Heilig dem HERRN! 2. Mose 39,30b
Menno Simon (1) 135-140 An die verderbten Secten Drucken E-Mail
An die verderbten Secten

Christus spricht: "Es werden sich erheben falsche Christi, und falsche Propheten, die Zeichen und Wunder thun, daß sie auch die Auserwählten verführten, so es möglich wäre. Ihr aber sehet euch vor! Siehe, ich habe es euch alles zuvor gesagt," Marc. 13, 22, 23. Ach ihr abfallenden, verirrenden Kinder! Bemerkt, hättet ihr diese theure Warnung unsers Herrn und Seligmachers Christi wohl zu Herzen genommen und hättet seinen Geist, seine Lehre und sein Leben erkannt, und ihn als den wahren, in der Schrift verheißenen Propheten, und für den wahrhaftigen und lebendigen Sohn Gottes empfangen, nimmermehr hättet ihr euch so weit von seinem Weg abführen lassen, und solchem schrecklichen Irrthum Raum gegeben. Aber, o Herr! nun fürchte ich, daß etliche von euch in solchem Grade bezaubert sind, daß sie nimmermehr zu ihrem ersten Hirten, Christo, kommen werden; denn, zufolge eines verkehrten und verdunkelten Verständnisses der Schrift, vertheidigen sie als recht und gut alle greulichen Werke der Gottlosigkeit, welche nicht allein gegen Christi Geist, Wort und Willen streiten, sondern auch gegen ehrliche Bescheidenheit, Natur und Vernunft verstoßen.

Ist es nicht ein betrübender Irrthum, daß ihr euch von solchen unnützen Menschen bezaubern, und so thöricht von einer unreinen Secte in die andere führen lasset? erstlich in die von Münster, danach in die von Battenberg, gegenwärtig seid ihr Davidisch; und so geht es von Beelzebub zu Lucifer, und von Belial zu Behemoth. Ihr lernet immerfort, und kommt doch nimmer zu der rechten Erkenntniß der gewissen Wahrheit; lasset euch mit allen Winden der falschen Lehre umwehen; erwählet euch selbst einen Weg, wie auch alle Pfaffen und Mönche thun, und haltet euch nicht an das Haupt Christum, aus welchem der ganze Leib zusammen gefügt wird, und sein volles Maß und Alter erreicht. Ich fürchte, daß eure Sünden bestraft werden müssen; denn da ihr irdisch und fleischlich gesinnt seid, so verwerft ihr die reine Erkenntniß Christi, hasset Christi Kreuz; und im Widerspruch mit allen Ermahnungen der Schrift, mit dem Vorbild Christi und seiner Heiligen, ergebt ihr euch der Pracht, dem Uebermuth, Fressen, Saufen, der Thorheit, Heuchelei und dem falschen Gottesdienste dieser hoffärtigen, unwürdigen, eitlen und abgöttischen Welt, welche ihr eigentlich mit einem frommen, demüthigen Wandel belehren und ermahnen solltet. O ihr abfälligen Kinder! bedenkt wie sehr ihr den heiligen Mose lästert, der euch aus dem Munde Gottes lehrt und spricht: Ich will ihnen einen Propheten, gleich wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern, und meine Worte in seinen Mund geben, der soll zu ihnen reden Alles, was ich ihm gebieten werde; und wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen reden wird, von dem will ich's fordern, 5. Mose 18, 18, 19, von Petro und Stephano wiederholet, Apostelg. 3, 23; 7, 37. Was thut ihr doch mit allen den großen Propheten Gottes, wie David, Jesaiam, Jeremiam, Hesekiel, welche, an so vielen Orten und mit so klarer Sprache uns vermittelst der Eingebung des heiligen Geistes, auf Christum und sein Reich weisen? Sie müssen entweder alle Lügen bezeugen, oder eure Propheten müssen Verführer und falsche Lehrer sein. Das ist unwiderleglich. Spricht nicht der heilige Paulus: "Aber so auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen, anders, denn das wir euch pegrediget haben, der sei verflucht," Gal. 1, 8. Daß eure Propheten aber, mit ihrem König, Reich, Schwert, ihrer Polygamie etc., nicht mit Paulo und der Apostel Lehre und Evangelio übereinstimmen, müßt ihr alle bekennen und zugeben; woraus dann entschieden folgt, daß sie mit ihrer Lehre und ihrem Wandel verflucht und verbannt sind.

Saget, meine Geliebten, was denket ihr von dem offenbarten, unfehlbaren Wort und Zeugniß des allmächtigen Vaters, mit welchem er selbst seinen Sohn bestätigt, indem er spricht: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören, Matth. 17, 4. Ihn sollt ihr hören; da ihr nun aber seinen Geist, sein Wort und Beispiel verwerft, so folgt und gehorcht ihr denjenigen, die mit ihrem Geiste, Lehre und Wandel aus dem Pfuhl des Abgrundes, ja die offenbare Antichristen und falsche Propheten sind. Wißt ihr nicht, daß der Sohn Gottes selbst befohlen hat, daß wir halten sollen alles was er uns geboten hat, und er bei uns sein will bis an der Welt Ende? Wollt ihr dann sagen, daß Christi und der Apostel Lehre Stückwerk gewesen sei, und daß nun eure Lehrer das vollkommene Wesen lehren und einführen? Ich antworte: daß solches zu lehren und zu glauben die allerschrecklichste Lästerung, und die beleidigendste Verkehrung ist, die jemals gegen den Allerhöchsten geäußert worden; denn damit bekennet ihr, daß Christus nicht der wahrhaftige Sohn Gottes, der vollkommene Lehrer, und das wahrhaftige Vorbild der Gerechtigkeit gewesen ist; ihr verleugnet die ganze Schrift; ihr verwerfet die Zeugnisse Mose und aller Propheten, die auf diesen einzigen und wahrhaftigen Christum weisen, wie bereits angezeigt; ihr verachtet des Vaters Wort und verwerft Christum Jesum mit seinem Geist, Wort, Reich, und geistlichen Regiment, und setzt eure Herzen und Hoffnung auf ein lügenhaftes, sterbliches Fleisch, auf Menschen, und auf ein irdisches, vergängliches Wesen, das wie Staub von dem Wind zergehen muß, wie die Schrift lehret. Ob das nicht eine große Lästerung wider den Allmächtigen ist, mögt ihr in der Furcht des Herrn mit der Schrift reiflicher ermessen. Sagt, ihr verführten Kinder, wo ist doch ein Buchstabe in der ganzen Lehre Christi und der Apostel (nach welcher Geist, Lehre, Handel und Vorbild die ganze Schrift verstanden werden muß), womit ihr einen von allen euren irrigen Artikeln bewähren und begründen könnt? Wollt ihr euch nun auf das buchstäbliche Verständniß und Handel Mose und der Propheten berufen, so müßt ihr auch Juden werden, die Beschneidung annehmen, das Land Canaan buchstäblich besitzen, das jüdische Reich wieder aufrichten, die Stadt und den Tempel bauen, nach dem Gesetz opfern, und Gottesdienst pflegen, und bekennen, daß Christus, der verheißene Seligmacher, noch nicht gekommen sei, der das buchstäbliche, bildliche Wesen in das neue, geistliche, bleibende Wesen verwandelt und verändert hätte. Ihr elenden, irrenden Schafe, merket, ich habe vorhin in meinem Schreiben an die Obrigkeit hervorgehoben, daß das Reich Christi nicht von dieser sichtbaren, sinnlichen, vergänglichen Welt ist, sondern daß es ein ewiges, geistliches und bleibendes Reich ist, wo nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist ist. Kein König regieret dort, als allein der wahrhaftige König von Zion, Christus Jesus. Er ist der König der Gerechtigkeit, der König des Friedens, der König aller Könige, der alle Gewalt hat oben im Himmel, und unten auf Erden, vor dem sich alle Kniee beugen müssen, und alle Zungen müssen preisen. Der wahrhaftige König David im Geist, der durch seine Gerechtigkeit, sein Verdienst und rothes Blut, das geraubte Schaf aus dem Mund der höllischen Löwen und Bären erlöset, den großen, schrecklichen Goliath erschlagen, und dem geistlichen Israel Gottes ein ewiges Heil und ewigen Friede erworben hat. Weder der König noch seine Diener führen ein anderes Schwert, als das Schwert des Geistes, das Leib und Seele durchschneidet, Gottes Wort, womit er sein Reich gebieret, bauet, ausbreitet, regieret und wider alle höllischen Pforten, Anläufe und Gewalt, unter dem drückenden Kreuz, in aller Versuchung und Anfechtung, gnädiglich behütet und beschirmet, und nicht mit Eisen oder Stahl, wie die wilde, rachgierige Welt thut, denn sein Reich und Herrschaft ist Geist, und nicht Buchstabe, wie schon dargethan. Auch ist in diesem Reich und unter diesem König keine andere Ehe gestattet, als die, ein Mann und e i n Weib, wie solche im Anfange durch Adam und Eva eingesetzt, und in Bezug auf die Christus ferner sagt, daß diese Zwei ein Fleisch sind, und daß sie sich nicht scheiden sollen, ausgenommen um Ehebruch, Matth. 4, 32.

Dieses ist kein Reich, darin man mit Gold, Silber, Perlen, in Seide, Sammet und köstlicher Pracht einhergehet, wie die hoffärtige und stolze Welt thut, und wie auch eure Führer euch lehren und freigeben unter dem betrüglichen Vorbehalt, daß wenn ihr's nicht mit dem Herzen begehrt und thut, es nicht schaden könne. So könnet auch der Satan seinen Hochmuth unschuldig machen und seiner Augen Lust als rein und gut darstellen. Es ist das Reich aller Demuth (sage ich), in dem nicht die äußerliche Schmückung des Leibes, sondern die innerliche Schmückung der Seele, mit großem Eifer und Fleiß, mit einem zerbrochenen Herzen und zerschlagenen Gemüth, aus allen Kräften gesucht und begehrt wird. Hier weiß man auch von keinem Lügen, Essen, Trinken, Heucheln und sich der trunkenen, üppigen, eitlen und abgöttischen Welt gleichstellen, noch von Ablegen des Kreuzes Christi, gleich wie ihr es thut, sondern es heißt hier mit Herzen und That, aufrecht und fromm sein, die Wahrheit von Herzen reden, ein vorsichtiges, nüchternes Leben führen, alle Abgötterei und falsche Lehre von innen und außen scheuen, allen bösen Schein meiden, den wahren Gottesdienst von Herzen üben, in Christi Wort und Ordnung standhaftig bleiben, ein unsträfliches Leben vor der ganzen Welt führen, und Jesum Christum mit Mund, Werk, Gut und Blut bezeugen, wie es die göttliche Ehre erfordert. Hier kennt man auch solche Beichte nicht, wie etliche von euch sich anmaßen, sondern hier beichtet man dem reinen und wahrhaftigen Gott allein, vor dem wir gesündiget, und unserm Nächsten, wider den wir gefehlt haben. Hier lehret und übt man Scham, Zucht und Ehrbarkeit, und keine Unzucht, Schande und Unreinigkeit; ich denke ihr versteht wohl, was ich meine. Kurz, hier lehrt man Christi Geist, Wort, Willen, Gebot, Verbot, Ordnung, Gebrauch und Vorbild, auf welche die ganze Schrift weiset, und nicht der falschen Propheten Gutdünken, selbst erdichtete Worte, zauberischen Schein, prächtige Reden, Träume, Gesichte, lügenhafte Wunderwerke, gegen welche uns Gottes Geist in der Schrift allenthalben warnet und abräth. Liebe Kinder, bessert euch. Ein Jeder, der euch anders lehrt als hier mit des Herrn Wort bezeugt wird, wäre er gleich im Stande des Meeres Grund aufzutrocknen und die Sterne vom Himmel zu schleudern, wäre dennoch verbannt und seine Lehre verführerisch und unrecht; denn es kann in Ewigkeit kein anderer Grund gelegt werden, denn der gelegt ist, Christus Jesus. Er ist der Eckstein und das Fundament in Zion, auf welchen der ganze Bau in einander gefüget und, nach seinem Willen, Geist und Wort, wachset zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.

Ach ihr abfälligen Kinder, höret Gottes Wort und schicket euch, denn euer Weg ist in der Finsterniß, und euer Gang geht zu den Todten. Empfangt die Wahrheit, und lernet Weisheit, denn eure Tröster zerstören euch und verderben den Weg, den ihr gehen müßt. Münster und Amsterdam mögen euch wohl eine ewige Vermahnung und Lehre sein. "Wenn der Prophet (spricht Moses) im Namen des Herrn redet, und wird nichts daraus, und kommt nicht: das ist das Wort, das der Herr nicht geredet hat," 5. Mose 18,22. O lieber Herr, wie manches, unschuldiges Herz haben sie betrogen, wie manche arme Seele haben sie verführt, wie große Schande haben sie dem Worte Gottes angethan, welche groben Greuel haben etliche von euch unter einem guten Schein ausgeübt? Wie haben sie die arme, blinde Obrigkeit, welche leider selbst ohne ein richtiges Verständnis des heiligen Wortes ist, veranlaßt, sich des unschuldigen Blutes schuldig zu machen. Ich meine, es wäre nun einmal Zeit, daß ihr zusehet, und eure lügenhaften, treulosen und verführerischen Propheten kennen lernet. Es sind die Füchse, die des Herrn Weinberg verderben; es sind eurer Seelen Diebe und Mörder; falsche Propheten, die den Herrn verleugnen, der sie erkauft hat, und die euch arme irrende Schafe auf ihre eigenen, lügenhaften Visionen, Träume und auf das Dünken ihres Herzens weisen, und euch Wider alle Schrift, auf einen falschen und losen Grund führen. Wie gleich seid ihr denjenigen geworden, von den Eusebius schreibt, daß sie, wie die Propheten vorhergesagt, nach ihres Herzens Lüsten wandelten, Paulum und das neue Testament verleugneten, und ein Buch bei sich führten, welches, wie sie sich rühmten, für sie zu einem Geschenk vom Himmel herabgefallen sei. So ist es auch mit euch, o ihr Verrückten! (haltet mirs zu gut, denn es ist die Wahrheit was ich schreibe). Die Propheten leset ihr nach jüdischem Verstand, die Lehre Christi und der Apostel ist schon vollendet, sagt ihr, und gebt vor, es sei nun eine andere Zeit etc., und merket nicht, daß ihr damit den Sohn Gottes verleugnet, der Schrift widersprecht, und euch auf lauter Lügen vertröstet, gleich wie auch das ungehorsame Israel zu seiner Zeit gethan hat.

Ach lieber Herr, wie lange soll doch diese schwere Plage währen, wie lange soll des Herrn Name also durch euch gelästert, und sein heiliges Wort also durch euch verunglimpft werden? Ist es nicht ein betrübender Irrthum, und toller Wahnsinn, daß Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der die ewige Gerechtigkeit herniedergebracht, dazu Himmel und Erde mit dem Blut seines Kreuzes befriediget hat, mit dem Wort seiner Wahrheit und dem Gebot des ewigen Lebens, aus euren Herzen verbannt wird, die er um einen so theuren Preis erkauft hat, und welche billig eine Wohnstatt Christi sein sollten, und daß ein armes, sündliches Fleisch, und ein sterblicher Mensch, aus Adams Samen entsprossen, voll aller Ungerechtigkeit, mit seinem Großsprechen, seinem Lügen und seiner offenbarer Verführung, dagegen von euch angenommen, und an seine Statt gestellet wird? O, liebe Kinder, was thut ihr? Seid ihr so vollständig bezaubert, daß ihr Verstand, Erkenntniß, ja die Schrift und Alles so radical verloren habt, daß ihr nichts mehr wahrnehmen könnt? dann möge euch Gott gnädig sein. Gute Kinder, nehmt wahr, — nicht ein Buchstabe des Gesetzes Mose durfte verändert werden ehe der neue Moses, Jesus Christus, kam, der durch's Gesetz und die Propheten verheißen war. War nun das Wort des buchstäblichen Gesetzes so kräftig, thätig, fest und zu seiner Zeit unveränderlich, wiewohl nur durch einen Knecht gegeben, und mit einem vergänglichen Blute versiegelt, wie viel kräftiger, thätiger, fester und unveränderlicher ist nun das freie Gesetz des Geistes, das durch den Sohn selber gegeben, und mit dem Blut des ewigen Bundes befestiget worden ist? Sie waren alle falsche Propheten, die etwas wider Mose Wort lehrten, denn sie durften nichts davon noch dazu thun, sondern mußten sich allezeit nach dem Gesetz und seinen Zeugnissen richten, 5. Mose 4, 2.

So auch sind alle Propheten gegenwärtiger Zeit falsche Propheten, so sie wider Christi Geist, Wort, Gebot, Verbot, Ordnung und Vorbild lehren, sollten sie gleich dem Anschein nach heiliger als Johannes, eifriger als Elias und wunderthätiger als Moses sein. Wenn sie euch überreden, daß der Apostel Lehre Stückwerk gewesen sei, und daß sie nun das vollkommene Wesen lehren, so ist das eine Verführung über alle Verführungen, wie schon vorhin bemerkt, denn dadurch wird die Creatur höher geehrt als der Schöpfer. Paulus hat auch hier auf keine bessere Lehre oder größere Vollkommenheit Bezug, als auf die, welche durch die Lehre der Apostel begründet, nach Gottes untrüglichem Versprechen in ewiger Klarheit bestehen wird, und welche wir in der Auferstehung der Gerechten empfangen werden, wenn alle Lehre ein Ende nehmen wird; denn im andern Falle würde Paulus mit sich selber im Widerspruch stehen, und das wahrhaftige Wesen wäre in Christo nicht gefunden (Am Tage des Gerichts und der Auferstehung wird das Stückwerk der apostolischen Lehre aufhören, und das vollkommene Wesen, die ewige Herrlichkeit, durch das Stückwerk bezeichnet, anbrechen.)

Wollt ihr denn mit den Schriftgelehrten und Juden sagen, daß Elias noch vor dem großen und schrecklichen Tage kommen wird, und so fortwährend auf etwas Neues warten? So antworte ich euch erstens mit Christi eigenen Worten: "Alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf Johannes. Und (so ihr es wollt annehmen) Er ist Elias, der da soll zukünftig sein," Matth. 11, 13, 14. Zum andern, wenn Elias auch käme, so dürfte er gleichwohl nicht wider den Grund und die Lehre Christi und der Apostel, sondern müßte in Uebereinstimmung mit denselben lehren und predigen, wollte er das Amt eines wahrhaftigen Predigers redlich versehen; denn nach Christi Geist, Wort, Wandel und Vorbild müssen sich Alle auf das letzte Urtheil vorbereiten, oder die ganze Schrift muß unrecht und falsch sein. Darum muß eines von Beiden folgen: entweder haben wir keinen Elias mehr zu erwarten, indem Johannes der Elias war, welcher kommen sollte; oder wenn noch ein Elias käme, er uns nichts anderes als Christi Grund, Lehre und Wort nach Inhalt der Schrift, vorführen und lehren müßte; denn Christus ist der Mann, der auf Davids Stuhl sitzt, und in Jacobs Reich, Haus und Gemeinde regieren soll ewiglich. So will ich euch hiermit aus Herzensgrund ermahnen, daß ihr doch aller Geister Lehre, Glaube und Handel, mit Christi Geist, Lehre und Handel obwiegen, und recht prüfen wollet, auf daß ihr nüchtern werden möget. Alle Geister, die damit übereinkommen, sind aus Gott, die aber dawider sind, sind aus dem, der Adam und sein Geschlecht von Anfang her von Gott abgewendet, und durch die Lügen in den Tod geführet hat. Höret ihr aber nicht, und wollet immerfort die Ohren nach der Lüge wenden, mehr der verführerischen Creatur als dem unbetrüglichen Schöpfer glauben, eure Füße auf das Schlüpfrige setzen, keine Schrift, Vermahnung noch Gottes Hand und Strafe fürchten, und wahrnehmen, sondern alles verachten und als unnütz und eitel beiseit setzen, euch stets mit Lügen, Visionen, Träume, schönen Schein und falschen Deutungen trösten lassen, und also ohne Kreuz auf dem breiten Weg bleiben, so wird der gerechte Herr euch Spötter und Verführer in Haufen zuschicken, und ihr werdet durch sein gerechtes Urtheil aus einem verderblichen Irrthum in den andern gerathen wie man bereits sehen kann. Ihr werdet mit Lügen, Tand, Thorheit und Heuchelei gesättigt werden, die Frucht eurer Leichtfertigkeit sammeln, und zum letzten mit allen falschen Propheten und lügenhaften Wunderthätern hören, "weichet alle von mir ihr Uebelthäter, ich kenne euer nicht, wo ihr her seid," Luc. 13, 28. Seid hiermit also ewiglich gewarnet und treulich in Gott vermahnet. Sehet euch vor, der Tag nahet, thut Buße und bessert euch, Gottes Wort ist die Wahrheit. Ist jemand unter euch, der Gott fürchtet, der denke ihm nach, was ich schreibe, untersuche die Schrift, und glaube der Wahrheit, Gott hasset alle Lügner, das ewige Wehe und Zähnklappen wird der Heuchler Theil und Lohn sein. "Wer übertritt, und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat keinen Gott," 2. Joh. 1,9.

O ihr elenden, bezauberten Kinder, kehret um! Wenn ihr wüßtet, was es ist, den lebendigen Brunnen, Christum, verlassen, und sich selbst trockene Brunnen zu graben, die kein Wasser geben noch halten können, Jer. 2, wie bald würdet ihr den falschen Propheten, und dem heuchlerischen Leben den Rücken kehren, und euch dem wahren Hirten unserer Seelen, Christo, ergeben, und seinem sichern Rath, seiner Lehre, Vermahnung, Ordnung und seinem heiligen Vorbild (wiewohl in Schwachheit) folgen und nachkommen; aber die zauberische Blindheit hat leider den Verstand verdunkelt. Der liebe, barmherzige Herr verleihe euch allen miteinander Augen zu sehen, und Herzen zu verstehen, solches wünschen wir euch aus Grund unserer Seelen, Amen.