir mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird Er uns auch verleugnen," 2. Tim, 2,11,12. Darum so fürchtet euren Gott von Herzen; wachet und betet, und befehlet dem mit Jeremia eure Sachen, der euch zu seiner lieben Braut, zu seinen Gliedmaßen auserwählt, zu dem Reich seiner Gnaden und zum Erbe seiner Herlichkeit berufen, und mit dem unbefleckten Blut seiner ewigen Liebe erkauft hat, Christo Jesu.

Friede sei mit euch! Der Geist, die Kraft und Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit allen meinen Mithelfern, Glaubensgenossen, Brüdern und Schwestern, bis in das ewige Leben, Amen.

Beschluß dieses Buches.


Sehet, liebe Herren, Freunde und Brüder, hier haben wir euch auf das kürzeste unterbreitet und erklärt, auf welchen Grund, welche Reden und Schriften wir gebauet haben, was wir versuchen, und vorhaben, und wie wir alle Greuel, Secten und Gottlosigkeit der ganzen Welt, sowohl bei den Größten als den Kleinsten, ohne irgend welches Ansehen der Personen, mit des Herrn Wort strafen, und die heilsame, reine Wahrheit einem Jeglichen anweisen. Die Gottesfürchtigen
mögen es lesen und richten.

Meine Veranlassung und Meinung war aber nicht die, darauf hinzuwirken daß das Kreuz Christi vermieden werde, keinesweges, denn ich weiß wohl, daß das Lamm mit dem Wolf, die Taube mit dem Geier, oder Christus mit Belial niemals in Frieden sein können; die Wahrheit muß gehaßt werden; und spräche gleich Christus vom Himmel herab, würden die Menschen dennoch weder Schrift noch Frömmigkeit, weder Christum noch die Apostel, weder Propheten noch Heilige, weder Gut noch Blut höher achten. Alle diejenigen, welche diese hoffärtige, geizige, stolze, abgöttische, blutdürstige Welt mit reinem, aufrichtigem Eifer strafen, ihre Seligkeit und ewige Wohlfahrt von Herzen suchen, müssen hier leiden und bedrängt werden. Ihr müsset von allen Menschen (spricht Christus) gehasset werden um meines Namens willen; durch viele Trübsal müssen wir eingehen in das Reich Gottes. Christus mußte desgleichen leiden ehe er in seine Herrlichkeit zurückkehrte.

Darum aber habe ich dies geschrieben, auf daß die edle, klare Wahrheit wieder an den Tag kommen möchte, dieser oder jener dadurch gewonnen, die Blinden auf den rechten Weg gewiesen, die Hungrigen mit dem Brod Gottes gespeist, die Verirrten wieder zu Christo ihrem Hirten gewiesen, die Unwissenden gelehrt, Gottes Reich ausgebreitet und sein heiliger Name groß gemacht und gepriesen würde; und dies alles, bestätigt durch unsre Unschuld, soll allen blutdürstigen Tyrannen, auch allen Verführern, falschen Propheten, allen Verstockten und Unbußfertigen, an dem Tage des Urtheils zu einem Zeugniß sein, daß ihnen die Wahrheit verkündigt und erklärt worden ist. Wollt ihr sie aber nicht hören, so sei eure Sünde auf euch. Gottes Geist, Wort, Grund, Ordnung und Willen, habe ich euch nach meiner Gabe verkündiget, und die Gerechtigkeit angewiesen. Wer Ohren hat, der höre, und wer Verstand hat der mag es verstehen. Ich bezeuge meinen Seligmacher offenbar; ich bezeuge ihn, und heuchle nicht, wenn ihr nicht Buße thut, aus Gott nicht geboren werdet, in eurem Geist, Glauben, Leben und Gottesdienst mit Christo nicht eins werdet, so ist das Urtheil eurer Verdammniß schon für eure armen Seelen bereit und über dieselben ausgesprochen.

Alle, die euch anders lehren, als wir euch hier aus Gottes Wort unterwiesen und bezeugt haben, die betrügen euch. Dies ist der schmale Weg, durch welchen wir alle wandeln müssen, um durch die enge Pforte einzugehen, so wir selig werden wollen. Hier ist weder Kaiser noch König, weder Herzog noch Graf, weder Ritter noch Junker, weder Doctor noch Licentiat, weder Reich noch Arm, weder Mann noch Weib ausgenommen. Wer sich rühmet daß er ein Christ sei, der muß wandeln, gleich wie Christus wandelte. „Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein." „Wer übertritt, und nicht bleibt in der Lehre Christi, der hat keinen Gott, 2. Joh. 1,9. „Wer Sünde thut, der ist vom Teufel," 1. Ioh. 3,8. Hier kann nun weder Taufe noch Abendmahl, weder Beichten noch Absolviren etwas helfen. Diese und dergleichen Schriften stehen unbeweglich, und richten alle diejenigen, die außer Christi Geist und Wort leben, und auf irdische, fleischliche  Dinge gesinnet sind. Sie können auch weder von Engeln, noch vom Teufel jemals umgestoßen, verkehrt, oder geschwächt werden.

Für den Fall aber, daß ihr mit dem widerspenstige Israel sagen wollt: Wir wollen das Wort nicht hören, das du uns in des Herrn Namen predigest, sondern wir wollen thun gleich wie unsere Voreltern, unsere Könige und Fürsten, seit langen Jahren bis auf den heutigen Tag gethan haben; so antworte ich mit dem heiligen Jeremia, und sage also: Dieweil ihr Lust zu den Lügen habet, und solche Greuel thut, so hat auch der Herr euer böses Wesen zu Herzen genommen, und schickt euch eine harte Strafe über die andere, Hunger, Pestilenz, Ungewitter, Jammer, Elend und das verzehrende, rächende Schwert, so daß euer Land zu einer Wüste, zu einem Wunder und Fluch gemacht werde, wie man augenscheinlich an vielen Orten sehen kann; darum daß ihr fremden Gottesdienst verrichtet, den Herrn euern Gott verachtet, sein Wort verwerft, das unschuldige Blut vergießet, nach eurem Muthwillen handelt, wider euren Gott sündiget, und in seinen Gesetzen, Ordnungen und Geboten nicht wandelt, trotzdem euch des Herrn Mund es allenthalben auferlegt und befohlen hat.

Ferner sage ich, daß, da die unnütze und widerspenstige Welt wider ihren Willen ermahnt und gestraft wird, so werden die Propheten und treuen Diener Gottes größtentheils von den Fürsten und der Obrigkeit als Aufrührer und Anstifter von Meuterei vertilgt und von den Priestern und dem gemeinen Volk als Verführer und Ketzer gerichtet und ermordet. Darum haben wir uns vorbereitet, sowohl zu lehren als auch zu leiden, indem wir vermuthen daß es uns in dieser Hinsicht nicht besser als ihnen ergehen wird; wir aber sagen mit Hesekiel: Wenn nun kommen wird, das da kommen soll, so werdet ihr finden, daß euch die Schrift deutlich und ohne Heuchelei, in klaren, lautern Worten erklärt und gelehrt wurde.
Der barmherzige, gnädige Vater, durch seinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn, verleihe euch allen miteinander die Gabe und Gnade seines heiligen Geistes, daß ihr diese unsere christliche Arbeit und Dienst der treuen Liebe, mit einem solchen Herzen hören und lesen möchtet, daß ihr der reinen, unverfälschten Wahrheit aus voller Seele nachjagen, sie erkennen, ihr glauben, nachfolgen und ewig selig werden möget, Amen.

Liebe, edle Herren, gönnet euren armen Dienern, daß wir den Herrn von Herzen fürchten, Gottes Wort Predigen, und recht thun mögen, darum bitten wir euch um Jesu willen. O Herr, Vater aller Gnaden, öffne doch die Augen aller Blinden, daß sie deinen Weg, dein Wort, deine Wahrheit und deinen Willen sehen und darin mit treuen Herzen wandeln mögen, Amen.

Menno Simon.