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Sieben Brüder, im Jahre 1536

In diesem Jahre sind auch sieben Brüder, mit Namen Hans Beck, Wahlfahrt Schneider, Christian Alzeiter, Balthasar Gesel, Wohlfahrt aus Getzenberg, Hans Maurer und Peter


Kraneweter aus Gosedaum in Etschland gefänglich abgeführt worden; man hat mit ihnen vorgenommen und gehandelt, um sie zu überwinden und zum Abfalle zu bringen, als sie aber ihnen nichts abgewinnen konnten, weil sie bei der Wahrheit und ihrem Glauben standhaft blieben, so haben sie die Pilatuskinder zum Tode verurteilt, welche sie, nach dem Rate der Hohenpriester, dem Scharfrichter übergaben; derselbe musste nun die Sache zu Ende bringen. Also sind sie von diesem Leben zum Tode gebracht worden, sie haben das Volk gewaltig zur Buße angemahnt und bewiesen, dass dieses die göttliche Wahrheit sei, und dass keine unreinen, trägen oder unachtsamen Herzen in der Probe bestehen könnten. Wohlfahrt war einmal abgefallen und hat nach der Gottlosen Begehren getan, hat aber nachher solches wieder beklagt und beweint; als er nach einigen Tagen abermals berufen ward, hat er den Herrn wieder bekannt und gesagt, der Teufel hätte ihn dazu verführt, dass er gegen Gott getan hätte; hierauf hat man ihn abermals zu den andern in den Turm geführt und hat auch mit den andern den Tod standhaft erlitten. Also haben sie sämtlich zu Gosedaum die Wahrheit mit ihrem Blute bezeugt.

Peter Gerhard, Peter Georg, Peter Leydecker und Janneken Melz, 1536

Im Jahre 1536, auf St. Margarethen Tag, des Morgens, hat der Schultheiß am Zürik See drei Brüder und eine Schwester, mit Namen Peter Gerhard, Peter Georg, Peter Leydecker und Janneken Melz gefangen genommen, welche er halb bekleidet mit sich geführt und sie auf einen Stein gesetzt hat, wo sie sieben Wochen gefangen gelegen und sich durch kein Leiden oder zugefügtes Elend zum Abfall haben bewegen lassen.

Als sie nun  examiniert oder verhört wurden und man ihnen viel Menschensatzungen vorlegte, welche sie mit Gottes Wort zu widerlegen suchten, sagte der Bürgermeister: Wir achten euer Wort Gottes nicht, sondern wir halten uns an des Kaisers Befehl und werden alle diejenigen, welche dagegen handeln, auf eine spöttische Weise ausrotten. Sie antworteten: Herr Bürgermeister, damit beweisest du, dass du ein Vorsteher des babylonischen Reiches und des Bels sein willst, was dir zwar auf Erden einige Belohnung eintragen kann, aber endlich eine  Ursache sein wird, dass dir mit dem Antichristen und dem gekrönten Tiere die ewige Verdammnis im feurigen Pfuhle zu Teil werden wird. Nachher wurden sie auf die Folterbank gebracht (wiewohl gegen ihre Rechte, indem sie Bürger waren), gleichwohl haben sie nicht abfallen wollen, wiewohl sie gepeinigt wurden, dass ihnen das Blut an den Füßen hinunterlief; sie vertrauen aber Gott und riefen ihn beständig an. Nachdem man sie gepeinigt hatte, führte man sie wieder hinauf, wo sie einander mit dem  Worte Gottes trösteten.

Endlich sind sie den 4. September zum Tode verurteilt worden, worauf man sie ungebunden nach der Schaubühne geführt hat, wohin sie sich ohne Furcht als Schäflein Christi demütig begeben haben; hier sind sie niedergekniet und haben mit Stephanus gesagt:  Herr Jesu, nimm unsern Geist auf, worauf sie in kurzer Zeit sämtlich enthauptet, ihre Leiber verbrannt und die Häupter auf Pfahle gesetzt worden sind; also haben nun dieselben ihr Opfer vollendet.
                
Hieronymus Kels, Michael Seifsieder, Hans Oberacker, im Jahre 1536

Im Anfange des Jahres 1536 wurde Hieronymus Kels von Kufstein mit Michael Seifsieder von Wald aus Böhmen und Hans Oberacker aus Etschland,  ausgesandt, um nach der Grafschaft Tyrol zu reisen. Als sie aber zu Wien in Österreich ankamen, sind sie von dem Wirte, wo sie herbergten, auf folgende


Weise verraten und gefänglich eingezogen worden. Als sie nämlich die Abendmahlzeit hielten, wurden sie von den Anwesenden aufgefordert, mit ihnen zu trinken, als sie nun merkten, dass sie keinen Bescheid tun wollten, ließ der Wirt Papier holen, und schrieb einen lateinischen Brief, welcher unter andern Worten in Deutsch also lautete: Hier sind drei Personen, welche mir Wiedertäufer zu sein scheinen. Er wusste aber nicht, dass der Bruder Hieronymus Latein verstand. Hierauf sagte der Bruder Hieronymus zu den andern Brüdern, es möchte geschehen, wie es dem lieben Gott gefiele, sie wollten sämtlich darauf warten. Nach zwei Stunden kamen des Richters Knechte und führten sie gebunden vor den Richter; als man sie verhört hatte, brachte man sie ins Gefängnis.

Nach acht Tagen forderte sie der Richter vor sich und seine Beisitzer, wo man ihnen sagte, sie sollten widerrufen. Der Bruder Hieronymus sagte: Sie sollten selbst von ihrem Unglauben abweichen und den Namen Gottes oder Christi nicht missbrauchen. Der Richter aber ist hierüber sehr in Zorn geraten, und weil Hieronymus ferner sagte, dass sie keine Christen wären, so sprach der Richter: Du bist ein verzweifelt böser Bube; gleichwohl hat Hieronymus, nachdem er wohl zehnmal darüber befragt worden, sein voriges Bekenntnis stets wiederholt. Darauf sagten die Beisitzer: Dieser heillose Mensch ist nicht wert, dass sich deine Weisheit über ihn erzürne; sie haben sich aber heftig über ihn und seine Brüder erzürnt, und sie wieder ins Gefängnis führen lassen. Nach acht Tagen hat sie der Richter alle drei wieder vor sich gefordert, und hat drei auserlesene arge Pfaffen zu sich genommen. Als nun dieselben mit Hieronymus reden wollten, dabei unsere Berufung verachteten, und unsern Glauben lästerten und vorgaben, sie wären gesandt, um sie wegen ihrer Irrtümer zu belehren, sagte er zu ihnen freimütig und unerschrocken: Wir sind auf dem rechten Wege, unser Ruf ist von Gott, auch hat uns Christus gelehrt, dass wir keiner  fremden Stimme gehorchen sollten; auch fügte er hinzu: Wir sind willig  allen Menschen Rechenschaft und Beweis von dem Grund unserer Hoffnung zu geben, aber mit Mönchen und Pfaffen, welche vom Papste, dem Antichristen,  ausgesandt sind, begehren wir nicht zu reden, denn sie sind große Buben, Hurer, Meineidige, Schalke und Verführer, wie auch diese.

Darauf sagte der Richter: Mein guter Hieronymus, du kennst die guten Herren noch nicht. Hieronymus sagte:  Gott ist mein Herr, sie aber keineswegs; dann hat er ihnen auf ihre Fragen wegen der Messe, der Erbsünde, der Kindertaufe, der Berufung und des grausamen abgöttischen Sakramentes geantwortet, was länger als zwei Stunden gedauert hat. Hierauf haben sie ihm zu Gemüte geführt, dass er doch sein liebes Leben, sein Weib und Kind, und dabei ihre treue Zusage, zu Herzen nehmen und zu Gott bitten möge, und dass auch sie bitten wollten; er aber sagte, dass sie die Wahrheit hätten und dabei bleiben wollten, man möchte tun, was man wollte; als sie nun auch die übrigen Brüder mit ihrem Gifte nicht anstecken konnten, hat sie der Richter wieder ins Gefängnis legen lassen, worin sie einander trostreiche Lieder zugesungen haben und fröhlich in Gott gewesen sind; und weil sie einander im Gefängnisse hören konnten, haben sie einander zugerufen und sich getröstet und gestärkt; auch haben sie ihr Glaubensbekenntnis mit vielen Beweisgründen aus der heiligen Schrift den Herren zu Wien und dem Richter schriftlich übergeben.

Dem gedachten Bruder Hans Oberacker ist des Herrn Tag dreimal erschienen, wie er uns aus dem Gefängnisse hat wissen lassen, und er hat solche Dinge (die er nicht aussprechen konnte) mit den innerlichen Augen des Herzens und auch mit seinen leiblichen Äugen gesehen, denn er sah den Zustand der Kinder


Gottes, und welche große Gnade sie von Gott empfangen hatten, dagegen aber  auch, wie gewaltig und schrecklich dieser Tag den Gottlosen sei, so dass er auch bat, Gott wolle ihn nimmermehr in solches Gericht fallen lassen, welches über die Bosheit so groß und schrecklich sei.

Nachdem man nun diese Brüder auf mancherlei Weise versucht hatte, und sie gleichwohl, als tapfere Ritter und Liebhaber Gottes, im Glauben standhaft blieben, sind sie von den  Pilatuskindern zum Tode verurteilt und den Freitag vor Judica in der Fasten des gedachten Jahres in Wien zu Asche verbrannt worden.

Georg Baser und Leonhard Seiler, im Jahre 1536

Georg Baser, ein  Diener des Herrn und seiner Gemeinde mit dem Bruder Leonhard Seiler, seinem Mitgehilfen, wurde in eben demselben Jahren zu Neudorf in Österreich auf seiner Durchreise gefangen genommen und daselbst in den Stock gelegt. Am andern Tage kam der Richter von Metlyng mit dem ganzen Rate und andern Leuten vom Volke mit ihnen, und fragten sie, warum sie gefangen lägen? Sie antworteten: Um des Glaubens an Christum und der göttlichen Wahrheit willen.

Man hat sie sodann eine Strecke von Neudorf, in die Mark Metlyng (zwei Meilen von Wien gelegen) geführt. Auf dieser ganzen Reise haben sie mit aller Freimütigkeit von der Wahrheit Zeugnis gegeben, und zu ihnen mit vielen Worten von dem Gerichte und Urteile Gottes geredet, dass sich auch der Richter und alle übrigen darüber entsetzten, und nicht ein einziges Wort dagegen sagen mochten.

Sie haben sie aber daselbst in ein gemeines Gefängnis gelegt, worin ihre Mitgefangenen sie sehr gottlos, schändlich und niederträchtig misshandelt haben, was ihnen täglich so großes Herzeleid und Kummer verursachte, dass sie es lieber gesehen hätten, man hätte sie, um solches gottlose Wesen nicht zu hören, in ein stinkendes Loch gelegt.

In der Zeit ihrer Gefangenschaft hat man wegen der Kindertaufe und wegen des Sakraments viele und dringende Fragen an sie gerichtet, und ihnen dabei gesagt, dass wir sie alle gottlos und ungläubig nennten, worauf sie wegen der Kindertaufe ihnen antworteten, dass sie ihnen dieselbe gar wohl zuständen, und hinzufügten: weil sie sich Christen nennten, aber dabei den Namen Christi missbrauchten, und auch das Geringste, welches Christus befohlen und geboten hätte, mit keinem Finger anrührten, so sollten sie wissen, dass sie des Teufels seien, und wenn sie  keine Buße wegen ihrer Sünden tun würden, so würde Gott ihren falschen Ruhm vertilgen, und sie würden mit  der ganzen Welt und dem reichen Manne in den Abgrund der Hölle verstoßen werden; solches würde gewiss geschehen, wenngleich sie es bis jetzt nicht glaubten.

Nachdem sie beinahe ein ganzes Jahr im Gefängnisse zugebracht hatten, in welcher Zeit sie sich zum Tode zubereiteten, denn sie waren hierzu willig, guten Mutes und fröhlich im Herrn, so dass sie Gott, den gnädigen Herrn, baten, dass er sie aus dieser sterblichen Hütte und argen, blinden Welt erlösen wolle und dabei eine gute Hoffnung, große Freude und ein herzliches Verlangen hatten abzuscheiden, so dass sie jede Stunde und jeden Augenblick bereit waren, durch Gottes Hilfe und Beistand, um der Wahrheit Gottes und des Namens unsers Herrn Jesu Christi willen, trotz aller Pein und Leiden, welche ihnen auch zustoßen würden, männlich und ohne Furcht zu sterben, sind sie nachher aus besonderer Schickung Gottes, ohne Verletzung ihres Gewissens, wunderbar erlöst worden und in Frieden bei der Gemeinde


zu Trasenhofen angekommen, woselbst sie als gute, würdige und liebe Brüder im Geiste empfangen und mit großer Freude aufgenommen worden sind.

Im Jahre 1537

Im nachfolgenden Jahre wurde der erwähnte Georg Baser, auf Anhalten einiger Eiferer in Österreich nach Pechstall gesandt, wo er das Wort Gottes getrost zu lehren anfing, die Gläubigen versammelte, und nach Gottes Befehle Gemeinden aufrichtete, obgleich er kurz zuvor aus dem Gefängnisse von Metlyng befreit worden war. Als er nun daselbst sich aufhielt, fiel er einem verschlagenen Menschen, oder dem, welcher dessen Plan ausführte, in die Hände; derselbe hat, unter dem Vorwande die Wahrheit von ihm, als von einem Diener, zu lernen, viele Knechte bestellt mit dem Befehle, dass sie zu gelegener Zeit an diesen Georg Baser Hand anlegen und ihn fangen sollten, was sie auch getreulich ins Werk setzten.

Hierauf ist er im Gefängnisse auf vielerlei Weise versucht und mit grausamer Pein viel mit ihm gehandelt worden; aber er ist standhaft geblieben und ist denen, die er  im Glauben unterrichtet hatte, getreulich bis in den Tod vorangegangen. Also ist er mit dem Schwerte hingerichtet worden, und hat  den Glauben und die Wahrheit Gottes mit seinem Blute bezeugt.

Bastian Glasmacher und Hans Grünfelder, 1537

Auch ist im Jahre 1537 Bastian Glasmacher und Hans Grünfelder zu Imst im Ober-Inntale um des Glaubens und der Wahrheit Gottes willen gefangen gesetzt worden; diese hat man  mit dem Schwerte gerichtet und dann verbrannt. Sie haben mit großer Freude den Herrn, samt seinem heiligen Worte und seiner Wahrheit bekannt. Als man sie hingerichtet, ist eine große Menge Menschen gegenwärtig gewesen; Hans hat überlaut gerufen und gesprochen, und das Volk bis an seinen Tod zum Besten angemahnt und gewarnt; desgleichen auch Bastian, so dass sich das Volk sehr über sie wunderte.

Ihre Gebeine konnte man nicht ganz verbrennen, weshalb man sie ins Wasser geworfen hat; auch hat man des einen Herz nicht verbrennen können, zweifelsohne ihnen zum nachdrücklichen  Zeugnisse.

Hans Peiß und einige andere, im Jahre 1537

Auch ist in eben demselben Jahre 1537 Hans Peitz, ein  Diener des Evangeliums, mit einigen seiner Glaubensgenossen zu Passau an der Donau um der Wahrheit Gottes willen gefangen gesetzt worden; sie haben eine lange Zeit gefangen gelegen und vieles erlitten und ausgestanden, sind aber endlich, nebst andern, die ihren  Glauben und die Wahrheit bekannt haben, nach großer Standhaftigkeit und Tapferkeit, im Gefängnisse entschlafen.

Hans Wucherer und Hans Bartel, im Jahre 1537

In eben demselben Jahre 1537 ist der Bruder Hans Wucherer im Bayerlande und mit ihm noch ein Bruder, genannt Hans Bartel, seines Handwerks ein Weber, gefangen genommen worden. Man hat sie nach Mermeß geführt, daselbst lagen sie sechzehn Tage gefangen und sind in der Zeit zweimal von Kaiphas und den Pfaffen verhört und auch zweimal gepeinigt worden; dieselben haben sie gefragt, was sie von dem Sakramente hielten, worauf sie denselben gewaltig widersprochen und gesagt haben, dass es ein Gräuel und ein Abgott vor dem Herrn sei, es sei nicht zu glauben, dass sie den Leib Christi mit  Fleisch und Blut, wie er am Kreuz gehangen, so viel hunderttausend


Mal zu essen geben könnten, sondern das Abendmahl sei ein Andenken seines Leidens, Sterbens und Blutvergießens, wodurch er uns  erlöst hat. Um nun sich dessen zu erinnern und im Herzen nachzuforschen, sollen solches die Gläubigen, welche Glieder seines Leibes oder seiner Gemeinde sind, halten und ihm dabei von Herzen Dank sagen. Hierauf sind sie wegen der Kindertaufe und was sie von ihren Pfaffen und Kirchen hielten, gefragt worden; diesem allem haben sie nach der Wahrheit widersprochen. Hierauf haben sie dieselben gefragt, was sie von dem Ehestande und den zehn Geboten hielten, worauf sie auch geantwortet haben. Dann hat man sie gebunden nach Bruckenhausen geführt und daselbst einen jeden besonders im Gefängnisse an eine Kette geschlossen; sie haben sie auch zu sechs verschiedenen Malen vorgeführt und verhört, um sie zum Abfalle und Widerrufe zu nötigen, in welchem Falle man ihnen Gnade erweisen wollte. Sie haben aber die Gnade Gottes mit der Gunst der Welt nicht verwechseln wollen, weil sie überzeugt waren, dass sie die rechten Gläubigen seien und die Wahrheit Gottes hatten.

Das siebte Mal sind die Pfaffen ins Gefängnis zu ihnen gekommen; sie aber blieben standhaft in Gott; man hat sie auch sehr gepeinigt; den Hans haben sie gefoltert, dass er ganz krank wurde; den Bruder Bartel aber zweimal; sie haben aber damit an ihnen nichts ausgerichtet.

Das achte Mal ist der Richter samt drei andern zu ihnen gekommen, dieser hat, nachdem sie grausam und schrecklich mit ihnen umgegangen sind, ihnen das Leben abgesprochen und sie zum Feuer verurteilt; nichtsdestoweniger hofften sie in dem Herrn durch den unaussprechlichen Reichtum der  Gnade und Kraft Gottes, treu und standhaft zu bleiben in der Wahrheit Gottes bis ans Ende.

Nachher sind sie um des Glaubens willen verbrannt worden, sie haben die Wahrheit  tapfer bezeugt und die Krone der Märtyrer Christi erlangt.

Philippus von Keurs, im Jahre 1537

Es hat sich auch im Jahre 1537 zu Casses in Flandern ein gottesfürchtiger frommer Bruder, namens Philippus Keurs, seines Handwerks ein Schreiner, aufgehalten. Als er sich auch von der gegenwärtigen  argen Welt abgesondert und auf den Kreuzesweg, welcher zum Reich Gottes führt, begeben hatte, so haben ihn die Diener dieser Welt (gleichwie auch seinen Herrn und Meister Jesum),  gehasst, geschmäht und verfolgt, weshalb er endlich in die Hände der Tyrannen gefallen ist, welche ihn mit harter und schwerer Gefangenschaft unbarmherzig zugesetzt haben. Da er aber nicht auf beweglichen Sand, sondern auf den unbeweglichen Felsen gegründet war, so ist er im allem wie das  durchläuterte Gold standhaft geblieben. Als er sich nun durch nichts von der Wahrheit abziehen lassen wollte, ist er daselbst vom Leben zum Tode verurteilt worden und hat also den Glauben der Wahrheit mit seinem  Blute und Tode befestigt, und gleichwie er hier seines Herrn und Meisters Christi Leiden teilhaftig geworden ist, so wird er auch in der  Offenbarung seiner Herrlichkeit sich sehr freuen und fröhlich sein und die Krone der ewigen  Herrlichkeit empfangen und ewig genießen. (Abschrift aus einigen sehr alten Zeugnissen.)

Zwölf Personen, sowohl Männer als Weiber, werden um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Bucht, unweit Herzogenbusch, im Jahre 1538 verbrannt und enthauptet

Im Jahre 1538, im August, hat man in der Stadt zehn oder siebzehn Männer und Weiber gefangen genommen,


welche man der Wiedertaufe beschuldigte. Diese waren sämtlich geringe oder arme Leute, ausgenommen ein Goldschmied, der unter ihnen war, namens Paulus von Druynen, von welchem man sagte, dass er ihr  Lehrer gewesen sei.
 

Dieser Paulus wurde zu Bucht, mit drei andern Mannspersonen, auf einer Schaubühne lebendig erwürgt und verbrannt, den 9. September.

Die drei andern hießen: Stephens von Osterholtz, die Töpfer, Johann Block von Gent, ein Bandweber, und Adrian von Grafen (Haag), ein Bandweber.

Man hat einem jeden derselben ein Seil oder einen Strick in den Mund gebunden, damit sie nicht laut reden oder rufen sollten.

Dabei waren zwei Minderbrüder und zwei Dominikaner, welche ihnen viel sagen wollten, ihnen auch ein Kruzifix zeigten; sie aber wollten es nicht ansehen und sagten: Sie hätten Gott im Herzen und wollten deshalb weder Holz noch Steine anbeten; auch baten sie für diejenigen, welche ihren Tod verursacht hatten, und sagten: Der Knecht sei nicht besser als sein Meister, in dessen Namen seien sie willig zu sterben, sie wollten aber den Mönchen nicht gehorchen.

Über diese hat ein vom Hofe dazu Verordneter, namens Meister Adrian von der Grafe, welcher ein Gelehrter der beiden Rechte gewesen, das Urteil gefällt; er hatte einen Mann von derselben Sekte bei sich, welcher Vergebung seiner Missetaten erlangt hatte (vermutlich ein Abtrünniger), und der anzeigte, wo dieselben wohnten.

Diesem gedachten Verordneten waren sieben Ratsherrn zugesellt, welche sie sämtlich, nachdem sie einen Kreis geschlossen, zum Tode verurteilten. Die Namen der Ratsherrn waren: Meister Goosen von der Stege, Gisbert Heyn und Matthias Stooters, Heinrich Pelgrim, sonst Keßler, Meister Henrich Luysterisan von der Stege, H. Geist-Meister und Govert Symonß, Kirchenältester.

Den 11. September sind an vorgenanntem Orte drei Frauen und ein Mann erwürgt worden, von welchen auch gesagt wird, dass sie wiedergetauft worden seien; eine derselben ist des Lehrers Pauli Hausfrau gewesen, bei welcher Exekution auch Mönche (nämlich um sie zum Abfalle zu überreden) gegenwärtig gewesen sind.


Die Hausfrau Pauli sagte: O Herr! Erleuchte doch denen die Augen, die uns solches Leiden antun, damit sie sehen, was sie tun. Ich danke Dir, o Gott, dass Du mich dieses Leidens um deines Namens willen würdig erkannt hast.

Der Dominikaner sagte zu einer andern Frau: Bleibst du nicht bei der heiligen Kirche? Sie sagte: Ich bleibe bei Gott, ist mir dieses nicht heilige Kirche genug?

Dann sprach der Dominikaner zur Mannsperson: Johann von Capelle, bitte, dass er dir vergebe, weil du uns ein böses Exempel gegeben hast. Er antwortete: Ich habe nicht geirrt, sondern bin mit Gottes Worte umgegangen, und mir ist‘s leid, dass ich so lange in der Finsternis gewesen bin. Ich bitte euch, Bürger, lest doch das Evangelium und lebt darnach, und lasst ab von eurer Schwelgerei, Büberei, eurem Fluchen und euch mit dem Kreuze zu zeichnen (Kruyssen).

Die dritte Frau sagte: O allmächtiger Gott! Du wollest


mir nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. So sind sie guten Muts gestorben.

Der vorgenannte Paulus und seine Hausfrau hatten ein neun Monate altes Kind, welches noch ungetauft war; solches nahmen sie der Mutter im Gefängnisse ab und tauften es; auch sind Herr Philipp von Doorn, Diakon zu St. Jan, Postulia, Meister Ja von der Stegens Hausfrau, und Anna, Meister Goosen von der Stegens Hausfrau Taufzeugen dieses Kindes gewesen. Hierauf sind sie alle getötet worden.

Desgleichen auch den 14. September, morgens um 6 Uhr, wurde noch ein junger Gesell von eben derselben Sekte enthauptet.

Dieses ist der Inhalt der alten Schrift, welche uns aus Friesland zugesandt worden ist.

Vergleiche mit demjenigen, was Bore van Utrecht in der Geschichte vom Anfange von Herzogenbusch von den Leuten, welche daselbst gefänglich eingebracht worden sind, berichtet.

Es lässt sich annehmen, dass die ganze vorgemeldete Beschreibung von einem verfertigt worden sei, welcher noch nicht zum Glauben gekommen war; denn er nennt den wahren Glauben der vorgenannten, getöteten Leute eine Sekte, deren Ende und Tod, wie es scheint, er selbst angesehen hat; darum dürfen wir an der Wahrheit desselben umso weniger zweifeln, weil es gewiss ist, dass die Widersacher einer Lehre diese Lehre nicht anpreisen, sondern derselben vielmehr widersprechen werden.

Leonhard Lochmayer und Offrus Gritzinger, 1538

Im Jahre 1538 ist Bruder Leonhard Lochmayer, ein Diener  des Worts in der Grafschaft Tyrol gefangen genommen und nach Brixen geführt worden; daselbst haben viele Pfaffen mit allerlei Schalkheit ihm zugesetzt, bis sie ihn zum Falle gebracht haben; nachher haben sie von ihm verlangt, dass er ein ganzes Jahr mit dem Doctor Gallus das Land durchziehen solle, um gegen die göttliche Wahrheit zu predigen und dieselbe zu widerrufen; solches hat er nicht tun wollen, darum haben sie ihn im Gefängnisse verwahrt; denn ehe er ein Bruder geworden, ist er ein Pfaffe gewesen. Er ist in sich gegangen, hat über seinen Fall Reue empfunden und ist in große Angst geraten, denn das Gericht Gottes hat ihn sehr gedrückt; als aber Gott sein trauriges Gemüt erkannte, hat er ihm wieder aufgeholfen, wie nachher folgen soll.

Offrus Gritzinger, im Jahre 1538

In eben demselben Jahre wurde auch Offrus Gritzinger, ein Diener des Worts in der Grafschaft Tyrol gefangen genommen;  man suchte ihn auf den Bergen und in den Tälern, man forschte nach ihm auf den Brücken und an andern Orten; auch haben sie viel Geld auf Offrus gesetzt wer ihn entdecken konnte; ferner haben sie auch Kundschafter und Verräter ausgesandt, die sich anstellen sollten, als wollten sie fromm werden. Als sie seiner habhaft geworden, haben sie ihn auch nach Brixen geführt und daselbst nicht weit von Leonhard Lochmayer gefangen gelegt, so dass sie miteinander haben reden können; hier hat dieser Leonhard bei Offrus seinen Fall aufs Tiefste beklagt, und dieserhalb große Reue und Herzeleid gezeigt; es hat ihn aber Offrus sehr getröstet und ihm nach einer aufrichtigen Reue und wahren Buße im Namen des Herrn Vergebung seiner Sünden angekündigt,


ja ihn durch seine Fürbitte wieder im Glauben aufgerichtet und als Mitglied und Bruder aufgenommen.

Nicht lange darauf, als man den Bruder Offrus, den treuen Diener des Herrn und seiner Gemeinde durch mancherlei Verhandlungen sehr versuchte und ihm mit schwerer Pein drohte, wenn er seine Brüder nicht bekannt machen würde, welche noch nicht vertrieben waren, insbesondere diejenigen, die ihn beherbergt und ihm Gutes getan hatten, so hat er zu ihnen gesagt:  Ich habe mich übergeben, um alle Pein und Leiden durch die Kraft Gottes zu ertragen, welche ein Mensch bis in den Tod leiden kann, ehe ich euch solches sagen und einen Verräter abgeben wollte; ich habe es zuvor wohl gewusst, dass es mir so gehen würde; ich bin nun in eurer Gewalt,  tut, was euch Gott zulässt; wollt ihr mit mir unbarmherzig umgehen, so könnt ihr es tun; Gott wird euch wohl finden; ich weiß nichts zu sagen oder anzubringen. Hierauf haben sie ihm mit Bedrohungen zugesetzt und zu ihm gesagt, wenn er für die Wahrheit einstände, so wollten sie ihn bei der Wahrheit ermahnt haben, dass er die Wahrheit reden und an den Tag bringen wolle. Hierauf sprach der Bruder Offrus: Ich kenne euch wohl mit eurer Wahrheit, ihr hört es, was ich euch gesagt habe.

Auch haben sie ihn gefragt, ob dem nicht so wäre, dass wenn sich unsere Zahl vermehren würde, wir uns gegen sie aufwerfen und sie, wenn sie uns nicht beitreten, erwürgen würden? Er hat ihnen geantwortet: Würden wir solches tun, so wären wir keine Christen, sondern nur dem Namen nach Christen; wenn ihr auch wahre Christen wärt, so würdet ihr auch niemanden martern, töten oder umbringen.

Dann haben sie ihn gebunden und aufgewunden, dann aber schnell wieder heruntergelassen und dem Peinigen Einhalt getan, ihn auch bedroht und gesagt, warum er seine Glieder so zerreißen lassen wollte, worauf er geantwortet: Ich bin in euren Händen, tut mir, wie euch Gott zulässt, ihr könnt mir doch nicht mehr als das Leben nehmen, also sind sie an ihm verzagt worden.

Nach acht Tagen haben sie ihn abermals aufgewunden, wiewohl gelinder; aber er sprach zu ihnen: Ich habe es euch einmal gesagt, was ich euch sagen kann, nur wisset dieses, dass euch Gott um eurer Grausamkeit willen wohl finden wird; also sind sie wieder verzagt geworden, haben ihn fernerhin zufrieden gelassen und ihn nicht mehr gepeinigt; auch ist er in Folge der Marter erkrankt, dass er um desto weniger redete.

Nach acht Tagen kamen sie abermals zu ihm und beriefen ihn zweimal vor sich; aber sie verweilten nicht lange bei ihm, weil er ihnen ihre Büberei, Schalkheit und Ungerechtigkeit vor Augen stellte.

Er ist aber daselbst nach vielen  Leiden und Trübsalen von den Pilatuskindern zum Tode verurteilt, lebendig ins Feuer gestellt und zu Asche verbrannt worden; er hat also als ein christlicher Held von seiner Lehre und Wandel mit seinem Blute ein standhaftes und ritterliches Zeugnis abgelegt und dieselbe versiegelt; so geschehen Allerheiligen Abend, im Jahre 1538; und obwohl er zuvor in großer Bedrängnis gewesen, und mit dem Tode gekämpft hat, so ist er doch damals, als er zum Tode hinausging, guten Muts und von Herzen fröhlich gewesen.

Den Leonhard Lochmayer, weil er zuvor Pfaffe gewesen, haben die Pfaffen beschützt, dass er nicht mit Offrus getötet worden ist; denn sie wollten ihm zuvor ihre verfluchte Einweihung wieder abnehmen; Gott aber, welcher ihre Ratschläge verhindern wollte, fügte es so, dass der Weihbischof, welcher das Werk verrichten sollte, selbst starb; also ist er einige Tage nach Offrus mit dem Schwerte gerichtet worden und hat als ein rechter Priester sich selbst Gott zur angenehmen  Gabe geschenkt und aufgeopfert und seine Wahrheit bis in den Tod bezeugt.


Michael Widemann oder Beck, im Jahre 1538

Um eben diese Zeit ist auch Bruder Michael Widemann oder Beck, zu Rieten im Allgäu mit einem Teile des Volkes gefangen genommen worden; man hat aber das Volk wieder nach Hause gesandt und nur diesen Bruder um des Glaubens willen in das Gefängnis gelegt; sie haben mit ihm viel gehandelt, auch ihn versucht und zum Abfall ermahnt, er aber hatte eine gute Versicherung seines Glaubens in Christo und sprach: Als ich mit der Welt in aller Ungerechtigkeit, in Sünden und Bosheit lebte, hat man mich nicht zum Abfall ermahnt, sondern ich bin vor der Welt ein guter Christ gewesen; nun ich mich aber bekehrt und mein Leben gebessert habe, sagt man mir, dass ich abfallen soll; wiewohl ich mich einmal bekehrt habe und von aller Ungerechtigkeit abgewichen bin, so will ich nun in solcher Bekehrung bis ans Ende verharren; davon lasse ich mich nicht abziehen, denn solches, worin ich stehe, ist der rechte Grund. Als er nun beinahe ein halbes Jahr gefangen gelegen, hat man ihn enthauptet und verbrannt.

Martin aus Vilgraten und Kaspar Schuhmacher, 1538

Auch sind im Jahre 1538 diese Brüder, Martin aus Vilgraten und Kaspar Schuhmacher, bei zu Michelsberg Priestertal um der Wahrheit Gottes willen gefangen genommen, nach großer Standhaftigkeit zum Tode verurteilt und mit dem Schwert hingerichtet worden. Sie sind bis an ihr Ende männlich im Glauben verharrt, auch in ihren Banden und Trübsalen wohlgemut gewesen und haben sich an der Liebe Gottes festgehalten, wovon sie weder durch Trübsal noch durch Angst und Verfolgung abgezogen werden konnten. Kein Hunger, keine Armut, keine Blöße, keine Gefahr war so groß, kein Schwert so scharf, kein Feuer so heiß, kein Teufel so arg, kein Mensch so emsig, dass sie sich dadurch hätten von Gott und seiner Wahrheit und von ihrem Herrn und Heilande Jesu Christo abwendig machen lassen, sondern sie haben dasjenige, was Gott ihnen zu erkennen gegeben, durch seine Gnade und Kraft bis in den Tod bewahrt.

Johann Styaerts und Peter, im Jahre 1538

Um dieses Jahr 1538 sind in Flandern zwei Verwandte gewesen, der eine Styaerts und andere Peter genannt. Diese zwei jungen Gott suchenden Blümlein wohnten bei ihren Eltern im Dorfe Mereedor, in Flandern gelegen.  Als sie nun mit Ernst nach Gott eiferten und in der Heiligen Schrift forschten, haben sie gar bald gemerkt, dass nach der Lehre Christi das Zeichen der  Begrabung der vorherbegangenen Sünden, der Auferstehung mit Christo und des Wandels in einem neuen Leben den gläubig Wiedergeborenen die christliche Taufe im Wasser nötig sei, und nachdem sie darnach ein Verlangen hatten, sind sie nach Deutschland gereist, um ihre Glaubensgenossen aufzusuchen; als sie aber daselbst ihr Verlangen nicht befriedigen konnten, sind sie bald wieder zu ihren Eltern in Flandern  zurückgekehrt, und haben daselbst den Herrn ihren Gott mit Ernst gesucht, so dass sie ein gutes Zeugnis hatten, den Armen viel Gutes taten, und mit  Zachäus sagten: So sie jemand betrogen hätten, so wollten sie es vielfältig wiedergeben. Als solches die päpstlich Gesinnten, welche gegen das Licht der Wahrheit Hass und Feindschaft hetzten, merkten, haben sie diese gedachten beiden jungen Schäflein aus den Wohnungen ihrer Eltern zu Mereedor abgeholt und sie in der Nähe von Gent in ein Dorf, Vinderhout genannt, gebracht, woselbst sie dieselben in einer Grube hart gefangen gesetzt haben. Als ihre Schwester einmal zu ihnen kam, ihnen reine Hemden brachte, sagten sie zu ihr: Sie könnten dieselben nicht vor den Würmern schützen, welche in ihrer Speise wären und


diese zehrten auch an ihren Kleidern, Hemden und an ihrem Leibe. Auch sagten sie: Hier ist eine Bibel; der Inhalt derselben sowie die Ursache ihrer Bande würde wohl nach ihrem Tode an den Tag kommen. Der vorgemeldete Styaerts ist einmal aus dem Gefängnisse gelassen worden, um einer leiblichen Krankheit willen, und hätte (wie man meint), wohl die Freiheit erlangen mögen; gleichwohl ging er gutwillig wieder ins Gefängnis und war willig, mit seinem lieben Bruder um des Namens Jesu willen zu sterben. Also hat man sie nach einer gewissen Zeit zur  Schlachtbank geführt. Der erste von ihnen, welcher getötet werden sollte, war Peter; derselbe hat (indem er seine Augen gen Himmel erhob) dem Johann Styaerts getrost zugerufen: Mein lieber Bruder! Streite tapfer, denn ich sehe den  Himmel über uns offen! Sie sind aber zu Vinderhout beide mit dem Schwert hingerichtet worden. Also sind auch diese beiden mehrgedachten jungen Zweige in dem Vorhofe des Herrn von dem  grausamen Tiere, welches aus der See hervorgekommen ist,  verzehret und verschlungen worden, aber über ihre unsterblichen Seelen haben sie keine Gewalt gehabt; diese haben ihre Zuflucht zu Gott genommen, wo sie  ewig in unaussprechlicher Freude leben werden. Als nun ihre Eltern von Mereedor nach Vinderhout reisten und nach ihren Kindern fragten, sagten die Einwohner zu ihnen, sie seien bereits mit dem Schwerte hingerichtet worden. Und also sind sie ihrer Kinder durch diese Tyrannen beraubt worden.

Hans Seyel und Hans von Wels, 1538

In ebendemselben Jahre 1538, den Mittwoch vor Christmeß, wurde Hans Seyel von Mur und Hans von Wels um des Glaubens und der göttlichen Wahrheit willen zu Sandweid in Karenten gefangen genommen; auch sind sie, als sie sich  standhaft und männlich im Glauben hielten, zum Tode verurteilt und mit dem Schwerte hingerichtet worden, und haben also bis an ihren Tod den  Weg der Wahrheit ohne Furcht mit ihrem Blute bezeugt und davon nicht abweichen wollen, solange ihre Augen offen standen und der Atem in ihnen war.

Von einem gewissen Befehle in England, welcher gegen die Taufgesinnten im Jahre 1538 bekannt gemacht wurden ist, und was im Jahre 1539 darauf erfolgt ist.

Auch ist (schreibt P. I. Twisck) nach vieler Tyrannei, Verfolgung und Morden, welches in verschiedenen Ländern und Königreichen über die Christenschar ergangen, gleichfalls in England im Jahre 1538 im Dezember ein Befehl gegen die Gläubigen und nach Christi Ordnung Getauften bekannt gemacht worden.

Laut dieses Befehls sind sie im kalten Winter des Landes verwiesen worden, und haben davon ziehen und flüchten müssen, wohin sie konnten.

Daher ist es geschehen, dass einige derselben ihre Zuflucht nach Holland genommen haben; als sie aber nach Delft kamen, sind sie daselbst von ihren Feinden auskundschaftet worden und den Tyrannen in die Hände geraten; sind auch daselbst, nachdem sie auf mancherlei Weise versucht worden und in ihrem Glauben standhaft geblieben, an gemeldetem Orte um der Wahrheit willen vom Leben zum Tode verurteilt und den 7. Januar im Jahre 1539 getötet worden; von denselben sind sechzehn Männer mit dem Schwerte enthauptet und fünfzehn Frauen ertränkt worden.


Diese sechzehn Männer und fünfzehn Frauen, das ist einunddreißig Personen, welche im Jahre 1539 aus England nach Delft geflüchtet sind und daselbst, um der wahren Bekenntnis Jesu Christi willen, in demselben Jahre getötet worden sind, müssen von andern siebenundzwanzig Personen unterschieden werden, welche ein Jahr zuvor, nämlich 1538, ebendaselbst ihr Leben gelassen haben. Wir haben die hierüber aufgezeichneten Verhöre und Todesurteile gesehen, weil wir aber darin nicht Licht genug gefunden haben, wollen wir dieselben nicht berühren und befehlen sie Gott, womit wir unsern Abschied nehmen.

Apolonia, Leonhard Seilers Hausfrau, 1539

Im Jahre 1539 ist eine Schwester Apolonia, Leonhard Seilers eheliches Weib, nachdem sie mit ihm in den obern Ländern gewesen, in der Grafschaft Tyrol gefangen genommen und nach Brixen geführt worden; sie ist aber, durch die unwandelbare Gnade und Kraft Gottes, welcher ihrem weiblichen Gemüte ritterlich beistand, standhaft im wahren Glauben geblieben, hat auch bei demjenigen, was sie Gott in der christlichen Taufe verheißen hatte, Stand gehalten, ohne dass sie zur Rechten oder Linken abgewichen wäre; deshalb ist sie nachher zum Tode verurteilt und ertränkt worden und hat so die  Marterkrone erlangt.

Große Verfolgung in Österreich, 1539

In demselben Jahre 1539, als die Gemeinde eine kleine Zeit zu Steinborn in Österreich gewohnt hatte und nun anfing sich daselbst zu vermehren, konnte solches die alte  Schlange, der neidische und grundböse Satan, welcher die Frommen so jämmerlich quälte, nicht dulden und übersehen, sondern erweckte durch seine Feindschaft die Kinder der Bosheit, insbesondere die Pfaffen, welche hier in allem sein Werk treiben und ausrichten, dass sie dem König Ferdinand beständig in den Ohren lagen, die Frommen mit Unrecht verklagten und ihn aufhetzten, bis er endlich in ihr Begehren einwilligte und seinen Feldobersten von Wien mit den Henkersknechten und einigen Reitern aussandte; dieselben kamen unvermutet nach Falkenstein, nahmen von da viel unnützes Volk mit sich und überfielen die Gemeinde zu Steinborn auf den sechsten Tag im Dezember des Abends, oder in der Nacht des oben gedachten Jahres; sie brachten alle Mannspersonen, welche sie daselbst fanden, zusammen in eine Kammer, und verfuhren auf gleiche Weise mit den Frauen und Jungfrauen; sie hielten die Nachtwache mit vielem Geschrei und Gepolter, und brachten alle ein, die sie finden konnten. Ihre Hauptabsicht und ihr Wille ging dahin, die  Ältesten und Diener der Gemeinde zu fangen in der Hoffnung, sie würden bei ihnen viel Geld finden und auf solche Weise den armen Leuten die Nahrung entziehen, und achteten es nicht, dass Gott solches mit schwerer Strafe heimsuchen würde; aber Gott hat sie durch seine Vorsichtigkeit daran verhindert, dass sie nicht einen Diener finden konnten; sie durchschauten der Witwen und der Waisen Vorrat und Nahrung hin und wieder in allen Winkeln, und ließen in ihrem gottlosen Fleiße nicht nach; Gott hat jedoch ihren Rat (indem sie nämlich bei den Armen Reichtum zu finden glaubten) vernichtet und zu Torheit gemacht; in solcher Tyrannei fingen sie die Kranken, die Kinder und schwangeren Weiber, so dass sich darüber ein Herz von Stein zur Barmherzigkeit hätte bewegen lassen und darüber Mitleid empfunden haben würde.

Es haben sich aber die gefangenen Brüder und Schwestern


zubereitet, ihren Leib und ihr Leben Gott, es sei durch Feuer oder Schwert, aufzuopfern. Es sind auch an eben demselben Abende einige Männer von dem Philippischen Volke gekommen, die ihnen den Zweck der Gemeinden und ihres ganzen Lebens bekannt machen wollten; dieselben sind auch in die Verfolgung verwickelt worden. Auf diese Weise wurden ihrer daselbst wohl an hundertfünfzig Brüder gefangen genommen und auf das Schloss zu Falkenstein in gute Verwahrung gebracht; unter denselben waren einige, welche den Gnadenbund der Taufe noch nicht erreicht hatten; auch waren solche dabei, die von der Wahrheit abgefallen waren und nun in ihrer Buße standen. Als sie nun alle in das Schloss Falkenstein gekommen waren, haben sie mit denjenigen, die sich noch nicht in dem Glauben verbunden hatten, eine Unterredung gehalten, was in diesem Leben ihr Vorhaben sei; haben ihnen auch bezeugt, dass, wenn sie anders um des Zeugnisses und der Ehre Gottes willen in allem Elende an dem Herrn Christum festhalten wollten, welche Not und Angst ihnen auch darüber begegnen möchte, so wollten sie dieselben für Mitgenossen in dem Reiche Christi halten und hoffen, dass ihnen Gott gnädig sein würde, jedoch mit dem Vorbehalte, dass die Gemeinde mit denjenigen, welche durch Gottes Schickung wieder auf freien Fuß und zu der Gemeinde kommen würden, Macht haben sollte, aus des Herrn Befehl, nach ihrem Bekenntnis und Ordnung zu handeln; und wenn dieses ihr Wille, Vorsatz und Entschluss sei, so wollten sie an den Ältesten und die Gemeinden schreiben und ihnen darnach vollkommenen Bescheid erteilen.

Hierauf haben sie alle ihr williges Gemüt zu erkennen gegeben und solchen Vortrag mit fröhlichem Herzen und großer Danksagung, als eine Gnade Gottes, angenommen.

Darauf ist ohne Verzug eine schriftliche Nachricht hiervon an die Gemeinde gesandt, und auch in Eile eine schriftliche Antwort von derselben wieder zurück erfolgt, des Inhaltes, dass mit solchem Entschlüsse alle Gläubigen wohl zufrieden waren, weil man diejenigen, welche noch nicht nach göttlicher Ordnung der Gemeinde einverleibt, gleichwohl aber in allen Dingen mit derselben eines Sinnes und einstimmig seien, auch ein lauteres Zeugnis der Wahrheit zu führen begehrten, mit ihr zu leiden und auch in solcher Not ihr Leben daran wagen wollten, getrost wie andere Glaubensgenossen annehmen möchte.

Als ihnen nun wieder von dem Bekenntnisse der Gemeinde Nachricht gegeben wurde, haben sie sich dem Herrn willig anvertraut, auch sich in aller Trübsal, gleichwie andere Fromme, sehr geduldig erwiesen, und vor vielen Zeugen ein gutes Bekenntnis abgelegt. In derselben Zeit, als sie noch zu Falkenstein waren, hat der König Ferdinand seinen Feldobersten und einige Doktoren von den Pfaffen, desgleichen auch den Scharfrichter, zu ihnen gesandt; dieselben haben in der Christnacht (die man doch in allen Ländern zu feiern pflegt) mit den gefangenen Zeugen der Wahrheit mit vieler Arglist zu handeln angefangen, haben auch einigen mit scharfen Fragen zugesetzt, was ihr Zweck und ihre Hoffnung sei, wo ihr Schatz und Geld wäre, worauf sie in der Wahrheit bekannt haben, Christus sei ihr Herr und Heiland, ihr einziger Trost, ihr liebster Herzensschatz und bestes Teil, durch welchen sie Gottes Güte und Gnade empfingen. Sie haben auch mit ihnen von andern Artikeln gehandelt und ihnen Unterricht, Anweisung und Lehre gegeben und sie, wie sie vorgaben, vorzüglich in Ansehung ihres Sakramentes bekehren wollen; sie rühmten solches sehr, und wollten sie überreden zu glauben, dass das Fleisch und Blut Christi in solchem gegenwärtig wäre, und dass dieses, wie sie sagten, unser Herr Gott wäre; die Brüder aber antworteten, dass es ein stummer Gott sei, und dass  des Herrn Abendmahl einen ganz andern Sinn habe, als


sie irrigerweise vorgeben, und die Welt dadurch schändlich zu betrügen und zu erschrecken suchten. Mit diesen und vielen andern Bekenntnissen sind des Königs Gesandten wieder nach Wien gezogen; diese gefangenen Brüder aber sind in dem Schlosse Falkenstein in Verwahr geblieben.

Es verzog sich aber bis zu Anfang des Jahres 1540, als des Königs Feldoberster mit einem Spanier und dem Reichsprofess, sowie auch andern Reitern in ihrer Rüstung gekommen sind; diese haben die gefangenen Brüder mit Gründen weiter untersucht; diejenigen nun, welche ihnen nicht beistimmten, sondern bei der bekannten Wahrheit blieben, haben sie sofort, zu zwei und zwei, in eiserne Ketten und Banden mit den Händen aneinander geschlossen. Unterdessen, als die Gefangenen auf die See geführt werden sollten, sind ihre Schwestern, ihre Glaubensgenossen, in dem Schlosse zu Falkenstein angekommen; einige waren der gefangenen Brüder Ehegemahl, einige aber hielten insbesondere mit brünstigem Gebete ernstlich bei Gott dem Allmächtigen an, dass er sie alle, sowohl zu Wasser als zu Lande, vor allem Unrechte und sündlichem Wesen bewahren, auch ihnen ein standhaftes Gemüt geben und verleihen wolle, um  in der Wahrheit bis in den Tod zu verharren. Nach solchem Gebete hat ein Spanier Befehl erhalten, einen jeden hinwegzuführen. Hierauf haben sie unter heißen Tranen und mit weinenden Augen voneinander Abschied genommen und einander herzlich zugeredet, dass sie an dem Herrn und an der erkannten Wahrheit fest und unverbrüchlich halten wollten, und so hat einer den andern zu vielen Malen dem gnädigen Schutze Gottes anbefohlen, ohne zu wissen, ob sie einander ihr Leben lang mit leiblichen Augen wieder sehen würden. So mussten Mann und Frau voneinander scheiden und ihre kleinen unmündigen Kinder verlassen, welches Fleisch und Blut nicht hätte tun können, wenn es nicht durch die Kraft Gottes und um seinetwillen geschehen wäre. Dieser Abschied ist so herzzerreißend gewesen, dass sich auch des Königs Feldoberster und andere seinesgleichen des Weinens nicht enthalten konnten. Als nun alle Dinge angeordnet und die Geleitsleute fertig waren, zogen die Frommen aus, in einem festen Vertrauen auf Gott, dass er ihnen beistehen und ein Auskommen verschaffen würde; also wurden ihrer wohl neunzig von dem Turme gebracht, zwei und zwei aneinander geschlossen, nachdem sie fünf und eine halbe Woche auf Falkenstein gesessen hatten; die Schwestern aber mussten auf dem Schlosse bleiben und sahen den Brüdern unter vielem Seufzen und Herzwehe, so lange als sie dieselben sehen konnten, über die Mauer nach.

Hierauf wurden sämtliche Schwestern vom Schlosse nach ihren Wohnplätzen zurückgesandt; die Brüder aber, welche sie um ihrer Schwachheit, Krankheit und um ihrer Jugend willen nicht mit sich auf die See nehmen konnten, behielten sie alle im Schlosse in Haft; auch gaben sie einige junge Knaben hin und wieder den österreichischen Herren zu leibeigenen Sklaven; diese sind aber fast alle wieder zu der Gemeinde gekommen, die übrigen sind im Schlosse geblieben, welchen Gott auch ein gnädiges Auskommen verschafft hat.

Der Grund dieser großen Not der Frommen war der, dass sie gegen das ungerechte und abgöttische Leben und Wesen der Pfaffen im Antichristentume zeugten, welches Gott heftig an ihnen strafen, und mit ihnen und ihren Sünden ein Ende machen würde. Deshalb hat der König Ferdinand dem Haufen der Pfaffen, welche ein Rotte von Räubern sind und Lust zum Würgen haben, Gewalt gegeben, mit ihnen nach Belieben zu handeln. Diese haben nun ein Urteil über dieselben gefällt, wie über Leute, die des Todes schuldig sind, weshalb man sie auf Erden nicht


dulden, sondern auf die See bringen sollte, wo sie, andern Brüdern zur Warnung, unter großer Angst und Not ihr Leben beschließen sollten; die andern drei aber sollten dem obersten Befehlshaber der Kriegsflotte auf der See übergeben werden, um auf den Galeeren zum Raube und im Kriege gegen die Türken und andere Feinde gebraucht zu werden. Obgleich nun diese gefangenen Brüder den Gesandten des Königs zuvor ankündigten, dass sie zum Raube und Kriege gegen den Feind nicht ausziehen und so wenig zu Wasser als zu Lande in dies Unheil einwilligen, oder gegen Gott im Himmel sündigen wollten, weil es gegen ihren Glauben und ihr Gewissen wäre, und dass Gott sie daher sowohl zu Wasser als zu Lande durch seine unüberwindliche Kraft zu bewahren und durch seine Gnade zu erhalten wissen würde, so sind nichtsdestoweniger diese Zeugen der göttlichen Wahrheit durch die Gesandten des Königs, mit seinem ernstlichen Befehle an die Obrigkeit in den Städten, Flecken und Dörfern, dass sie aus einem Gerichte in das andere gebracht werden sollten, transportiert worden; sie haben aber unterwegs viel und mancherlei Widerwärtigkeiten und Trübsal leiden müssen, wiewohl ihnen Gott aus Gnaden immer Mittel in die Hand gegeben hat, insbesondere darin, dass sie jeden Morgen und Abend, ohne von jemandem verhindert zu werden, ihr Gebet zu Gott verrichten können und dabei einander ungestört, zum Troste der Mitbrüder, haben aufmuntern dürfen; solches haben sie von Gott als eine besondere Gnade und Gabe mit großer Danksagung aufgenommen. Durch solche und dergleichen Beweise ihrer Frömmigkeit haben sie an vielen Plätzen die Menschen überzeugt, so dass viele, welche sie vor ihrer Ankunft für Übeltäter gehalten, großes Mitleiden mit ihnen gehabt haben; hierin haben ihnen des Königs Diener, ihre Geleitsleute, sehr häufig zugesehen und sie aufgemuntert, dass sie nicht stillschweigend durch Städte und Flecken ziehen, sondern ihren Glauben mit Singen, oder auf eine andere Weise bekannt machen sollten. Auf solche Weise ist nun die gläubige Schar durch Länder und Städte, gleich einer Herde Schafe, nach der See geführt worden; sie haben ihre Reise von dem Schlosse Falkenstein auf Wien, nachher auf die Neustadt und Schatweven, über den Sommering, nach Pruck an der Mour auf Bärisch-Gratz, auf Leynitz und Marburg, auf Tiel, auf Stein in Krainland, über die San und Labach genommen, wo kein Trost für sie vorhanden war. Hier haben sie zur Zeit ihrer Gefangenschaft großen Hunger und Not leiden müssen, und sind mit dem Brote der Angst gespeist und mit der Wasser der Trübsal erquickt worden.

Also hat Gott sein Wort und seine Wahrheit in allen Orten und Landschaften offenbaren und den Völkern, die nichts davon gewusst beben, bekannt machen und ihren Schall hören lassen wollen; denn gleichwie Gott immer gnädige Mittel verordnet, um die Menschen von der Ungerechtigkeit abzulocken, so ist es auch hier mit diesen Zeugen des Glaubens und der göttlichen Wahrheit ergangen, als sie in viele und mancherlei Plätze, wo auch fremde und unbekannte Sprachen geredet wurden, geführt worden sind, wo die Wahrheit zuvor nicht gehört worden, sondern den Völkern unbekannt und verborgen gewesen ist. Dieses hat einige aus Krain, Wandalisch- oder Welschland erweckt, der Wahrheit genauer nachzuforschen; einige sind zur Erkenntnis gekommen, welche noch auf den heutigen Tag Gott von Herzen dienen. Was man aber mit diesen gefangenen Brüdern zur Zeit ihrer Reise an vielen Plätzen gehandelt habe, auch wie man sie geschlagen, getrieben, mit Stricken und Ketten zusammengebunden hat, und was ihnen darüber begegnet ist, solches wäre zu weitläufig zu beschreiben, doch sind sie stets von Gott in ihren Herzen getröstet worden, wie groß auch die Trübsal


gewesen, die sie erlitten haben. Weil aber Gott in der größten Not der Seinen immer zum Besten gedenkt und dieselben niemals ganz vergisst, so hat er auch einige in dem Gefängnis gestärkt, dass sie in guter Behutsamkeit und Hoffnung auf Gott vertrauen sollten, dass er ihnen ihr Auskommen verschaffen und zeigen werde, um welches sie in der Furcht Gottes mit den andern gebetet hatten, denn obgleich sie fest beschlossen hatten, um der Wahrheit Gottes willen zu leiden und lieber sterben, als sich zur gottlosen Seeräuberei gebrauchen zu lassen, so haben sie doch Ursache genug gehabt, mit herzlichem Seufzen und Klagen beständig im Gebete bei Gott anzuhalten, dass er seine göttliche Ehre in ihnen befördern wolle. In diesem Gebete hat ihnen Gott gezeigt, wie sie eine ordentliche Unterredung miteinander halten, wie die Starken die Schwachen unterstützen sollten und wie einer dem andern behilflich sein sollte, und obgleich sie nur wenig Zehrung hatten, so haben sie doch dem Herrn vertraut, dass er ihnen ein Auskommen vergönnen würde, dass sie nicht nötig hätten zu betteln oder um Brot bitten. Hierauf sind sie in der zwölften Nacht zu Triest alle aus ihren Ketten und Banden erlöst worden und aus dem Gefängnisse entkommen, denn es ist ihnen durch die Vorsehung Gottes ein Ort gezeigt worden, wo sie sich in einer Stunde alle mit Stricken von der  Stadtmauer hinuntergelassen haben, wobei ihnen die Bande, die man ihnen angelegt gehabt, zu ihrer Befreiung haben dienen müssen. Daraus kann man wohl merken, dass Gott den Seinen alles zum Besten wendet und kehrt, obwohl die Gottlosen viele Anschläge wider die Frommen machen. Auf solche Weise sind sie durch göttliche Schickung aus den Händen ihrer Feinde befreit worden, obgleich dieselben die Stadt und Mauer mit ihren wachsamsten Wächtern besetzt hatten; denn Gott hat ihre Vorsicht zur Torheit gemacht, sodass sie selbst neben dem Wachthause über die Mauer entkommen sind.

 Als sie nun sämtlich, Kranke sowohl als Gesunde, über die Mauer hinuntergekommen waren, haben sich die meisten versammelt, sind niedergekniet und haben miteinander Gott Lob und Dank gesagt; daher hat es ihnen auch Gott auf dem Wege glücken lassen, dass der größte Teil derselben mit Freuden und wohlgemut wieder zu der Gemeinde in Mähren gekommen ist; doch haben die Gottlosen, die ihnen nachjagten, zwölf derselben wieder ergriffen und gefangen genommen, welche mit den drei andern des Kaisers Befehlhaber über die Flotte und Kriegsrüstung, um mit auf die See zu gehen, übergeben und auf die Galeeren gebracht wurden; ihre Absicht war zwar, sie zum Rauben zu gebrauchen, aber die Frommen haben ihr Leben daran gewagt und sich lieber mit Stricken und Geißeln schlagen lassen. Über ihr ferneres Schicksal haben wir übrigens keine bestimmten Nachrichten, wiewohl zu vermuten ist, dass sie nicht viel gute Tage in ihrem Leben gehabt haben werden, wenn sie sonst bei Gott standhaft geblieben sind; die oben gedachten von Gott erlösten Brüder aber sind, als sie ungefähr in 1540 von Triest wieder zu der Gemeinde nach Mähren gekommen, mit großer Freude und Danksagung, als eine geschenkte Gabe von Gott, aufgenommen worden.

Annecken Jans aus Briel wird den 23. Januar 1539 nebst Christina Michael Barents von Loeven zu Rotterdam ertränkt

Diese Annecken Jans war in Briel geboren (wie mir ihr Urenkel, Esajas de Lind, in Rotterdam geboren, berichtet hat); sie war das einzige Kind ihrer Eltern, reich an Mitteln und mit ihrem Manne um der Religion willen nach England geflüchtet. Als sie aber von England wieder nach Holland kam, um einige Sachen zu Delft zu verrichten, oder, wie einige meinen, mit

David Joris oder mit seiner Gesellschaft zu reden und von Isselmonde nach Rotterdam auf einem Wagen fuhr, ist sie von jemandem, der mit ihr auf demselben Wagen saß, weil sie ein geistliches Liedchen sang, in Verdacht gezogen und zu Rotterdam angeklagt, auch von dem Gerichtsdiener, als sie in das Delfische Schiff steigen wollte, ergriffen worden. Nachdem sie nun einige Zeit gefangen gesessen hatte, ist sie zum Tode verurteilt und ertränkt worden, wie nachher folgt. Dieselbe hat auch, als sie gefangen genommen oder, wie andere wollen, als sie hinausgeführt wurde, um hingerichtet zu werden, eine Bitte an das Volk, welches um sie stand, gerichtet, ob jemand ihr Söhnlein Esajas, welches fünf Viertel Jahre alt war, annehmen und als sein eigenes Kind aufziehen wollte. Diesem hat sie zu seinem Nutzen einiges Geld, welches sie in einem Beutel darreichte, verheißen; hierzu hat sich ein Bäcker, der selbst sechs Kinder hatte und nicht gut fortkommen oder sein Brot gewinnen konnte, angeboten, weshalb sie ihm ihr vorgenanntes Söhnlein im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes mit der obigen Bedingung übergeben hat. Als nun dieser mit dem Kinde nach Hause kam, hat er zwar zuerst das große Missvergnügen seines Weibes ertragen müssen, nachher aber hat er den Segen Gottes, auf den er hoffte, als er das Kind annahm, so reichlich genossen, dass es ihm nicht allein in seiner Bäckerei und Nahrung besonders glückte, sondern dass er auch endlich die Brauerei zu den drei Ringen an sich gekauft und seinen Kindern, unter welche er diesen vorgenannten Esajas auch zählte, viel Geld und Gut hinterlassen hat, sodass dieser Esajas de Lind Bierbrauer in der Brauerei zum Anker, ja gar Bürgermeister in Rotterdam geworden, auch in solche Hochachtung bei dem Rechtsgelehrten Johann von Oldenbarnefeld gekommen ist, dass er Barnefelds Tochter und dieser seinen Sohn über die Taufe gehoben hat. Der Verräter aber, als er auch Annecken Jans ertränken sehen wollte und zu dem Ende durch das Wassertor bis ans Ende der Straße, die Obere genannt, hinausging, ist, als die Brücke einfiel, ins Wasser gefallen und ertrunken, noch ehe die Annecken Jans ertränkt ward, auch ist sein ganzes Haus und Geschlecht in die äußerste Armut geraten.

Ein Bekenntnis, in der Stadt Rotterdam abgelegt, den 24. Dezember, nachmittags, im Jahre 1538, im Hause und in Gegenwart des Jorenz Jacobs Minnebeck, Baelin Melis Jans, Gerrit von Zorlen, Jost Fyck von Hove und Doen Arentz, Ratsherren der vorgenannten Stadt.

Annecken Jans, eine Tochter aus Briel gebürtig, ungefähr acht- oder neunundzwanzig Jahre alt, hat mündlich bekannt, dass sie von einem, genannt Meynart, wiedergetauft worden sei, von welchem man sagte, dass er unverheiratet sei; solches sei vor etwa vier Jahren in ihrem eigenen Hause geschehen, welches zu Briel in der Coppenstraße steht.

Auch sagte die vorgenannte Annecken, dass ihr Mann, genannt Arent Jans, Barbier, auch von demselben Meynart auf denselben Tag und Stunde wiedergetauft worden sei.

Christina Michael Barents, geboren zu Loeven, ungefähr fünfzig Jahre alt, hat mündlich bekannt, sie sei zu Loeven in ihrem eigenen in der Steinstraße gelegenen Hause ungefähr vor vier Jahren von einem, genannt Johannes, wiedergetauft worden, von welchem sie glaubte, er sei von Mastricht oder aus dortiger Gegend gewesen.

Ferner sagte die vorgenannte Christina, dass ihr Mann, genannt Meister Mattiß von der Donck, ein Wundarzt und der Arznei Erfahrener, auch um diese Zeit von dem vorgenannten Johannes wiedergetauft worden sei.

Auch sagte die vorgenannte Christina, dass damals auch zwei Frauen wiedergetauft worden seien, von denen die eine zu Brüssel eines natürlichen Todes, die andere aber in England an der Pest gestorben sei; beide Frauen seien Lynken genannt worden; so viel sie wüsste, seien sie Mutter und Tochter gewesen.

Den 23. Januar im Jahre 1539 sind die vorgenannte Christina und Annecken nach der Kais. Majestät Befehle verurteilt worden, welches nachstehende Urteil durch den Schreiber öffentlich vorgelegen worden ist. Nach den geschriebenen Rechten, laut der K.M. Befehle, wie auch nach unser G.F. der Königin Befehle sollen Christina Michael Barents von Loeven und Annecken Jans, eine Tochter aus Briel, an ihrem Leben gestraft werden.

Sie wurden im Schiffe, in der Nähe des ersten Baumes, außerhalb der Pforte zu Delft zum Gerichte hinausgebracht und daselbst im Wasser ertränkt. Als sie ertränkt waren, hat man sie herausgezogen und in der Stadt auf den roten Sand begraben.

Ausgezogen aus einem gewissen Buche des Blutgerichtes der Ratsherren von Amsterdam, welches auf Pergament geschrieben ist, im Jahre 1489 anfängt und sich im Jahre 1539 endigt.

Ein Sendbrief von Annecken Jans Tochter, des Esajas de Lind Mutter, an D.I. im Jahre 1538 geschrieben.

Der Herr, der in der Ewigkeit wohnt, dessen Augen erhaben sind über alles und in der Luft, dessen Thron nicht betastet und dessen Herrlichkeit nicht begriffen werden kann, vor welchem der Engel Heer mit Beben steht (ach! wie viel mehr wir), deren Erhaltung in Wind und Feuer verwandelt wird, dessen Wort wahrhaftig und dessen Rede unbeweglich, dessen Befehl stark und dessen Gestalt schrecklich ist, dessen Ansehen die Tiefe vertrocknet, und dessen Zorn die Berge weichen macht, dessen Wiederkunft wir mit Verlangen erwarten, er müsse in dir vermehren und ausführen, was er zu seinem Preise in dir angefangen hat. Ich danke meinem Vater und verherrliche meinen Seligmacher für die Gnadengabe in deiner Weisheit, welche durch einen hohen Geist und den wunderbaren Rat Gottes von oben kommt zur Ehre und Verherrlichung seines allerheiligsten Namens und zur Reinigung und Heiligung seines Volkes; gebenedeit seist du dem Herrn, meine Hände lassen nicht nach, werden auch nicht matt, dasjenige fortzutreiben, was du angefangen hast an des Herrn Bau zu arbeiten; sei du die Wanne in des Herrn Hand, bereite dem Herrn ein angenehmes Volk, damit er eilend zu seinem Tempel komme, denn er hat einen großen Ekel an allem Unreinen, gleichwie geschrieben steht: Verflucht sei der Mann oder Mensch, der dem Herrn ein unreines Opfer bringt. Darum, o du tapferer Führer Israels, du Geliebter des Herrn, trage fleißig Sorge für den Weinberg, beschneide seine Schösse, tue hinweg, was seinem Wachstume hinderlich ist, wodurch sie ihrem Herrn missfallen mögen; der Herr wolle deine Kraft vermehren und dir mehr Weisheit geben, denn er hat Lust zu dir, zu dir, sage ich, welchen er zum Wächter in seinem Hause, zum Hirten seiner Herde gesetzt hat, der du als der Frommste unter ihnen angeschrieben bist, der Vornehmste unter dreien, des Königs Lust zu vergnügen, welches du durch die ernstliche Liebe zu deinem Gotte mit deinem Blute bewiesen, und wodurch du bei dem König viele Gaben und Gunst erlangt hast, wie solches täglich sichtbar ist, denn gleichwie der Regen das Erdreich und der Tau die Blumen des Feldes erfrischt, und ihren Geruch den Menschen lieblich macht, so gibt deine Ermahnung, Lehre und Unterweisung den Menschen Leben, Nahrung und Geschmack, obschon darin kein hoher Verstand ist, und ihnen den Weg der vollkommenen Weisheit Gottes zeigt, wodurch sie zu einem vollkommenen Manne in Christo Jesu unserem Herrn aufwachsen. O was hast du Schönes bei andern und Gutes vor anderen! Die solche sind, nehmen stets mehr und mehr in Tugenden zu, so lange, bis sie zu Gott selbst kommen und bei ihm öffentlich in Zion gesehen werden, wonach auch wir mit Schmerzen verlangen, um unseres Glaubens Ende zu sehen und zu beschauen. O ich erfreue mich darin, wenn ich höre, dass sich das Kreuz offenbart, und der Streit sich erhebt, und hoffe, dass mich der Herr erhören und mich von dieser irdischen Hütte meiner Wohnung erlösen wolle, damit ich das Trauerkleid ablegen, die herrliche und siegprächtige Zierde meines Herrn empfangen und zum Anschauen Gottes gelangen möchte. Ich will nun, mit andern, seine Wiederkunft in Geduld erwarten; ich bin sehr gewiss, warum er zögert; vielleicht bin ich ihm noch nicht gefällig oder rein genug, wohin ich auch Tag und Nacht arbeite, um mich vor dem Herrn, meinem Gott, rein darzustellen und meine Hände vor ihm unbefleckt aufzuheben; er selbst zupft mich bei den Haaren und sieht mich an mit freundlichen Augen, wie einer, der mich liebt, dass, wenn ich etwa in einen Schlaf verfiele, ich nicht ruhen möchte. In Wahrheit, das Überlegen seiner Gnade und Freundlichkeit gegen uns hat unser Verlangen zu ihm über die Maßen vermehrt. Es ist wahr, wir haben große Lust an seinem Gesetze, weshalb wir wohl noch leben möchten, um andere zu lehren und den Menschen bekannt zu machen, wer er sei, und wie bedachtsam man leben müsse, dass man ihn nicht erzürne. Siehe, wir wohnen ja mitten unter unsern Feinden, wie er sagt, dass diese Häuser nicht frei seien von der Feinde Anlauf und Verdrießlichkeit. So geht es mit den Aufrichtigen, die doch immer mit Furcht und Zittern im Anschauen Gottes wandeln, denn sie merken und erkennen den Adel ihres Rufs, und wie heilig sie sein müssen; sie hüten sich sehr vor aller Befleckung, und wollen nichts Unreines leiden; gleichwohl wird ihnen oft zu bange gemacht; doch über alles dieses ist unser Herz, unsere Seele und unser Geist an dem Orte, von welchem wir unsern König und Erlöser erwarten; darum wollen wir nicht aufhören uns zu reinigen, wie du in allen deinen Briefen ermahnst. Ja gewiss, es eilt die Erscheinung herbei, worauf ich warte, und seine Zukunft erzeigt sich sehr klar. Darum laß uns zusehen, dass wir uns in allem rein erweisen, denn wenn wir gereinigt sind, dürfen wir nichts als die Füße reinigen; hier ist Verstand, wer es liest, denn diesen dürfen wir nicht von der Erde erwarten. O du Geheiligter des Herrn! Sei tapfer, laß es dich nicht verdrießen; es ist noch um ein Geringes zu tun, dann wird er kommen und uns eine Probe seiner Herrlichkeit zeigen, der Welt zum Gerichte, ihm aber und uns zur Verherrlichung. Amen.

Dieses ist nach einem Briefe abgeschrieben, welcher von Esajas de Lind eigener Hand geschrieben ist; dieser war Anneken Jans Sohn, nach dem Zeugnisse des Esajas de Lind, seines Enkels.

Diese hat nachfolgendes Testament an ihren Sohn Esajas bestellt, und den 23. Januar im Jahre 1539, morgens gegen 9 Uhr überliefert, als sie sich zubereitete, für den Namen und das Zeugnis Jesu zu sterben, und hat damit von ihrem Sohne zu Rotterdam Abschied genommen.

Esaja, empfange dein Testament

Höre, mein Sohn, die Unterweisung deiner Mutter,  öffne deine Ohren, um die Reden meines Mundes zu hören. Siehe, heute gehe ich den Weg der Propheten, Apostel und Märtyrer, um den  Kelch zu trinken, den sie alle getrunken haben; ich gehe den Weg, sage ich, den Christus Jesus, das ewige Wort des Vaters,  voller Gnade und Wahrheit, der Hirte der Schafe, der das Leben selbst ist, in seiner eigenen Person und nicht durch einen andern gewandelt ist, und diesen Kelch auch hat trinken müssen, gleichwie er sagte: Ich muss einen Kelch trinken und mich noch
 

taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis die Stunde vollendet ist. Nachdem er nun durchgegangen ist, ruft er seine Schafe, und seine Schafe  hören seine Stimme und folgen ihm nach, wo er hingeht, denn dieses ist der Weg zu der rechten  Quelle. Diesen Weg sind die königlichen Priester durchgegangen, welche vom Aufgange der Sonne kamen, wie in der Offenbarung steht, und in die ewigen Zeiten eingegangen sind, und auch  diesen Kelch haben trinken müssen.

Diesen Weg haben die Toten betreten, welche unter dem Altare liegen, rufen und sagen:  Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger! Wie lange richtest du und rächest nicht unser Blut an denen, die auf Erden wohnen; und ihnen wurde einem jeden ein weißes Kleid gegeben, und es ward zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kleine Zeit ruhten, bis dass ihre Mitknechte und Brüder noch hinzukämen, die auch noch um des Zeugnisses Jesu willen getötet worden sollten. Diese haben auch den Kelch getrunken, und sind  hinaufgewandert, um den ewigen heiligen Sabbat des Herrn zu halten. Dieses ist der Weg, welchen  die vierundzwanzig Ältesten gewandelt sind, die vor dem Stuhle Gottes stehen und ihre Kronen und Harfen vor den Stuhl des Lammes werfen, auf ihr Angesicht fallen und sagen: Herr! Dir allein sei Preis, Herrlichkeit, Kraft und Stärke, der du das Blut deiner Knechte und Diener rächen und selbst den Sieg davon tragen wirst.  Groß sei dein Name, Allmächtiger, der du warst, bist und kommen wirst.

Diesen Weg sind auch die  Gezeichneten des Herrn gewandelt, welche das Zeichen „Thaw" an ihrer Stirne empfangen haben, die aus allen Geschlechtern der Menschen erwählt,  die mit Weibern nicht befleckt sind (verstehe dieses) und dem Lamme nachfolgen wo es hingeht.

Siehe, alle diese haben den Kelch der Bitterkeit trinken müssen,  gleichwie auch alle diejenigen, die noch mangeln an der Zahl und der Erfüllung Zions, als der Braut des Lammes,  welche das neue Jerusalem ist, die von oben vom Himmel herabsteigt, eine Wohnstatt und ein Thron Gottes, in welchem die Herrlichkeit des großen Königs gesehen werden wird, zur Zeit  wenn man das hochzeitliche Laubhüttenfest halten und feiern wird, in den Tagen der ewigen Ruhe und Freude.

Siehe, diese alle haben nicht dazu gelangen können, ohne dass sie zuerst  das Gericht und die Strafe an ihrem Fleische ertragen hätten, denn Christus Jesus, die ewige Wahrheit, ist der erste gewesen, wie geschrieben steht:  Das Lamm, das da von Anfang erwürget war. Hierauf kommt Paulus und sagt: Also hat es dem Vater gefallen, dass alle, welche er von Ewigkeit ersehen, er auch berufen, erwählt, gerechtfertigt und sie dem Bilde seines Sohnes gleichförmig gemacht hat. Auch spricht unser gesegneter Seligmacher:  Der Knecht ist nicht besser als sein Herr, sondern es ist ihm genug, das er seinem Herrn und Meister gleich sei. So bezeugt auch Petrus, wenn er sagt:  Es ist Zeit, dass das Gericht anfange am Hause Gottes, so aber zuerst an uns, was will es für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben, und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Ferner steht Spr 11,31: So der Gerechte auf Erden leiden muss, wie viel mehr der Gottlose und Sünder? Siehe, mein Sohn, hier hörst du, dass niemand zum Leben kommt, als durch diesen Weg. Darum gehe ein durch die enge Pforte, und nimm des Herrn Züchtigung und Unterweisung an, und beuge deine Schultern unter sein Joch, und trage  es wohlgemut


von deiner Jugend an, und danke darum mit großer Ehre und Freude; denn er empfängt und nimmt keinen Sohn, den er nicht züchtigt. Ferner sagt Paulus:  Wenn ihr ohne Züchtigung seid, welcher sie alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder, und sollt aus dem Erbteile der Kinder Gottes ausgestoßen werden.

Wenn du nun Lust und Begierde hast,  in die heilige Welt und in das Erbteil der Heiligen einzugehen, so umgürte deine Lenden und wandle ihnen nach;  forsche in der Schrift, und sie wird dir Unterricht von ihren Gängen geben. Als der Engel mit dem Propheten redete, hat er gesagt:  Es ist eine Stadt, voll von allerlei Gütern, ihr Eingang aber ist eines Menschen Fußsteig breit, auf der einen Seite steht ein Feuer, und an der andern Seite ein großes Wasser. Wie kannst du nun die Stadt zum Erbteile empfangen? Du musst erst die Enge durchwandeln. Siehe, mein Sohn! Dieser Weg leidet keinen Weichen, da sind keine krummen Abwege, welche zur Linken oder zur Rechten abweichen, deren Erbteil ist der Tod. Siehe, dieses ist der Weg,  welchen wenig Menschen finden und noch viel weniger wandeln, denn es sind einige, welche noch wohl erkennen, dass dieses der Weg zum Leben sei, aber er ist ihnen zu scharf und verursacht ihrem Fleische Schmerzen.

Darum, mein Kind,  sieh nicht auf die große Menge und wandle nicht auf ihren Wegen; wehre deinem Fuß vor ihrem Pfade, denn sie gehen der Hölle zu, gleichwie Schafe zum Tode; gleichwie Jesaia berichtet, wenn er sagt:  Die Hölle hat den Rachen weit aufgetan, dass beide hinunterfahren, ihre Herrlichen und Pöbel.  Es ist ein unverständig Volk, darum wird sich auch der ihrer nicht erbarmen, der sie geschaffen hat. Wenn du aber hörst, wo ein armes, schlechtes und verstoßenes Häuflein sei, welches von der  Welt verachtet und verworfen ist, zu demselben halte dich. Und wo du vom Kreuze hörst, da ist Christus; demselben entziehe dich nicht.  Fliehe den Schatten dieser Welt, halte dich zu Gott und fürchte ihn allein; bewahre seine Gebote, behalte alle seine Worte, dass du darnach tust;  schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, binde sie auf deine Stirne, rede von seinen Rechten Tag und Nacht, so wirst du ein lieblicher Baum  und ein Zweig im Garten deines Herrn, eine angenehme Pflanze sein, welche in Zion aufwächst; nenne die Furcht des Herrn deinen Vater, so wird die Weisheit die Mutter deines Verstandes sein. Wenn du dieses weißt, mein Sohn,  so bist du selig, wenn du es tust. Halte das, was dir der Herr gebietet, und heilige deinen Leib zu seinem Dienste,  damit sein Name in dir geheiligt, gepriesen, verherrlicht und groß gemacht werde. Schäme dich nicht, ihn vor den Menschen zu bekennen, fürchte dich nicht vor den Menschen,  lasse lieber dein Leben, ehe du von der Wahrheit weichen wolltest, und wenn du deinen Leib, der aus Erde gemacht ist, verlieren wirst, so hat der Herr, dein Gott, dir einen bessern im Himmel bereitet.

Darum, mein Kind,  streite für die Gerechtigkeit bis an den Tod;  waffne dich mit der Waffenrüstung Gottes.  Sei ein frommer Israelit, tritt alle Ungerechtigkeit, die Welt und alles, was darinnen ist, mit Füßen, und liebe das allein, was droben ist; bedenke, dass du nicht von dieser Welt seiest,  gleichwie dein Herr und Meister auch nicht davon gewesen ist; sei ein treuer Jünger Christi,  denn es ist niemand tüchtig zu bitten, als der sein Jünger geworden ist, und eher nicht. Diejenigen, welche gesagt haben, wir haben alles verlassen, sagten auch,


lehre uns beten; sie sind es auch gewesen, für welche der Herr gebetet hat, und nicht für die Welt; denn wenn die Welt betet, so ruft sie ihren Vater, den Teufel, an und begehrt, dass sein Wille geschehe, wie sie auch tut.  Darum, mein Sahn, werde ihr nicht gleich, sondern scheue dich vor ihr und fliehe sie, und habe mit ihr weder Teil noch Gemeinschaft; achte dasjenige nicht, was vor Augen ist, suche allein was droben ist. O mein Kind,  sei meiner Ermahnung eingedenk und verlasse dieselbe nicht.  Der Herr lasse dich in seiner Furcht aufwachsen und erfülle deinen Verstand mit seinem Geiste; heilige dich dem Herrn, mein Sohn!  Heilige deinen ganzen Wandel mit der Furcht deines Gottes. In allem, was du tust, verherrliche seinen Namen.  Ehre den Herrn mit den Werken deiner Hände, laß das Licht des Evangeliums an dir hervorleuchten.  Liebe deinen Nächsten; brich dem Hungrigen dein Brot mit brünstigem und feurigem Herzen; kleide die Nackenden und zögere nicht, damit nicht etwas zweifach bei dir ist; denn es gibt immer solche, welche daran Mangel haben.  Alles, was dir der Herr von dem Schweiße deines Angesichts über deine Notdurft beschert, teile denen aus,  von welchen du weißt, dass sie den Herrn fürchten, und laß nichts bei dir bleiben bis an den Morgen,  so wird der Herr deiner Hände Werk segnen und seinen Segen dir zum Erbe geben. O mein Sohn!  Führe deinen Wandel dem Evangelium gemäß, und der Gott des Friedens heilige dich an Seele und Leib zu seinem Preise. Amen.

O heiliger Vater, heilige den Sohn deiner Dienstmagd in deiner Wahrheit, und bewahre ihn vor dem Argen, um deines Namens willen, o Herr!

Nachher hat sie dieses mit ihrem Blute versiegelt, und ist also als eine fromme Heldin und Nachfolgerin Jesu Christi auch mit unter die Zahl der aufgeopferten Zeugen Gottes gekommen.

Tjaert Reynertß, im Jahre 1539

Auch war um das Jahr 1539 ein gottesfürchtiger Hausmann, namens Tjaert Reynertß, welcher nicht weit von Harlingen in Friesland wohnte,  wo er von den blutdürstigen Papisten vieles um der Wahrheit willen hat leiden müssen. Die Ursache seiner Gefangenschaft ist gewesen, weil er Menno Simon aus Mitleiden und brüderlicher Liebe in seinem großen Elende heimlich in seinem Hause beherbergt hatte; als dieses die Beneider ausgekundschaftet haben, ist er dieserhalb ergriffen und grausam verhört worden;  derselbe aber, als ein frommer Held und Zeuge Jesu, hat in seiner größten Not seinen Schöpfer nicht verleugnen wollen, sondern hat den Glauben der ewig bleibenden Wahrheit ohne Scheu und unerschrocken vor den Tyrannen und Blutdürstigen bekannt.  Deshalb ist er an dem bezeichneten Orte als ein Oberster der Mörder, nach dem Vorbilde seines Herrn Jesu, auf das Rad gelegt worden, obgleich er ein  Zeugnis auch von seinen großen Feinden hatte, dass er ein recht frommer Mann gewesen.

In dieser Zeit ist die Tyrannei und Verfolgung der gottesfürchtigen Christen sehr grausam gewesen, so dass die neidischen Papisten, welche die Wahrheit hassten, die Portraits vieler der ausgezeichnetsten Lehrer und Vorsteher der Gemeinde Jesu Christi abmalen und an die Pforten und öffentlichen Plätze anschlagen ließen, und eine Summe Geldes darauf setzten, wenn jemand dieselben dem Scharfrichter oder Henker in die Hände liefern würde.


Unter denselben ist der gottesfürchtige  und für Gott eifernde Menno Simon einer der vorzüglichsten Lehrer und Ältesten in dieser blutigen und gefährlichen Zeit gewesen, welcher in seiner herrlichen Ermahnung  und seinen Schriften aus Gottes Wort so überzeugend gewesen ist, dass keiner seiner Widersacher sich hat unterstehen dürfen, in öffentlichen Schriften ihm frei unter die Augen zu treten, obgleich er dieselben hierzu zu verschiedenen Malen mit großem Ernste aufgefordert hat,  durch welche heilsame Lehre, christliche Ermahnung und wirkende Kraft des Allerhöchsten dieser Menno Simon eine sehr große Menge Menschen aus dem verfinsterten Papsttume, ja von den stummen Götzen  zu dem lebendigen Gotte gezogen, bekehrt und Gott gewonnen hat. Aus diesem Grunde sind des Antichristen Diener desto erbitterter über ihn geworden und haben, um solches zu dämpfen und zu verhindern, gegen den Obenerwähnten um das Jahr 1543 einen schrecklichen Befehl durch ganz Westfriesland ausrufen lassen,  dass allen Übeltätern und Totschlägern die Strafe ihrer begangenen Bosheit erlassen, dabei des Kaisers Gnade, Freiheit des Landes und außerdem hundert Karlsgulden zugesagt sein sollten, wenn sie Menno Simon den Scharfrichtern und Peinigern in die Hände liefern könnten. Wenn gleich nun diese Beneider über die Maßen tyrannisch und mit großer Bitterkeit nach seinem Blut gedürstet und ihn zu töten gesucht und verfolgt haben, so hat ihn dessen ungeachtet der starke Gott bewahrt  und gegen die Hoffnung aller seiner Feinde wunderbar beschützt, sodass sie ihren tyrannischen Mutwillen an ihm nicht ausüben konnten, denn er ist nicht weit von Lübeck auf dem Wüstenfelde im Jahre 1559, den 13. Januar im 66. Jahre seines Alters  eines natürlichen und von Gott ihm zugeordneten Todes gestorben.

Wem es gefällt, der lese Menno Simons gegen Gellius Faber, Blatt 23, wo er von dem Opfer dieses Tjaert Reynertß etwas finden wird.

Arnold Jacob mit seiner Hausfrau und seinem ältesten Sohne, im Jahre 1539

Gleichwie  es sich in den Zeiten Esaus und Jakobs zugetragen, dass der, welcher nach dem Fleische geboren war, den verfolgt hat, der nach dem Geiste geboren war, so hat man auch dergleichen in dieser Zeit im Überflusse erfahren, was sich unter vielen andern an einem gottesfürchtigen Bruder, namens Arnold Jacob, sowie an seinem Weibe und seinem ältesten Sohne gezeigt hat. Dieselben wohnten im Lande, der Ryp genannt; weil sie aber von  oben aus Gott wiedergeboren und die ewige Erbschaft, welche solchen im Himmel vorbehalten ist, suchten, sind sie von Esaus Nachfolgern gehasst und bis zum Tode verfolgt worden, welche sie aus dem Lande Ryp nach Monickendam, in Nordholland gelegen, gefänglich gebracht haben, wo sie um der  Wahrheit willen viel leiden mussten. Da sie aber auf Christum gegründet waren und sich durch keinerlei Pein von demselben haben abziehen lassen wollen, so sind sie an dem bezeichneten Orte, ungefähr im Jahre 1539, vom Leben zum Tode verurteilt; ihr Urteil ging dahin, ertränkt zu werden, was auch in folgender Weise vollzogen ist. Man bediente sich bei der Exekution großer schwerer Steine, welche der Scharfrichter nicht aufheben konnte, sodass ihm hierin die Gefangenen helfen mussten; hiernächst sind sie wie unvernünftige Tiere, mit Steinen an den Hals gebunden, ins Wasser geworfen worden, worauf der Tod erfolgt ist. Sie haben also ihr Leben


nicht geliebt, sondern dasselbe um des Zeugnisses Jesu willen dem Tode übergeben, welcher in seiner herrlichen Zukunft ihre verworfenen Leiber von den Toten wieder auferwecken und sie im Himmel mit ewiger Unsterblichkeit krönen wird.

Hans Simeraver, im Jahre 1540

Im Jahre 1540 ist auch der Bruder Hans Simeraver zu Schwatz im Inntale um der göttlichen Wahrheit willen gefangen gesetzt worden;  als sie ihn aber nicht abwendig machen oder ihn mit der Heiligen Schrift überzeugen konnten, so haben sie ihren Hohenpriester, den Scharfrichter, über ihn gesetzt, welcher ihn hinausführen und überwinden musste; also ist er durch das Schwert hingerichtet worden und hat seinen Glauben in Gott mit seinem Blute bezeugt; er hat bis aufs Blut im Streite der Sünde und dem Gräuel der Verwüstung tapfer Widerstand geleistet;  darum wird er auch auf dem Berge Zion unter der großen Schar derjenigen, welche den Namen Gottes in dieser Welt bezeugt und bekannt haben, die Palmenzweige empfangen  und mit der unverwelklichen Krone des Lebens gekrönt werden.

Walter von Stölwick, 1541

Im Jahre 1541, den 11. Februar, ist noch ein frommer und getreuer Bruder, Walter von Stölwick genannt, von Vilvoorden in Brabant den reißenden  Wolfen in die Hände gefallen, von welchen feindseligen Papisten er um der Wahrheit willen vieles hat leiden müssen. Derselbe hatte, als ein kluger Baumeister sein  Haus auf den festen und unbeweglichen Stein Jesum Christum gegründet, darum ist er auch in allen diesen hohen Versuchungen standhaft geblieben, ungeachtet ihm in einer dreijährigen Gefangenschaft die  Blutdürstigen viel strenge und tyrannische Pein in ihren  Untersuchungen zugefügt haben, sodass er endlich an dem bezeichneten Orte, den 24. März 1541, zum Tode verurteilt und mit Feuer verbrannt worden ist; er ist aber seinem Herrn und Schöpfer bis zum  Tode getreu geblieben und hat den wahren Glauben der Wahrheit und seine unbewegliche lebendige Hoffnung mit seinem Tode und Blute standhaft befestigt.  Darum wird er auch, als ein gehorsames Schaf des großen Hirten der Schafe, diese Stimme hören: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, besitzt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn.

Hier folgt ein christliches Sendschreiben, welches der erwähnte Walter von Stölwick aufgesetzt hat, und welches von dem Leiden und der Herrlichkeit der Christen handelt.

Der Gruß

Gnade,  Friede und Barmherzigkeit von Gott, unserem himmlischen Vater und Jesu Christo, unserem Herrn und Seligmacher, sei mit allen denen, die gottselig in Christo Jesu leben und darüber Verfolgung leiden, zum  Preise und zur Ehre des gerechten Gottes, zur Bewahrung ihres Glaubens und ihrer Seelen ewiger Seligkeit. Amen.

Gesegnet  müsse sein Gott, der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der durch seine grundlose Gnade und Barmherzigkeit uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte berufen und sein Angesicht noch täglich über uns leuchten lässt, damit wir seinen Weg auf Erden und seine Seligkeit unter den Heiden erkennen möchten; ja es müsse gesegnet und gepriesen und verherrlicht sein Gott, unser gesegnetster Herr und barmherzigster  Vater, der uns durch seine unaussprechliche Güte


und nicht um der Verdienste unserer Werke willen, durch Jesum Christum zur Kindschaft erwählet hat, damit wir Erben seines ewigen  Reiches sein und alles als rechte Kinder und Erben Gottes, Kinder Gottes und Miterben Christi besitzen sollten, wenn wir anders den Willen Gottes, unseres himmlischen Vaters tun, damit wir mit ihm verherrlicht werden und mit ihm in seine Herrlichkeit eingehen mögen; denn es ist ein wahrhaftes Wort, was Christus sagt:  Es werden nicht alle, die zu mir sagen, Herr, Herr, in das Himmelreich eingehen, sondern die den Willen meines Vaters im Himmel tun; nun aber ist es der Wille meines himmlischen Vaters, dass wir uns selbst verleugnen, unser  Kreuz auf uns nehmen und Jesu Christo nachfolgen sollen. Zum Ersten müssen wir uns selbst verleugnen, das ist, wir müssen unsern eigenen Willen verlassen und uns Christo Jesu gänzlich  übergeben, so dass wir, nach den Worten des Apostels, uns selbst nicht mehr leben, sondern Jesu Christo, der für uns  gestorben ist, damit er ein Herr über Tote und Lebendige sei, und dass niemand sich selbst, sondern dem leben soll, der für ihn  gestorben und auferstanden ist. Ach, Herr Gott! Wie wenig Menschen wollen sich selbst also  verleugnen und begehren allein den Willen Gottes zu tun, ja wie viele Menschen wissen nicht, welches der rechte  Wille Gottes sei, sondern sie halten sich an die Lehre und Gebote des römischen Papstes und des Antichristen, und sind in solchem Zustande, dass sie Jesum Christum nicht erkennen, der doch, nach seinem wohlgefälligen Willen, ihren Sinn erleuchten und mit dem Glanze seiner Gnade die Augen des Verstandes vor dem allmächtigen Gotte öffnen muss, damit sie aus solcher Verblendung zum wahren  Lichte gelangen und mit allen Heiligen erkennen mögen, worin die Schalkheit und Zauberei der babylonischen Hure bestehe, und wie man die Lehre und Gebote Christi Jesu allein halten müsse; ja wir müssen den Lehren und Geboten Jesu Christi allein folgen und sie bewahren; denn es ist uns keineswegs erlaubt, nach unserem eigenen Willen zu leben, sondern wir sollen betrachten, dass Christus Jesus seinen eigenen  Willen nicht getan habe, sondern den Willen seines Vaters, der ihn gesandt hat, welches zu unserer  Lehre und Ermahnung geschehen und geschrieben ist, dass wir nicht unsern Willen, der um der angeborenen Bosheit der verdammten Naturen willen zum Bösen geneigt ist, sondern den wohlgefälligen und vollkommenen  Willen Gottes tun, damit wir recht bitten (wie Christus gelehrt hat) und sagen mögen: Himmlischer Vater, Dein Wille geschehe hier auf Erden, gleichwie im Himmel. Wie viele Menschen sagen dieses aber mit bösem Herzen und falschen Lippen, ja wie Judas zu Christo sagte: Sei gegrüßt, Meister (Mt 26,46), und dabei hat er Ihn verraten; in eben dieser Weise sagen sie mit dem Munde, es soll der Wille Gottes geschehen; sie sind aber daneben in ihren Gedanken und Werken dem Willen Gottes zuwider. Dieses sind die rechten falschen Christen, die zu Christo Jesu sagen: Herr, Herr, die aber gleichwohl nicht tun was er ihnen geboten hat. Dies sind die rechten  Pharisäer die verstellten Heiligen, die mit den Lippen Gott ehren, deren Herz aber weit von Ihm entfernt ist; dieses sind die rechten Ungläubigen, von welchen der heilige Paulus sagt, dass sie  mit ihren Worten bekennen, dass sie Gott kennen, die aber mit den Werken Ihn verleugnen; darum sind sie ein Gräuel vor dem Herrn, weil sie Ihm ungehorsam und zu allen guten Werken untüchtig sind; ja dies sind die rechten Heuchler, die Jünger des betrüglichen Satans, welche von ihrem


Meister gelernt haben, sich nach ihrer inwendigen Schalkheit in eine schöne Gestalt zu verstellen; verfluchen und verstoßen wird der Herr in Ewigkeit solche Heuchler und wird zu ihnen sagen:  Gehet von mir, ihr Übeltäter, ich kenne euch nicht; aber segnen wird er frommen Christen, ja er wird die guten und aufrichtigen Jünger Christi segnen und verherrlichen, die sich selbst verleugnen und  sich Gottes Willen aufgeopfert haben, worin der rechte Anfang des christlichen Lebens besteht und ohne welches man kein Leben anfangen kann. Zweitens müssen wir  unser Kreuz aufnehmen, nämlich: Wir müssen uns zum Leiden schicken, nach der Lehre Jesus Sirach, welcher also sagt:  Mein Sohn, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung, sei standhaft und leide, und laß dich nicht bewegen, wenn man dich davonlockt; halte dich an Gott und weiche nicht, auf dass du ja stark werdest; leide alles, was man dir zufügt, und sei gnädig in allerlei Trübsal; denn gleichwie das Gold und Silber im Feuer geläutert wird, so werden auch diejenigen, die Gott gefallen,  in der Erniedrigung und Betrübnis probiert. Hiermit kommt überein, was Paulus sagt: Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu müssen Verfolgung leiden; ja Christus sagt selbst zu seinen Aposteln: Ihr werdet um meines Namens willen von allen Menschen gehasst werden. Aus allen diesen Worten muss ja unwiderleglich folgen, dass alle Diener Gottes, alle gottseligen Menschen, alle Jünger Jesu Christi um seines Namens willen Verfolgung leiden und durch mancherlei Versuchungen geprüft werden müssen. Darum ist es eine abscheuliche Blindheit, man rühmt sich des Evangeliums und des Christentums, und weiß auch wohl, was zu einem christlichen Leben gehört; dass man aber um des Namens Christi willen etwas leiden müsse, ach, daran wird am wenigsten gedacht; ja wenngleich sie erkennen und bekennen, dass alle Werke, die man in der päpstlichen Verwüstung treibt, böse und nichts als eine Gotteslästerung sind, so haben sie doch damit Gemeinschaft und treiben die allerschändlichste Abgötterei, damit sie das  Kreuz vorbeigehen und desselben entübrigt sein mögen, während doch alle frommen Christen sich dieses Kreuzes rühmen, und gleichwohl will man ein guter Christ sein.

O der Schalksknechte! O der  schalkhafte Jünger! Schalksknechte sagen wir, denn sie wollen über ihrem Herrn Jesum Christum sein; böse Jünger sagen wir, denn sie verwerfen und verschmähen die Lehre ihres Meisters Jesu Christi. O Volk, Volk! Spötter des allmächtigen Gottes, die mit ihrer Heuchelei Gott zu betrügen und ihn mit Worten auszuzahlen gedenken; sie gedenken aber nicht an die Worte Paulus: Dass das  Reich Gottes nicht in Worten, sondern in der Kraft bestehe. O Volk! Rechte Heuchler, die sich einbilden, sie dienen Christo, aber wie weit sind sie davon entfernt, dass sie mit dem frommen und getreuen  Diener Christi Paulus sollten sich allein in dem Kreuze Christi rühmen wollen.  O elendes Volk, das lieber eine kleine Zeit mit der babylonischen Hure im Frieden und Wollüsten leben und nachher in der ewigen Pein mit ihr  gequält werden, als hier mit Christo Jesu eine kleine Zeit leiden und dadurch in die ewige Herrlichkeit eingehen will. Ach, die wahren Heiligen und Knechte Gottes haben anders getan, welche lieber den Tod haben leiden, als  Gottes Gebote übertreten wollen. Ach der fromme Joseph wollte lieber ins Gefängnis, ja in den Tod gehen, als Gott seinen Herrn erzürnen und mit dem ehebrecherischen Weibe Ehebruch treiben;  Mose, der ernstliche und eifersüchtige Liebling Gottes, erwählte durch seinen


Glauben, mit dem Volke Gottes lieber Ungemach zu leiden, als in den fleischlichen und weltlichen Wollüsten mit den Ägyptern zu leben und achtete die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens, denn er sah auf die Belohnung. Sadrach, Mesach und Abednego fürchteten Gott, den Herrn, mehr als alle Pein des tyrannischen Königs und wollten lieber des zeitlichen Todes sterben und bei ihrem Gotte bleiben, als denselben verleugnen. Daniel, reich im Geist und stark im Glauben, erschrak nicht vor der Löwengrube und wollte lieber hineingeworfen werden, als (außer Gott) einen fremden Gott anbeten. Der gute  Tobias wollte lieber des Königs Befehl auch mit Gefahr seines Lebens übertreten, als Gott seinen Herrn verlassen; deshalb hat er auch seinem Sohne befohlen, dass er  Gott lebenslänglich fürchten und nimmermehr in die Sünde willigen oder die Gebote Gottes, seines Herrn, übertreten sollte. Eleazar, der fromme Israelit, wollte  lieber für das Gesetz Gottes sterben, als dagegen handeln oder heucheln und dadurch in Israel Ärgernis anrichten. Die  Mutter und ihre sieben Söhne waren so feurig in der Liebe Gottes, dass sie auch alle Tyrannei des gottlosen Königs nicht fürchteten, noch gegen Gottes Gesetz handeln, sondern statt dessen lieber einen harten Tod leiden wollten; ja viele Heiligen und Zeugen Jesu Christen werden noch jetzt von der babylonischen Hure gehasst, verfolgt und umgebracht, weil sie von dem Weine ihrer Hurerei nicht trinken, oder mit ihren abgöttischen Werken Gemeinschaft haben wollen. Darum mögen sich alle verstellten Scheinheiligen und alle heillosen Heuchler wohl schämen, die sich des christlichen Namens rühmen und doch um des Namens Christo Jesu willen nichts leiden wollen; darum durfte Christus wohl zu ihnen sagen: Bin ich euer Herr, warum tut ihr meinen Willen nicht? Bin ich euer Meister, warum hört und glaubt ihr meinen Worten nicht? Wohlan, lasst alle Heuchler, falschklugen, treulosen Knechte und unwahren Jünger Jesu Christi von ihrem Herrn und Meister weichen; wir hoffen doch, durch Gottes Gnade, bei Christo zu bleiben, und sind bereit, um seinetwillen zu leiden, weil er um unseretwillen gelitten hat. Aber er hat gelitten als der Herr, wir aber als die Jünger, darum müssen wir, als Knechte und Jünger des Kreuzes, dasselbe nicht mit Widerwillen tragen, weil unser Herr und Meister dasselbe getragen hat. Drittens müssen wir Jesu nachfolgen, nicht aber, wie viele Juden taten, die ihm nachfolgten, weil sie von den Broten gegessen hatten, was leider noch viele  falsche Christen tun, welche sich zur christlichen Gemeinde begeben, nicht in dem Sinne Christum Jesum recht zu suchen, oder weil sie Liebe zur Wahrheit haben, sondern, weil sie von der Gemeinde (welche sie vor allen andern mitleidig finden) Christi Hilfe und Nahrung zu erlangen hoffen. Wenn man aber Christo also nachfolgt, so wird Gott nur damit gespottet; auch  will Christus dergleichen Nachfolger nicht haben, wie wir solches klar an dem Schriftgelehrten verstehen und bemerken können, welchen Christus von sich gewiesen, weil er ihm aus Geiz nachfolgen wollte; denn der Herr erkannte das Herz des Schriftgelehrten, darum antwortete er ihm nicht auf seine Worte, sondern auf seine Gedanken und sprach:  Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er Sein Haupt hinlege; gleichsam als hätte Jesus sagen wollen, willst du mir nachfolgen, so folge mir auf eine solche Weise, wie ich dir vorgehe; denn Christus verstand seine Gesinnung sehr wohl, nämlich, dass er ihm um des Gewinnes willen nachfolgen würde und gedachte, Christus würde ihm Macht geben Wunderzeichen und Mirakel zu tun, welche er seinen Aposteln gegeben hatte, woraus


er  seinen Nutzen hätte suchen mögen; aber solcher Vorsatz ist nicht gut, und kann nicht geschehen, denn der Herr ist auch arm gewesen, wie er selbst bezeugt: Da ich, der Herr und Meister, arm bin, so ist es offenbar, dass meine Knechte auch arm seien, und meine Jünger keinen Reichtum suchen oder begehren; gleichsam als hätte der gute Herr sagen wollen: Wer mir nachfolgen will, der muss mir in solcher Armut  nachfolgen, wie ich ihm vorgehe. Aber ach, viele Menschen meinen heutzutage, dass die Gottseligkeit ein Gewinn sei, wie Paulus sagt, und suchen unter dem Scheine des Evangeliums und des christlichen Namens  ihren eigenen Gewinn. O, welche verkehrte Menschen, die nicht auf dem rechten Wege wandeln wollen, sondern auf dem Wege des Verräters und Diebes Judas, welcher den Lohn der Ungerechtigkeit liebte, als er die grausame Strafe seiner Bosheit empfing, wie einem jeden wohlbekannt ist. O welche verblendete Menschen, die nicht darauf merken können, wie Ananias und Saphira um ihrer Falschheit willen von Gott schnell beschämt und gestraft worden seien, womit Gott, der allmächtige Herr, uns ohne Zweifel ein Beispiel gegeben, dass alle verstellten und doppelherzigen Menschen auch auf gleiche Weise beschämt und gestraft werden sollen, wie wir bei dem Jesus Sirach finden: Wehe denen, die doppelherzig sind, den bösen Lippen, welche im Lande wandeln, wo zwei Wege sind; darum lehrt uns auch der weise Mann, dass unser Herz aufrichtig, ohne allen Betrug und Heuchelei sein soll, und sagt: Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei, und diene ihm nicht mit falschem Herzen,  suche nicht Ruhm bei den Leuten durch Heuchelei, und siehe zu, was du redest, glaubst oder vorhast; und wirf dich selbst nicht auf, dass du nicht fallest und zu Schanden werdest, und der Herr deine Tücke offenbare und stürze dich öffentlich vor den Leuten, weil du nicht in rechter Furcht Gott gedient hast und dein Herz falsch gewesen ist.

Ach, dass doch alle Heuchler die Worte Jesus Sirach mit Ernst zu Herzen nehmen und sich bessern wollten, ehe sie von Gott beschämt und gestraft werden, was allen Doppelherzigen, obschon nicht jetzt, doch gewiss am Tage des Gerichts widerfahren wird, wenn  die Gottlosen nicht im Gerichte und die Sünder nicht in der Gemeinde der Gerechten bleiben werden. Alsdann wird Christus  ans Licht bringen, was nun in Finsternis ist und die Ratschlage der Herzen offenbaren; ja er wird die Wurfschaufel in seine Hand nehmen und seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheuer sammeln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer verbrennen; darum hüte sich ein jeder vor der Heuchelei und folge Christo Jesu aufrichtig nach, wie es sich gebührt, nicht wie die Juden,  um des Brotes willen, oder mit dem Schriftgelehrten aus Geiz, aber, o ihr Christen, folgt Christus, eurem Herrn und Meister, mit einem reinen Herzen, mit einem reinen Gewissen, ungefärbtem Glauben und mit einer feurigen Liebe ohne Abweichen nach. Diejenigen aber, die Christo Jesu auf eine andere Weise nachfolgen, sind unter den guten Christen, was die Spreu unter dem Weizen, und  ihr Ende wird das ewige Feuer sein, wovor uns der allmächtige Vater durch Jesum Christum behüten wolle. Ferner müssen wir Christo Jesu aus einer feurigen Liebe bis ans Ende nachfolgen, und nicht tun, wie einige seiner Jünger taten, welche ihn verließen und sich an seinen Worten ärgerten und sagten:  Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören? Ach, wie viele Menschen wollen noch jetzt die heilsamen Worte unseres Herrn Jesu Christi nicht hören, ja wenn man ihnen sagt, dass Christus Jesus allen seinen Knechten und Jüngern Trübsal und Leiden verheißen


hat, so wollen sie von Sinnen kommen, und sagen aus einem steinernen Herzen und erbitterten Gemüte: Soll man immer leiden? Soll man stets verfolgt werden? Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören! Ach Gott, wie ist der süße Honig in dem Menschen also in Galle verwandelt worden, und der klare Wein in bitteres Wasser. Ach, wie ekelt ihnen vor dem edlen  himmlischen Brote, wie ist ihnen die ewige Arznei, womit alle Seelen geheilt werden müssen, zum tödlichen Gifte geworden, und wie verachten die Menschen, die Gottes Wort nicht glauben, noch die heilige Lehre unseres Herrn Jesu Christi annehmen wollen, das tröstliche Evangelium, welches uns durch den Heiligen Geist vom Himmel gesandt ist und welches Christus mit seinem eigenen teuren Blute versiegelt hat; kommt aber ein verlogener Prophet und Gesandter, welcher vom zeitlichen Frieden und Glück weissagt (wenngleich nichts daraus wird), so wird derselbe gehört, und der gute Herr Jesus Christus, der uns den ewigen Frieden seines himmlischen Reiches verheißen, wird von niemandem angehört.

Also geschieht es nun, was Jesu zu den Pharisäern sagte:  Ich bin in meines Vaters Namen gekommen, und ihr nehmt mich nicht an, wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommen wird, den werdet ihr annehmen. Ja, viele handeln jetzt wie die aufrührerischen und ungläubigen Israeliten handelten, welche Gott den Herrn  verließen, der sie aus Ägyptenland erlöst hatte und andere Götter zu Vorgängern und Beschützern verlangten; ebenso verlassen nun auch viele Christen Jesum, welcher sie aus der Tyrannei und Gewalt des Satans befreit und aus der Löwen Rachen erlöst hat, die sie zerreißen, ja die, um sie zu vertilgen, mit ihnen auf den Weg der ewigen  Verdammnis gerannt waren; solche hat Christus damals erlöst und sie wieder auf den Weg der ewigen Seligkeit gesetzt. Viele Menschen verlassen nun den guten Hirten, welcher sein Leben um unseretwillen nicht geschont, sondern dasselbe aus großer Liebe, die er zu uns hatte, in den Tod dahingegeben hat, und verlassen sich auf Menschen, von welchen doch der Prophet sagt, dass ihre Hilfe nichtig sei und sie ihnen nicht helfen können, denn ihr Geist muss ausfahren und wieder zur Erde werden, und dass alle Ratschläge derer verloren seien, die sich auf  Menschen verlassen und den falschen Propheten nachfolgen, welche an der Ungerechtigkeit Lust haben. Darum müssen alle Christen sonst niemandem nachfolgen, als Jesu Christo, welcher, wie Paulus sagt,  für uns gelitten und uns ein Beispiel gegeben hat, wie wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. Dasselbe bezeugt auch Paulus mit diesen Worten:  Lasset uns die Sünde ablegen, die uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Geduld in dem Kampfe, der uns verordnet ist und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des  Glaubens, welcher, da er wohl hätte Freude haben mögen, das Kreuz erduldete und zur  Rechten auf dem Stuhle Gottes gesessen. In diesen Worten der Apostel können wir wahrnehmen, dass wir Christo Jesu nachfolgen und auf ihn sehen sollen, als auf den Herzog des Glaubens, auf den Bischof und Hirten unserer  Seelen, ja als auf den guten Herrn und Meister, welcher allen seinen Knechten und Jüngern ein Beispiel gegeben, dass sie ebenso leiden müssen, wie er gelitten hat; aber, ach Gott, wie viel hat Christus leiden müssen, denn er ist um unseretwillen so arm geworden, während er doch ein Herr des Himmels und der Erde war, dass er auch  nichts hatte, worauf er Sein Haupt zur Ruhe niederlegen konnte; er hat sich, der doch eine göttliche Gestalt


hatte, erniedrigt und die Gestalt eines  Knechtes angenommen, damit er uns dienen möchte und hat sein Leben, um uns zu erlösen, dahin gegeben; ja, obgleich er die ewige Weisheit des Vaters war, welcher alle  Dinge mit dem Worte seiner Kraft regiert, so musste er doch hören, dass ihn die Pharisäer einen Schmeichler und Betrüger, einen  Sünder, ja einen besessenen und rasenden Menschen nannten und noch andere  Gotteslästerungen, Verschmutzungen und Verspottungen sich erlaubten; in kurzen Worten, obgleich er der eingeborene Sohn Gottes des allmächtigen Vaters war, musste er dennoch als ein Übeltäter angesehen werden und des allerbittersten Todes sterben; darum konnte  Jesaja wohl von ihm sagen: Er hatte keine Gestalt noch Schönheit, wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte; er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit, er war so verachtet, dass man auch das Angesicht vor ihm verbarg, darum haben wir ihn nicht geachtet.  Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen, wir hielten ihn für den, der geplagt und von Gott zerschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, darum konnte er wohl sagen: Ich muss bezahlen, was ich nicht geraubt habe, denn um meiner Freunde willen leide ich Schmerzen; Schmach bedeckt mein Angesicht, ich bin meinen Brüdern fremd geworden und unbekannt meiner Mutter Kinder; ich wartete, ob mich jemand kennete, aber es war niemand; ich wartete, ob mich jemand tröstete, aber es war niemand; sie gaben mir Galle zur Speise und gaben mir, als ich dürstete, Essig zu trinken; alle Menschen spotteten meiner, sie sperrten den Mund auf, schüttelten den Kopf; ihre Rachen sperren sich auf wider mich, wie ein brüllender und reißender Löwe; ich bin ausgeschüttet wie Wasser, aber meine Gebeine haben sich zertrennt, mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs, meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legest mich in des Todes Staub, denn Hunde haben mich umgeben und der Bösen Rotte hat sich um mich her gemacht, sie haben meine Hände und Füße durchgraben, ich möchte alle meine Gebeine zählen, sie aber schauen und sehen ihre Lust an mir, sie teilen ihre Kleider unter sich und werfen das  Los um mein Gewand. Und seiner spricht er: Ich bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volkes. Ja, meine lieben Brüder, Gott der himmlische Vater hat die Strafe auf ihn gelegt, damit wir Frieden hätten, denn durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle hässlich und verirrt einher, wie Schafe, die keinen  Hirten haben, ein jeder sah auf seinen Weg, aber der Herr warf unser aller Sünden auf ihn. Da er gestraft und gemartert wurde, tat er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird und wie ein Schaf, das vor seinem Scherer verstummt und seinen Mund nicht auftut. Seid ihr nun fromme Christen? Nehmt wahr, was Christus Jesus für uns arme Sünder gelitten hat, der Herr für seine  Knechte, der Meister für seine Jünger, der Hirte für seine Schafe, ja Gott für die Menschen. O tiefe Erniedrigung des Meisters, dass er auch seinen Jüngern hat dienen und sich selbst für sie in den Tod hat geben wollen. O große Gnade des Herrn, dass er für seine Knechte so viel hat leiden wollen. O unendliche Gerechtigkeit des  Hirten, der sein Leben für seine Schafe hat lassen wollen. O unaussprechliche


 Liebe Gottes zu uns armen Menschen, dass er uns mit seinem eigenen köstlichen Blute hat erlösen wollen, dessen sollen sich alle Christen zu jeder Zeit erinnern und Jesu Christo für solche Wohltaten, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Werken, dankbar sein. Aber leider ist es mit einigen so weit gekommen, dass sie wohl von Christo sprechen können, wie er für uns gelitten und genug getan habe, sie wollen auch wohl an der Erlösung, die durch Christi Blut geschehen ist, Teil haben und denken doch nicht daran, wie sie mit Christo leiden müssen, gleichwohl aber hoffen sie, mit ihm verherrlicht zu werden.  Denn das ist je gewisslich wahr, sagt Paulus, sterben wir mit Christo, so werden wir auch mit ihm leben; leiden wir mit ihm, so werden wir uns auch in Ewigkeit mit ihm freuen;  verleugnen wir ihn, so wird er uns auch verleugnen.

Daran mögen alle abgefallenen Christen denken, welche nun wieder in das römische Babel zurückkehren, wovon sie ausgegangen waren, und sich wieder mit der  Hure, die sie so gehasst haben, befreunden. Was soll man zu solchen Leichtfertigen sagen; wie sind doch die Menschen, welche die Wahrheit einmal erkannt haben, so verblendet, dass sie sich von Christo Jesu, dem einigen Seligmacher, wenden, und der schändlichen und verfluchten  Hure zu Babylon zufallen, die eine Mutter aller Ungerechtigkeit, eine Königin aller Kinder des Unglaubens und des Fluches ist und die ihnen zum Troste, Schutze und zu einer Abgöttin geworden ist.  O wehe solchen verkehrten Menschen, die von der Gerechtigkeit abweichen und sich vom Licht zur Finsternis, vom Leben zum Tode, und von Christo Jesu zu dem Antichristen begeben, und bei dem Satan, nicht aber bei Gott Trost suchen. O wehe solchen furchtsamen Menschen, welche diejenigen, die allein den Leib töten können, mehr fürchten als Gott, den allmächtigen Herrn,  welcher Leib und Seele in die ewige Verdammnis stürzen kann. O wehe solchen Menschen, dass sie geboren sind, wenn sie sich nicht merklich bessern und von Babel ausgehen; denn die Schrift sagt nicht umsonst: Mein Volk, geht aus von Babel, und rührt kein Unreines an, auf dass ihr nicht ihrer Sünden und Plagen teilhaftig werdet. Dieses sind ja die klaren Worte des Herrn, wer kann sie vernichten,  wer kann gegen den Stachel löcken. Er fange es an, wie er will, so wird es ihm schwer fallen und nicht gelingen; auch gilt hier keine Entschuldigung, wie das Gleichnis von dem Schalksknechte klar beweist,  welcher seines Herrn Pfund aus Furcht in die Erde vergraben hatte,  und sich vor seinem Herrn entschuldigen wollte, aber nicht angehört wurde. Unter diesem Schalksknechte verstehen wir alle furchtsamen Menschen, welche in der Erkenntnis des Herrn Jesu Christi nicht fruchtbar sind, sondern die die irdischen Dinge suchen und mehr Wohlgefallen daran haben als an der himmlischen;  sie mögen sich auch entschuldigen wie sie wollen, so wird ihnen doch ihre Entschuldigung nichts nützen, sondern die ewige Verdammnis wird ihr Lohn sein; denn alle Bäume, die keine guten Früchte bringen,  werden abgehauen und ins Feuer geworfen werden; die Blätter allein gelten nichts; die Früchte müssen dabei sein. Christus ist unser Exempel, der hat  getan und gelehrt; er hat seine Jünger leiden und dulden gelehrt, und hat selbst  gelitten und geduldet; darum lehrt uns auch Paulus, dass wir Christi gedenken sollen und sagt also: Nehmt wahr, ihr Christen, und gedenkt,  dass Christus Jesus ein solches Widersprechen von den Sündern erduldet


hat, auf dass ihr nicht in eurem Mute matt werdet und ablasst, denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden, und habt bereits vergessen des Trostes, der zu euch redet als zu den Kindern: Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst;  denn wen der Vater lieb hat, den züchtigt er; er stäupt aber einen jeden Sohn, den er aufnimmt.  So ihr die Züchtigung erduldet, so erbeut sich euch Gott als Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Seid ihr aber ohne Züchtigung, deren sie alle teilhaftig geworden,  so seid ihr Bastarde und nicht Kinder. Und da wir unsere leiblichen Väter zu Züchtigern gehabt und sie gescheut haben, sollten wir nicht bei weitem mehr dem geistigen Vater Untertan sein, dass wir leben? Und jene haben uns nur einige Tage nach ihrem Gutdünken gezüchtigt, dieser zu unserem Vorteile, dass wir seine Heiligung erlangen möchten. Mit diesen gibt uns der Apostel zu erkennen, wie nützlich und nötig uns die Züchtigung sein könne, wenn wir von Gott unserm himmlischen Vater gezüchtigt werden, wie diese Worte klar an den Tag geben:  Denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt; seid ihr aber ohne Züchtigung, deren sie alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und keine Kinder. Und hiermit kommen die Worte  Judith, dass Abraham auf mancherlei Weise versucht und durch mancherlei Anfechtung bewährt und Gottes Freund erfunden worden sei; so auch Isaak und Jakob, Mose und alle, die Gott gefallen haben, sind in viel Trübsal treu erfunden worden.  Diejenigen aber, welche ihre Proben in der Furcht des Herrn nicht erlangt haben, und Ungeduld samt dem Laster ihres Murrens gegen den Herrn aufbrachten, sind von dem Verderber verdorben und von den Schlangen umgebracht worden;  darum so gern wir Gott zum Vater haben, so gern müssen wir auch die Züchtigung unseres himmlischen Vaters empfangen;  und so ungern wir von Gott für Bastarde angesehen werden wollen, so ungern müssen wir auch ohne Züchtigung und Bestrafung sein, und eben so gerne müssen wir auch durch Trübsal geübt werden wollen, oder mit andern Worten: So lieb uns Gott und unserer Seelen Seligkeit ist, und so sehr wir die Bestrafung Gottes fürchten, ebenso liebreich müssen wir alles Leiden, das uns von Gott zugefügt wird, aufnehmen und dessen eingedenk sein, was Christus sagt:  Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Desgleichen: Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber in dieser Welt sein Leben um des Evangeliums willen verlässt, wird es ewiglich behalten.

Wo bleiben nun die falschen Christen, die ihr Leben um Christi willen nicht verlassen wollen, und es doch in der Ewigkeit zu behalten gedenken;  eben also meinte auch Saul den Israeliten zu gefallen, und doch dabei Gottes Freund zu bleiben; er ist aber von Gott wegen seiner Heuchelei verworfen worden; ebenso können sie auch wohl meinen, das zeitliche Leben hier zu erhalten, und noch dazu das ewige Leben zu erlangen, aber es wird sie ihre Meinung betrügen. O Herr Gott! Wie mögen doch die Menschen so verblendet sein, dass sie dieses vergängliche Leben so lieb haben, während sie doch weder Zeit, Stunde noch Tag wissen, wenn sie sterben müssen, wie auch der Apostel  Jakobus sagte, dass dieses Leben nichts anderes sei als ein Rauch, welcher eine kleine Zeit gesehen wird und dann aus der Menschen Augen verschwindet.  Jesus Sirach, welcher unser Leben mit den Tagen der Ewigkeit vergleicht als einen Staub, oder ein


Körnlein Sandes gegen allen Sand am Meere, oder als ein Tröpflein Wasser gegen alles Wasser in der See. Was ist denn also der Mensch und was ist seine Schönheit, oder was ist sein Gut, worauf er sich verlassen will? Weil aber nun unser Leben so unsicher und kurz ist, so ist es ja zu beklagen, dass die Menschen solche Sorge dafür tragen und dabei so wenig auf das ewige Leben bedacht sind; hierzu helfen die falschen Lehrer, auch die betrüglichen Arbeiter und Feinde Christi und seiner Apostel, welche öffentlich lehren, dass die Christen nicht mehr leiden müssen.  Schämen müssen sie sich mit ihrem Volke, die in des Herrn Namen Lüge  weissagen,  ja gestraft müssen sie werden mit Zedekia und Achas, die schändlich sündigen, auch das Israel Gottes verführen und ihr Vertrauen auf nichtige Dinge setzen, zu Schanden müssen sie werden mit den  ägyptischen Zauberern, die sich also der Wahrheit widersetzen, gleichwie jene Mose widerstanden haben. Verflucht müssen sie werden mit Baal, dem Sohn Boser, welche mit ihm den rechten Weg verlassen und sich auf krumme Wege begeben, ja zur  Hölle müssen sie versinken mit Nathan, Korah und Abiram, die, wie diese, Zank und Ärgernis in der Gemeinde Gottes anrichten und die heilsame Lehre Jesu Christi verachten,  womit sie den allmächtigen Gott zum Zorne reizen und sich selbst einen Schatz des Zornes Gottes sammeln auf den Tag,  wenn Christus Jesus sich vom Himmel mit den Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen offenbaren wird, um Rache zu üben an allen denen, die Gott nicht erkannt haben und dem Evangelium unseres Herrn Jesu Christi nicht gehorsam gewesen sind. Diese sollen Pein leiden, die ewige Verdammnis von dem Angesichte des Herrn, wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seiner Herrlichkeit und in allen seinen Gläubigen. Welche sind aber nun die Ungläubigen, die an das Evangelium Jesu Christi nicht glauben, und um des willen die ewige Pein leiden werden? Es sind diejenigen, die hier die Gebote Jesu Christi nicht halten, noch um des Namens Gottes willen leiden, oder die Wahrheit des Evangeliums bekennen wollen;  darum wird sie Christus auch nicht bekennen, oder vor seinem Vater und seinen Engeln erkennen, mit welchen er vom Himmel kommen wird, um solche untreuen und furchtsamen Knechte zu strafen, die guten Knechte aber zu verherrlichen, mit den treuen Dienern und frommen Rittern, welche aus großer Trübsal gekommen sind und ihre Kleider im Blute des Lammes gewaschen und gereinigt haben. Darum sind sie vor dem Throne Gottes und dienen Ihm Tag und Nacht in seinem Tempel, und der auf dem Throne sitzt, wird über ihnen wohnen;  sie wird nicht mehr hungern oder dürsten, auch wird weder die Sonne noch irgendeine Hitze auf sie fallen,  denn das Lamm mitten im Thron wird sie regieren und zu der lebendigen Wasserquelle leiten und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen; alsdann wird erfüllt werden, was der Prophet 1. Esra sagt: Ich  Esra, sah auf dem Berge Zion eine große Schar, welche ich nicht zählen konnte, die lobten alle den Herrn mit Lobgesängen; und mitten unter ihnen stand ein ansehnlicher Jüngling, der mit seiner Länge alle übertraf, der gab einem jeden einen Palmzweig in die Hand und setzte einem jeden derselben eine Krone aufs Haupt, ich aber verwunderte mich hierüber sehr; da fragte ich den Engel und sprach: Lieber Herr, wer sind diese, denen die Palmzweige in die Hand gegeben und die Kronen aufgesetzt sind? Er antwortete und sprach zu mir: Diese sind, die das sterbliche Kleid abgelegt und das unsterbliche angetan, und den Namen Gottes


bekannt haben. Jetzt werden sie gekrönt und empfangen Palmzweige. Weiter fragte ich den Engel: Wer ist aber der Jüngling, der ihnen die Kronen aufgesetzt und ihnen Palmzweige in die Hände gibt? Und er antwortete und fagte zu mir:  Es ist Gottes Sohn, welchen sie in der Welt bekannt haben. Er aber fing an, diejenigen höchlich zu preisen, welche so fest für den Namen des Herrn gestanden hatten.

O welch eine Freude und Herrlichkeit ist es, welche allen frommen Christen bereitet ist! Wer ist denn nun so verzagt und furchtsam, der für solche Freude und Herrlichkeit nicht ein wenig leiden wollte. Es ist zwar wahr, dass das Leiden und die Trübsal dem Fleische schwer fällt, aber man muss an die Worte Pauli denken:  Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber bringt sie eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit allen, die dadurch geübt sind. Solches hat auch Christus zu seinen Aposteln gesagt:  Wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und Heulen und die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig sein; doch soll eure Traurigkeit in Freude verwandelt werden.  Ein Weib, wenn sie gebärt, hat Angst, weil ihre Stunde gekommen ist, wenn sie aber das Kind geboren hat, so gedenkt sie der Angst nicht mehr um der Freude willen, weil der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit, aber ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen.

Seht, alle ihr Gläubigen, die ihr hier in dieser Zeit eine kurze Weile um der Wahrheit willen Angst, Trübsal und Verfolgung leidet, merkt auf diese Worte und seid getrost: Lasset euch nicht erschrecken oder verdrießlich machen, und  obschon die Trübsal dem Fleische nicht angenehm ist, so gedenkt doch, dass euch für eine geringe Betrübnis die ewige Freude geschenkt werden wird; ja gedenkt, was geschrieben steht:  Aber der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rührt sie an. Vor den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet und ihre Hinfahrt für ein Verderben, aber sie sind im Frieden.  Und obwohl sie von den Leuten viel Leidens haben, so sind sie doch gewisser Hoffnung, dass sie nimmermehr sterben. Sie werden ein wenig gestäupt, aber viel Gutes wird ihnen widerfahren; denn  Gott versucht sie und findet, dass sie seiner wert sind. Er prüft sie wie Gold im Ofen und nimmt sie an wie ein völliges Opfer und  zur Zeit, wenn Gott drein sehen wird, werden sie hell scheinen, und daher fahren wie die Flammen über die Stoppeln. Sie werden die Heiden richten und herrschen über die Völker, und der Herr wird ewiglich über sie herrschen; denn die ihm vertrauen, die erfahren, dass er treulich halt, und die treu sind in der Liebe, lässt er sich nicht nehmen, denn seine Heiligen sind in Gnade und Barmherzigkeit.

O welche schöne Verheißungen sind dieses für diejenigen, welche  um der Wahrheit willen verfolgt werden, und welche tröstliche Verheißungen sind es, die uns Christus in dem Evangelium zugesagt hat, nämlich, dass wir selig sein sollen, wenn wir weinen, denn wir sollen getröstet werden; desgleichen, dass wir selig seien, wenn wir um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn das Himmelreich gehöre uns zu; oder mit kurzen Worten, dass  wir selig seien, wenn uns die Menschen schmähen, lästern und viel Übles von uns reden, um des Namens Christi willen, wenn sie daran lügen; alsdann sollen wir uns freuen und fröhlich sein; denn siehe, unser Lohn ist groß im Himmel. Ja, groß ist unser Lohn, wie uns Jesaja bezeugt,


wenn er sagt:  Wie denn von der Welt her weder mit Ohren gehört worden ist, noch irgendein Auge gesehen, ohne Dich, Gott, was denen geschieht, die auf dich harren, und der Psalmist David sagte:  Wie groß ist deine Güte, die Du verborgen hast denen, die dich fürchten, und denen erzeigest, die vor den Leuten auf dich trauen. Aber wie wenige Menschen arbeiten nun nach dieser großen Herrlichkeit, es geht, wie des Herrn Gleichnis spricht, dass  der Hausvater ein Abendmahl zubereitet und vielen zugerufen habe, dass sie kommen sollten, denn alle Dinge seien bereit; aber der eine hat ein Haus gekauft und muss solches besehen, der andere hat fünf Joch Ochsen gekauft und muss sie probieren, der Dritte hat ein Weib genommen und kann darum nicht kommen; als aber solches der Hausvater hörte, ward er zornig und sprach, dass niemand von allen denen, die nicht kommen wollten, sein Abendmahl schmecken sollte.

O welch ein hartes Urteil und harter Ausspruch ist dieses über alle diejenigen,  die nicht kommen wollen, Gottes Ruf verachten und irgendein Ding lieber haben, als Gott, das ist, die wegen Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester, Weib, Kind, Reichtum oder Armut, Lob, Preis oder Schande Gott verlassen und seiner Stimme nicht horchen, ja die nicht alle irdischen Dinge verlassen und eigene Frömmigkeit gering achten, damit  sie Christum gewinnen mögen, gleichwie Paulus und auch die Hebräer taten, von welchem der Apostel sagt, dass  sie den Raub ihrer Güter mit Freuden erduldet haben, indem sie wussten, dass sie ein besseres und ewiges Gut im Himmel hätten; aber ach, wie wenig merken jetzt die Menschen auf himmlische Dinge! Ach, wie wenig denken sie daran, was für ein Unterschied zwischen den Gerechten und Gottlosen noch sein werde; ja, es wird ein solcher Unterschied sein, wie der Herr durch Jesaja geredet hat: Siehe, meine Knechte sollen trinken, und ihr Durst leiden; siehe, meine Knechte sollen essen und ihr sollt hungern; meine Knechte sollen fröhlich sein, ihr aber sollt beschämt werden. Merkt darauf, meine Diener sollen aus feurigem Herzen jauchzen, ihr aber sollt wegen Betrübnis eurer Herzen weinen und jämmerlich heulen; darum sagt Christus im Evangelium: Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob sehen werdet, euch aber hinausgestoßen. Ach, wie fröhlich werden alsdann die frommen Christen sein, welche für den Namen Christi tapfer streiten und durch Ihn überwinden; ja wie fröhlich, sagen wir, werden sie alsdann sein, wenn sie die Verheißung empfangen werden, wovon der Geist Gottes sagt: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Holze des Lebens, das im Paradiese Gottes ist. Fürchte dich vor keinem, was du leiden wirst; siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, auf dass ihr versucht werdet und ihr werdet zehn Tage Trübsal haben. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben; wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem verborgenen Manna, und ich will ihm einen weißen Stein geben, und auf dem Steine einen neuen Namen geschrieben, den niemand kennt, denn der ihn empfängt; und  wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einer eisernen Rute, und wie eines Töpfers Gefäß wird er sie zerschmeißen, wie ich von meinem Vater empfangen habe, und will ihm geben den Morgenstern.  Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buche des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.  Dieweil du das Wort meiner Geduld behalten hast, will ich auch dich behalten vor der Stunde der Versuchung,


die da kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen diejenigen, die da wohnen auf Erden. Siehe, ich komme bald, halte was du hast, dass niemand deine Krone nehme.  Wer überwindet, den will ich zum Pfeiler in dem Hause meines Gottes machen, und er soll nicht mehr hinausgehen, und will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes, und den Namen des neuen Jerusalems, der  Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gotte, und meinen Namen, den neuen. Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich, und habe an ihnen ein Wohlgefallen, gleichwie ein Vater an seinem Sohne hat. So sei nun fleißig und tue Buße. Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; so jemand meine Stimme hören und die Türe auftun wird, zu dem will ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir.  Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Stuhle zu sitzen, wie ich überwunden habe und mit meinem Vater auf seinem Stuhle gesessen. Ja, meine lieben Brüder, dass  sie scheinen als die Sonne in meines Vaters Reiche und besitzen alle Dinge. Ach, wie traurig werden die Verfolger der Christen sein,  wenn der gerechte Gott ihnen mit demselben Maße einmessen wird, womit sie den Christen ausgemessen haben! Ach, wo wird sich alsdann der mörderische  Kain verbergen, wenn das betrübte und unschuldige Blut des gerechten Abels bei Gott um Rache wider ihn schreien wird! Wie wird alsdann die  babylonische Hure, welche nun prächtig in ihrem Lusthause sitzt, und von dem Blute seiner Heiligen und der Zeugen Jesu Christi trunken geworden ist, der Strafe Gottes entrinnen, wenn der Herr das Blut seiner Heiligen und Zeugen rächen und von ihrer Hand fordern wird, was ohne Zweifel geschehen wird, wie der Prophet sagt: Siehe, das unschuldige und gerechte Blut schreit zu mir, sagt der Herr, und die Seelen der Gerechten schreien ohne Unterlass. Ich will mich an ihnen mit Eifer rächen, spricht der Herr, und will alles das unschuldige Blut von ihren Händen fordern. Christus sagte:  Sollte Gott nicht seine Auserwählten retten, die Tag und Nacht zu Ihm schreien? Und ob er schon verzieht, so sage ich euch, er wird sie in Eile retten.

O welch eine grausame Strafe wird das sein, womit der allmächtige Gott alles Blut seiner Heiligen rächen wird.  Wie teuer musste der tyrannische Pharao das Blut der unschuldigen Kindlein, welches er vergossen hatte, bezahlen? Wie hart mussten die Amalekiter gestraft werden, weil sie das unschuldige Blut der Israeliten vergossen?  Die blutdürstige Isabel musste aufs Feld geworfen werden, so dass die Hunde ihr Blut leckten, weil sie das gerechte Blut vergossen hatte. O Jerusalem, die du tötest die Propheten, und steinigst, die zu dir gesandt sind, du bist darum den Heiden zum Zertreten gegeben worden, und allen Völkern zu einer Beschimpfung; also werden auch von Gott alle diejenigen gestraft werden, welche nun unschuldiges Blut vergießen, und es wird geschehen wie im Buche der Weisheit geschrieben steht: Alsdann wird der Gerechte mit großer Freudigkeit wider die stehen, welche ihn geängstigt und seine Arbeit verworfen haben. Wenn dieselben dann solches sehen, werden sie grausam erschrecken vor solcher Seligkeit, deren sie sich nicht versehen hatten; sie werden vor Angst des Geistes seufzen und untereinander sagen: Das ist der, den wir etwa für einen Spott und für ein höhnisch Beispiel hatten. Wir Narren hielten sein Leben für unsinnig, und sein Ende für eine Schande. Wie ist er


nun unter die Kinder Gottes gezählt, und sein Erbe ist unter den Heiligen. Darum haben wir den rechten Weg verfehlt, und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geschienen, und die Sonne des Verstandes ist uns nicht aufgegangen; wir sind eitel unrechte und schädliche Wege gegangen, und sind wüste Umwege gewandelt, aber des Herrn Weg haben wir nicht gewusst. Was hilft uns nun die Pracht, was hilft uns nun der Reichtum und der Hochmut? Alle dergleichen Dinge werden diejenigen, welche in der Hölle sind und gesündigt haben, sagen; denn des  Gottlosen Hoffnung ist wie Staub vom Winde zerstreut, und wie ein dünner Reif vom Sturme Vertrieben, und wie ein Hauch vom Winde verweht, und wie man jemanden vergisst, der nur einen Tag Gast gewesen ist.  Aber die Gerechten werden ewig leben, und der Herr ist ihr Lohn, und der Höchste sorgt für sie. Darum werden sie ein herrliches Reich und eine schöne Krone von der Hand des Herrn empfangen, denn er wird sie mit seiner Rechten beschirmen und mit seinem Arme verteidigen. O grundlose Gnade des allmächtigen Gottes! O unaussprechliche Liebe des himmlischen Vaters, wie überschwänglich ist deine Gnade, und wie unendlich deine Güte, dass Du deinen Auserwählten solche Herrlichkeit bereitet hast! Wer kann Dir für alle deine Wohltaten, die du so reichlich an uns erwiesen hast und noch täglich erweist, genug danken? Gesegnet müsse dein Name sein in Ewigkeit. Darum bitten und ermahnen wir alle frommen Christen, und alle die ihre Seligkeit lieb haben,  dass sie sich selbst verleugnen und ihr Kreuz auf sich nehmen und Jesu Christo nachfolgen, und dadurch den Willen Gottes tun, damit wir die Verheißung erlangen mögen. Niemand sei furchtsam oder erschrecke vor dem gottlosen Tyrannen, sondern jeder tue, wie Matthias seine Söhne lehrte, indem er sagte:  Liebe Söhne, eifert um das Gesetz und wagt euer Leben für den Bund unserer Väter, und gedenkt, welche Taten unsere Väter zu ihren Zeiten getan haben, so werdet ihr rechte Ehre und einen ewigen Namen erlangen. Darum fürchtet euch nicht vor der Gottlosen Trotz, denn seine Herrlichkeit ist Kot und Würmer. Heute schwebt er empor und morgen liegt er darnieder und ist nicht mehr, so er wieder zur Erde geworden ist, und sein Vornehmen ist zu Nichte geworden. Deshalb, liebe Kinder, seid unerschrocken und haltet fest an dem Gesetze, denn wenn ihr dasjenige getan haben werdet, das euch von dem Herrn, eurem Gotte, befohlen ist, so sollt ihr in Ihm verherrlicht werden. Diese Worte Gottes nehmt zu Herzen, o ihr frommen Christen und wappnet euch damit, um für die Gerechtigkeit auch bis zum Tode zu streiten, so wird Gott für euch streiten und eure Feinde überwinden.  Fürchtet diejenigen nicht, welche euern Leib töten, und dann nichts mehr tun können; sondern fürchtet den allmächtigen Gott, den gerechten Herrn und Richter, welcher Leib und Seele in die ewige Verdammnis stürzen kann; diesen lasst uns allein fürchten und in seinen Wegen wandeln und Ihm in Heiligkeit und Gerechtigkeit alle Tage unseres Lebens dienen, ja für seinen Namen den Tod leiden, damit wir mit Paulus sagen können: Wir haben einen guten Kampf gekämpft; wir haben unsern Lauf vollendet, wir haben Glauben gehalten, hinfort ist uns die Krone der Gerechten beigelegt, welche uns der Herr Christus geben wird, Gott, der Vater der Barmherzigkeit, und der Gott allen Trostes,  welcher uns gegeben hat, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seines Namens willen zu leiden, wolle uns mit seinem heiligen Geiste stärken, kräftigen und befestigen, dass wir im Leiden um der Wahrheit willen nicht ermüden, sondern bis ans Ende standhaft bleiben, und uns mit allen frommen und wahren Heiligen erfreuen mögen, und wenn wir um des Namens Christi


Jesu willen gelästert und verfolgt werden;  das gebe uns der allmächtige Vater durch Jesum Christum, seinen eingeborenen Sohn, unsern Heiland, welchem Herrlichkeit, Majestät, Segen, das Reich und ewige Herrschaft sei. Amen.

 Seid männlich, stark und unverzagt,  dass ihr alle Dinge, ja Gottes Wort und Gesetze haltet und tut, und weichet nicht davon, weder zur Rechten, noch zur Linken; tut auch nichts dazu, noch davon, damit ihr weislich handeln mögt;  erschreckt nicht, wo ihr hingeht und entsetzt euch nicht, denn euer Herr und Gott ist mit euch, wenn ihr ins Wasser oder Feuer geht,  und obschon ihr jetzt durch falschen Schein und Heuchelei der Strafe entgeht, so könnt ihr doch der Gewalt des allmächtigen Gottes (weder lebendig oder tot) entlaufen.

 Darum lasst uns alles, was in dieser Welt ist, verleugnen; denn sie lebt im Argen, und lasst einen jeden sein Kreuz aufnehmen und Jesu Christo nachfolgen, denn er ist uns und allen denen nahe, die in der Not sind, und will ihnen daraus helfen und sie zu Ehren bringen,  wenn sie eines zerbrochenen Herzens und zerschlagenen Gemütes sind. O welch ein großer Trost ist das, einen solchen gewaltigen und treuen Mitgesellen zu haben! Und welch eine große Ehre ist es, dass er uns so freundlich hat beistehen wollen; aber wir müssen wissen, dass unser Herr Christus Jesus nur allein zu seiner rechten Zeit unser Mitgesell, Helfer und Beistand nach dem Rate des göttlichen Willens und Wohlgefallens sei, in welchem er alle Dinge in Maß und Gewicht verordnet und gesetzt hat; denn  gleichwie er das Haupt der heiligen Kirche ist und ihr Leiden sieht, so hat er auch eine Zahl, ein Maß und Gewicht gesetzt, wie weit er den Bösen zu gehen erlaubt, und wie weit sie greifen mögen, und nicht mehr oder weiter, gleichwie die  babylonische Gefangenschaft siebzig Jahre dauern sollte. Ja,  wenn auch die Not am größten ist und man meint, dass Gott einen ganz verlassen und vergessen habe, so ist alsdann die Hilfe Gottes am nächsten; ja, eigentlich zu reden, der Herr tröstet vor und mitten in aller Betrübnis, denn ein Christ hat in seinem Herzen den Geist Gottes, die Quelle des lebendigen Wassers, welche ihn stets abkühlt, tröstet, erfreut und fröhlich macht; ja, je mehr das Leiden zunimmt, desto größere Hilfe und Beistand erlangen wir,  denn Gott lässt uns nicht über unsere Kräfte hinaus versucht werden, sondern macht, dass die Versuchung in der Weise ein Ende gewinne, dass wir es ertragen mögen. Seht, in diesen Worten zeigt uns Paulus sehr tröstlich an, dass uns Gott nicht härter oder schwerer antasten und versuchen lasse, als wir ertragen mögen, denn wenn wir des Leidens Christi viel haben, so werden wir auch  durch Jesum Christum unsern Herrn reichlich getröstet.

Ein Hauptmann macht seinen Kriegsleuten mit tapfern Worten und Verheißungen Mut; sollte nun der wahrhaftige und getreue Gott uns nicht  mit seinem göttlichen Worte des Evangeliums tapfer und stark machen,  welches eine Kraft Gottes ist zur Seligkeit allen, die daran glauben.  Ja, der gute Gott lässt es nicht bei schlichten, einfachen Worten bewenden, sondern ist selbst mit seinem Geiste bei uns, welcher Geist, als ein Unterpfand, unsere Herzen von seiner göttlichen Hilfe versichert, und uns in unserer Schwachheit stärkt, denn wenn der Teufel durch seinen lügenhaften Geist die Menschen treibt, dass sie zur Büberei ganz bereit sind, und sollte es sie auch ihr Leben kosten, warum sollte bei uns die Gnade Gottes durch seinen


wahrhaften Geist nicht auch zum Guten in allen Nöten und Trübsalen geneigt machen? Solches tut auch der gute Gott nicht allein durch seinen Geist, sondern auch durch Engel, Sterne, Elemente, Tiere, Menschen und allerlei Kreaturen. Zum Exempel, Elisa sagte zu seinem Knaben:  Fürchte dich nicht, denn ihrer sind mehr, die mit uns sind, als derer, die gegen uns kommen. Das Rote Meer und der Jordan öffneten sich, dass die  Kinder Israel mit trockenen Füßen durchgingen. Die Sonne und der Mond standen so lange still vor Josua, bis er die fünf Könige überwunden hatte, Elia wurde wunderbar von den Raben gespeist;  durch eines Weibes Hand sind die Kinder Israel sämtlich aus ihrem Elend erlöst worden. Gott der Herr tröstet gewöhnlich die Menschen durch andere Menschen; denn alle Christen auf Erden haben miteinander Gemeinschaft sowohl in glückseligen als in unglückseligen Dingen; denn wenn jemand Schmerzen und Verdruss leidet, so leidet er solches nicht allein, sondern  Christus leidet solches mit ihm, desgleichen auch alle Christen; denn er sagt im Evangelium: Ihr habt mich gespeist, gekleidet, beherbergt und getröstet; deshalb sind auch alle Christen in dem Herrn Jesu Christo ein Leib, ein Brot und ein Trank.

Wenn nun Christus Jesus unser Herr ganze Nächte im Gebete und auch im  Garten vor seinem Tode zugebracht, so sollen wir auch beständig den Vater des Lichts, von welchem allein alle gute und vollkommene Gaben von oben herkommen, besonders in unserer Not, anrufen, dass er uns, um des Todes seines lieben Sohnes willen, alle unsere Sünden vergeben wolle, denn er ist um unserer Sünden willen auferweckt; darum sollen wir bitten, dass er uns nicht nach unserm Gutdünken, sondern nach seiner göttlichen Weisheit erlösen oder strafen wolle, damit wir nicht alle zugrunde gehen möchten. Wir sollen auch in unserer Trübsal Gott Lob und Dank sagen, dass er uns nicht vergessen, sondern nach seiner väterlichen Barmherzigkeit züchtigen und alle Last in Gnaden tragen helfen wolle, gleichwie auch Paulus in seinem Elende Gott gedankt hat, wenn er sagt:  Gelobt sei Gott, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns in allen unsern Trübsalen tröstet. Amen.

Ein Gebet

O barmherziger Vater! Du wollest mich doch ansehen mit den Augen der Barmherzigkeit, womit Du den verlorenen Sohn angesehen hast; denn Dir, o Vater,  gebührt allein Lob, Preis und Ehre, uns aber nichts als Schmach vor deinem Angesichte; darum, gnädiger Vater, übergebe ich Seele und Leib in Deine göttliche gnädige Obhut; leite mich durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, zu allem, was deinem göttlichen Geiste wohlgefällig ist; Du wollest der Gottlosen Rat zu Torheit und Narrheit machen und uns bei Deinem göttlichen Worte erhalten nun und zu allen Zeiten, Amen. Verfertigt durch Walter von Stölwick.

Dietrich Peter Krood, Peter Trynes, Nicolaus Roders, Peter Nicolaus Janß von Wormer im Wasserlande

Als  das Wort Gottes in vielen Landschaften nach dem Willen Gottes erschollen und mit vieler Christen Blute bezeugt und befestigt worden ist, so ist dasselbe auch zu Nordholland zu Wormen bekannt und angenommen worden, wo unter andern auch Dietrich Peter Krood und Peter Trynes, Nicolaus Roders und Peter Nicolaus Janß gewesen sind. Diese haben ihre Ohren


von den päpstlichen Erdichtungen abgewandt und ihr verdorbenes Leben gebessert, und haben stattdessen  durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes das Wort Gottes willig in ihren Herzen aufgenommen und ihren ganzen Wandel nach demselben eingerichtet. Gleichwie nun Christus vorhergesagt, es werde  die Zeit kommen, dass wer euch töten wird, wird meinen, Gott einen Dienst daran zu tun, so hat sich solches an den Bezeichneten sehr deutlich erwiesen, denn weil sie nach dem Worte Gottes wandelten, sind sie zu Enchüysen gefangen gelegt worden, sind aber doch, weil sie  auf Christum gegründet waren, in allen diesen Prüfungen und schweren Anfechtungen standhaft und treu geblieben. Darum sind sie an dem genannten Orte zum Tode verurteilt worden, und haben ihren Leib dem Herrn zu einem süßen Geruche aufgeopfert und also die herrliche Krone erlangt.

Von dem Jahre, worin diese Aufopferung stattgehabt, haben wir keine Nachricht finden können.

Jacobi und Seli, seine Hausfrau, von Wormer, im Jahre 1542

Unter vielen andern, die um der Wahrheit des heiligen Evangeliums willen  ihr Gut und Leben freiwillig verlassen und übergeben haben, sind auch ein Bruder im Wasserlande zu Wormer, namens Jacob, und seine Hausfrau, genannt Seli, gewesen. Diese haben sich auch um  die gute Perle, die im Acker verborgen war, bemüht und dieselbe auch gefunden. Darüber haben sie sich gefreut und alle irdischen Reichtümer und Wollüste dieser Welt, sowie den päpstlichen gegen Gott streitenden Aberglauben abgelegt und ihr ganzes Leben nach diesem köstlichen Schatze des Wortes Gottes eingerichtet und reguliert. Deshalb ist es geschehen, dass die neidischen Papisten sie, um solches zu dämpfen, gefangen genommen und nach Amsterdam gebracht haben, wo sie um der Wahrheit willen viel haben leiden müssen. Weil sie aber durch keine Versuchung sich von dem bekannten Glauben haben abziehen lassen wollen, sondern bei Christo und seinem heiligen Worte  bis zum Tode Stand hielten, so sind sie an dem genannten Orte verurteilt und in großer Standhaftigkeit verbrannt worden. Also haben sie ihre Leiber zum Feuer übergeben,  ihre Seelen aber in die Hände Gottes befohlen und  warten nun unter dem Altare bis die Zahl ihrer Mitbrüder erfüllt sein wird.

Jan Egtwercken, Nicolaus Melisß, Aecht Melis, Wilhelm, ihr Mann, Henrich  Walingß,  Catharina Amkers, Cornelius Luytß, Nicolaus Dietrich, Nicolaus Nicolas und Junker Dietrich Gerhard von dem Busch, bei Krommeniersdyk, im Jahre 1542

Nachdem nun  das Wort Gottes an vielen Orten verkündigt und  von vielen mit großer Dankbarkeit aufgenommen worden ist, so ist dasselbe auch im Wasserlande auf Krommeniersdyk in Erfahrung gebracht, geglaubt und  angenommen worden; dies hat sich so fruchtbar erwiesen, dass einige durch dasselbe von ihrem sündhaften Leben und stummen Götzen zu dem wahrhaften und lebendigen Gotte gezogen und  bekehrt worden sind, was unter andern an Jan Egtwercken, Nicolaus Melisß und Aecht Melis und ihrem Manne Wilhelm, Henrich Walingß, Katharina Amkers und Cornelius Luytß, Nicolaus Dietrich und Nicolaus Nicolas, sowie Junker Dietrich Gerhard von dem Busche zu ersehen ist. Diese haben sämtlich von dem Papste und seinem Anhang sich abgesondert und unter den


treuen Hirten Jesum Christum begeben, haben ihre Ohren nach seiner himmlischen Stimme gewandt und ihre Leiber zu seinem Dienst zubereitet. Es haben aber diese genannten dasjenige, was Christus seinen getreuen Nachfolgern von dem Kreuze und der Verfolgung vorhergesagt hat, in reichem Maße erfahren; denn die blutdürstigen Papisten haben sie gefänglich eingezogen, gefoltert und nach vielen erlittenen Anfechtungen vom Leben zum Tode gebracht, was sie alles geduldig im Namen Jesu erlitten, und also  die Krone des Lebens erlangt haben; sie erwarten also die Offenbarung Jesu, ihres Seligmachers, zu ihrer vollkommenen und ewigen Vergeltung.

Balthasar Hubmaier mit seinem Weib

Auch ist zu Zwinglis Zeiten einer gewesen, Balthasar Hubmaier von Friedberg, ein gelehrter und wohlberedter Mann, der von den Papisten ein Doctor der Heiligen Schrift genannt wurde. Dieser war zuerst ein Leser und Prediger zu Ingolstadt, ist dann nach Rheinsburg gekommen, wo er wider die Juden und ihren Wucher gewaltig gepredigt hat, und durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes des  Gräuels des Papsttums kundig geworden ist; darum hat er sich von ihnen nach dem Rate Gottes abgesondert, hat auch nachher unter andern Irrtümern ihre selbsterdichtete Kindertaufe verworfen und die Taufe der Gläubigen nach dem Befehle Christi mit großem Nachdruck gelehrt. Weil aber diese finstere Welt es nicht ertragen kann, dass ihr das helle Licht des Evangeliums in die Augen leuchte, und dass man wider ihren falschen Glauben und ihre bösen Werke zeuge, so ist der Genannte mit vielen andern  von der Weib gehasst und verfolgt worden. Er ist aber nach mancherlei Anfechtungen, erlittener Landesverweisung und Gefangenschaft nach Nicolasburg in Mähren gekommen, worauf er mit seinem Weib gefänglich eingezogen und nach Wien in Österreich geführt worden ist, wo er nach mancherlei Versuchungen und langer Gefangenschaft in großer Standhaftigkeit zu Asche verbrannt, sein Weib aber ertränkt worden ist. Also haben sie beide  ihren von Gott empfangenen Glauben mit ihrem Tode standhaft befestigt.

Leset Seb. Franck, von den römischen Ketzern, Buchstabe B.

Dieser Balthasar Hubmaier hat zu seiner Zeit ein Büchlein veröffentlicht, worin er über Zwingli und die seinen klagt, indem er schreibt:

Sie hätten es dahin gebracht, dass man auf einmal zwanzig, sowohl Männer und schwangere Frauen, als auch Witwen und junge Mägdlein, in einen dunklen Turm elendiglich geworfen und folgendes Urteil über sie gefällt habe: Dass sie von nun an ihr Leben lang weder Sonne noch Mond sehen und ihr Leben bei Wasser und Brot beschließen sollten. Zu dem Ende sollten sie alle in dem finstern Turme, Tote und Lebendige, zusammenbleiben, verfaulen und im Gestanke liegen, bis von ihnen keiner mehr übrig wäre.

Er schreibt ferner, dass auch einige in drei Tagen keinen Mund voll Brotes aßen, damit die andern zu essen haben möchten.

Ach Gott (schreibt er feiner), welch ein hartes, schweres und strenges Urteil über fromme, christliche Leute, welchen niemand etwas weiteres nachsagen konnte, als dass sie nach dem Befehle Christi die Wassertaufe empfangen hatten.

O eine betrübte Deformation (sagen wir) der sogenannten


Reformierten! Der Herr wolle es ihnen vergeben und ihren Seelen bei ihrem blinden Eifer gnädig sein!

Siehe durchgehend in Balthasar Hubmaiers Klage über Zwingli. Ferner, in der Vorrede an den unparteiischen Leser, welche dem Opferbuche vorgesetzt ist über das Jahr 1615, Buchstabe I. Endlich, Chronik von dem Untergange, gedruckt 1617, Pag. 1031, Col. 2.

Leonhard Bärnkopff, 1543

Im Jahre 1542 ist der Bruder Leonhard Bärnkopff zu Salzburg um des Glaubens willen gefangen genommen worden. Man hat ihn auf mancherlei Weise versucht, um ihn zum Abfall zu bringen; als er aber auf dem engen und schmalen Wege der  Wahrheit Gottes standhaft verharrte und kein Abfall von ihm zu hoffen war, so hat man ihn zum Tode verurteilt, auf den Richtplatz hinausgeführt und neben ihm ein Feuer angesteckt, woran sie ihn gebraten haben; aber er hielt sich unverrückt an den Herrn und sagte noch zu den Bluthunden und Schindersknechten:  Diese Seite ist genug gebraten, wendet mich um, denn dieses Leiden ist mir durch die Kraft Gottes gering und schlecht gegen die ewige Herrlichkeit. Also hat er an dem Gräuel der Verwüstung und seinem Malzeichen den Sieg wider das Tier und sein Bild davongetragen; denn ehe er dessen Malzeichen hätte annehmen oder Gott seinem himmlischen Vater zuwider hätte etwas tun wollen, ließ er lieber seinen Leib mit den sieben tapferen und gottesfürchtigen  Söhnen rösten und braten und durch Feuer hinrichten; auch konnte ihn solches nicht von der Liebe Gottes abziehen, darum wird er auch die Harfe Gottes in seinen Händen haben, dann wird sein Mund mit allen gläubigen Überwindern, welche durch große Trübsale gekommen sind, voll Lachens werden, und ihre Zunge wird voll Lobgesangs sein und sie werden mit den Knechten das neue Lied des  Lammes singen, ja sie werden den allmächtigen Gott ewig anschauen.

Hans Huber, im Jahre 1542

In diesem Jahre 1542 ist der Bruder Hans Huber oder Schuhmacher zu Wasserberg im Bayerlande unter dem Grafen Oting gefangen genommen worden. Als sie nun mit ihm vieles angefangen und ihn vom Glauben abzuziehen gesucht hatten, er aber dabei standhaft verharrte, so dass er stets bekannte und zeugte, dass dieses, worauf er sich stütze, der rechte Grund der Wahrheit und der rechte Glaube an Christum Jesum unsern Seligmacher sei, um deswillen er auch bekannte, dass ihm um Christi willen dieses Leiden nicht schwer falle, so ist er nachher zum Tode verurteilt und hinausgeführt worden. Als sie ihm nun sein Gesicht mit Feuer verbrannten, so dass ihm das Haar und der Bart abgesengt ward, fragten sie ihn noch, ob er abfallen wolle, in welchem Falle sie ihn beim Leben erhalten wollten. Er wollte aber nicht abweichen, sondern ist in Christo Jesu standhaft geblieben. Hierauf ist er lebendig verbrannt und hingerichtet worden und hat dem Herrn Christo sein Taufgelübde getreulich bezahlt, auch sein Leben zum rechten Brandopfer um des Wortes Gottes übergeben, indem er lieber dieses zeitliche Leben verlassen, als an Gott treulos werden wollte; also hat er durch die Tat bewiesen, dass er ein standhafter Liebhaber Gottes sei.

Damian, 1543

Um diese Zeit im Jahre 1543 hat man einen Bruder namens Damian aus Algau zu Ingolstadt gefänglich eingezogen, um ihn vom Glauben abwendig zu machen; als er sich aber zum Abfall nicht verstehen wollte, ist er zum Tode verurteilt worden und hat, indem man ihn hinausführte, dem Volke zugeredet und


von seinem Glauben Rechenschaft gegeben, sodass ein Student sagte, eines von beiden sei gewiss, dieser Mensch habe seinen  Glauben entweder vom bösen Teufel, oder von dem Geiste Gottes, weil er so viel wüsste, während er doch dem Ansehen nach ein einfältiger Mensch zu sein schiene; auch hat ihm damals jemand zugeredet und gefragt, ob er als ein frommer Christ sterben wollte, worauf er sagte: Ja. Er fragte ihn ferner: Was gibst du uns denn für ein Zeichen, woran wir solches erkennen mögen? Der Bruder sprach: Merke darauf, wenn man mich verbrennt, so wird der Rauch geradewegs gen Himmel steigen, was auch wirklich geschehen ist. Als er nun gerichtet wurde, fragte der Scharfrichter, wohin sich sein Rauch wendete, und ob er auch recht gerichtet hätte. Der Richter antwortete: Du hast gerichtet, wie du gewollt hast, ich habe das  Urteil nicht gefällt. Also hat dieser Zeuge Gottes und Christi die Marterkrone erreicht.

Von einem gewissen Befehle, welcher in ganz Westfriesland wider Menno Simon und folgeweise wider alle diejenigen, welcher seine Lehre beistimmten, um das Jahr 1543 bekannt gemacht worden ist

In der Chronik von dem Untergänge der Tyrannen und jährlichen Geschichten, in der Auflage von 1617, auf das Jahr 1553, Pag. 1104, Col. 1 und 2 findet man diese Worte:

„Um diese Zeit haben die Diener des Antichristen durch ganz Westfriesland einen schrecklichen Befehl ausrufen lassen, worin allen Übeltätern und Totschlägern, welche Menno Simon den Peinigern und Scharfrichtern in die Hände liefern würden, die Strafe ihrer Bosheit erlassen und ihnen dabei des Kaisers Gnade, Freiheit des Landes, auch außerdem 100 Karlsgulden verheißen wurde.


Wenn man diesen Befehl genau einsieht und betrachtet, so lässt sich die über die Maßen große Bosheit und Tyrannei der westfriesländischen Obrigkeiten in den Zeiten gegen diejenigen nicht verkennen, welche den wahren Glauben verteidigten, oder wenigstens demselben zugetan waren. Alle Missetäter und Totschläger, welche wegen ihrer schweren Missetat und Mordes nach den Landesgesetzen sehr schwere Strafen, ja selbst den Tod verdient hatten, werden hier glimpflicher behandelt als ein frommer Christ, welcher niemanden beleidigt; ja, sie wurden von der Strafe des Verderbens frei gesprochen und ihnen (laut derselben Zeit) noch außerdem eine große Summe Geldes verheißen, für den Fall, dass sie selbst nur eine einzige Person, welche die wahre Lehre verteidigte, den Richtern des Blutgerichts in die Hände liefern würden.

Wie viel, meint ihr wohl, würde man ihnen verheißen haben, wenn sie alle Rechtgläubigen und folglich die ganze Kirche Gottes hätten ausrotten können? Wenigstens hätten wir gegründete Ursache zu schließen, dass dieses die Häupter der wahren Zeugen Jesu, die sich in den Gegenden aufhielten, im allgemeinen nicht wenig getroffen habe, wovon auf betreffenden Orts Nachricht gegeben werden soll, wie unbarmherzig die Obrigkeiten daselbst durch Anreizung einiger geistlich genannten Personen mit den unschuldigen und wehrlosen Schäflein der Herde Jesu Christi gehandelt haben.

Georg Libich und Ursel Helrigling, 1544

Um das Jahr 1544 ist Georg Libich um des Glaubens der Wahrheit Gottes willen zu Filleburg bei Insbruck gefangen genommen worden. Da aber dieser Ort, wie bekannt ist, der Gefahr


der bösen Geister besonders unterworfen ist, so hat auch dieser Bruder von dem bösen Feinde viel Widerstand und Verfolgung  erlitten; denn derselbe hat ihn oft in sichtbarer Gestalt versucht, und insbesondere im ersten Jahre ihn viel angefochten.

Einst erschien er ihm in Gestalt einer Jungfrau und wollte ihn umarmen; wenn der Bruder niederkniete und betete, so legte er ihm etwas in den Weg, sein Gebet zu verhindern; auch hat er den Versuch gemacht, ihn mit sich zu nehmen, allein er vermochte es nicht; er ist ihm ebenfalls in Gestalt eines Jünglings und eines Kriegsmannes erschienen und hat viel dergleichen Dinge angefangen; als er aber damit nichts schaffen oder ausrichten konnte, ist er oben zum Turme hinausgefahren. Er hat auch vieles erzählt, wie es auf dem Lande bei der Gemeinde zuginge, dass er mit den Brüdern geredet, und dass sie ihm dergleichen Dinge erzählt hätten, als aber der Bruder Georg ihn scharf bestrafte, ließ er ihn zuletzt in Ruhe und hat sich nicht mehr viel mit ihm eingelassen. Es hat ihn nicht allein der Feind in eigener Person besucht, sondern auch durch seine Kinder versuchen lassen; denn einst kam jemand zu ihm, wie ein Bruder gekleidet, gab sich auch für einen Bruder aus, grüßte ihn und sprach: Der Herr sei mit uns, mein Bruder, und bot ihm den Frieden an, um ihn durch solche Schalkheit zu verführen und zu betrügen. Georg aber fragte ihn, woher er käme; er sagte: Aus Mähren, von der Gemeinde. Hierauf fragte ihn Georg, was für eine Botschaft er brächte, und wie es dort stünde und zuginge. Er sprach: Die Gemeinde und Brüder sind alle verjagt und zerstreut, keiner ist mehr mit dem andern und es ist aus mit ihnen. Da merkte Georg, dass es ein Betrug sei. Er sprach zu ihm seiner Schalkheit wegen, welche er wohl verstand, und hat ihn mit seinem ernstlichen Zureden vertrieben, worüber er sich lange zu bedenken hatte.

Um nun die Versuchungen des Satan und seiner Kinder vollzählig zu machen, wurde eine Schwester, die auch des Glaubens wegen gefangen lag, namens Ursel Helrigling, eine schöne junge Weibsperson in eben dasselbe Gefängnis an seine Füße gelegt und eine Zeitlang daselbst gelassen. Was der Satan und sein Same gerne gesehen hätte, ist leicht zu erraten. Sie aber hielten sich  ritterlich und gottesfürchtig, ließen sich auch durch keine Lockung bewegen oder zu Falle bringen.

Dieser Georg Libich wusste ein Jahr zuvor den Tag, wann er erlöst werden sollte.

Auch sind nach ihm noch einige gefangen genommen worden, welche alle auf denselben Tag aus ihrer Gefangenschaft befreit und wieder zu der Gemeinde gekommen, dann aber im Herrn entschlafen sind.

Die Schwester Ursel, welche bei ihm gefangen gewesen, ist durch Gottes Schickung ohne an ihrem Glauben und Gewissen verletzt zu weiden, wieder frei geworden, auch zu der Gemeinde gekommen und daselbst im Herrn entschlafen.

Maria von Beckum und Ursel, ihres Bruders Weib, im Jahre 1544

In diesem Jahre 1544 war eine Schwester im Herrn, Maria von Beckum genannt, welche um ihres Glaubens willen von ihrer Mutter aus dem Hause getrieben wurde; als dies im Stifte Utrecht ruchbar geworden und dem Statthalter gemeldet wurde, hat derselbe Goosen von Raesfeld mit vielen Dienern ausgesandt, um die  Jungfrau bei ihrem Bruder Jan von Beckum, wohin sie geflüchtet war, zu fangen; hier musste sie aus dem Bette aufstehen und mit ihnen gehen; als sie aber einen großen Haufen Volkes sah, welcher um ihretwillen gekommen war, fragte sie ihres Bruder Weib Ursel, ob sie  mitreisen und ihr Gesellschaft leisten wollte, worauf dieselbe antwortete, wenn Jan


von Beckum damit zufrieden ist, so will ich gerne mit dir gehen, und wir wollen uns gemeinschaftlich in dem Herrn erfreuen. Als nun Maria solches von ihrem Bruder begehrte, war er damit wohl zufrieden, und Ursel zog deshalb mit ihr; hier war  die Liebe stärker als der Tod und fester als die Hölle. Ihre Mutter und Schwester waren aus Friesland zu ihr gekommen; solches aber konnte sie keineswegs bewegen; sie hat von denselben Abschied genommen und ist mit ihrer Schwester Maria fortgezogen, weil sie lieber  Ungemach leiden, als der Welt Freude haben wollte. Sie wurden zusammen nach Deventer geführt; hier kamen die blinden Leiter zu ihnen, die sie mit List zu ihren Menschensatzungen zu überreden suchten; sie aber antwortete:  Wir halten uns an Gottes Wort und achten weder des Papstes Satzungen noch die Irrtümer der ganzen Welt; Bruder Grouwel wollte sie auch viel lehren, er konnte aber seine Sachen mit der Schrift nicht beweisen; als er sie nun nicht überwinden konnte, sprach er: Der  Teufel redet aus eurem Munde, weg, weg, zum Feuer damit. Sie haben sich aufs Höchste gefreut, dass sie würdig wären, um  Christi Namen willen zu leiden und seine Schmach tragen zu helfen; dann hat man sie auf das Haus zu Delden gebracht, wo man, wiewohl umsonst, viel Mühe angewandt hat, sie zum Abfalle zu bringen. Es kam von dem Burgundischen Hofe ein Verordneter, welcher die Messe, sowie die Satzungen des Papstes, trefflich herausstrich, aber er konnte den von ihnen angeführten Schriftstellen nichts abgewinnen. Hierauf hat er sie gefragt, ob sie wiedergetauft wären, worauf sie antworteten: „Wir sind einmal nach dem Befehle Christi getauft, wie er geboten hat, und die Apostel getan haben;  denn es ist nur eine rechte Taufe; wer dieselbe empfängt, hat Christo angezogen und führt ein unsträfliches Leben durch den Heiligen Geist im Bunde eines guten Gewissens.“ Er fragte auch, ob sie glaubten, dass  Christus ganz im Sakramente sei, welches sie für eine blinde Frage hielten und sagten: „Gott will weder Gleichnis noch Bildnis haben, weder im Himmel noch auf Erden; denn Er sagt durch die Propheten: Ich bin der Herr, und außer mir ist kein Heiland. Von dem Abendmahle aber finden wir,  dass es Christus zum Gedächtnisse seines Todes mit Brot und Wein nachgelassen; so oft wir nun solches gebrauchen, sollen wir seinen Tod verkündigen bis Er kommt.“

Als nun diese Maria und Ursel die Einsetzungen des Papstes für Ketzerei hielten, so sind sie den 13. November in dem öffentlichen Gerichte zu Delden vor Pilatus und Kaiphas Gesellen gestellt und zum Tode verurteilt worden, worüber sie sich freuten und Gott lobten. Als nun das Volk ihre Standhaftigkeit sah und man sie zum Pfahl führte, haben viele geweint; sie aber sangen vor Freude und sagten: „Weinet nicht über das, was man uns antut; wir leiden nicht,“ sagte Maria, „als  Zauberinnen oder andere Missetäter, sondern weil wir bei Christo bleiben und von Gott nicht weichen wollten; darum bekehret euch, so wird es euch ewig wohl gehen.“

Als nun die Zeit des Leidens herannahte, sprach Maria: „Liebe Schwester! Der Himmel ist uns geöffnet, weil wir hier eine kleine Zeit leiden, so werden wir uns in Ewigkeit mit unserm Bräutigam erfreuen.“ Hierauf haben sie sich einander den  Kuss des Friedens gegeben. Auch baten sie dort gemeinschaftlich, dass Er den Richtern  ihre Sünden vergeben wolle, denn sie wüssten nicht, was sie täten, und weil die Welt ganz in Blindheit versunken sei, so wolle sich Gott über sie selbst erbarmen  und ihre Seelen in sein ewiges himmlisches Reich aufnehmen. Zuerst bemächtigten sie sich der Maria; dieselbe bat die Obrigkeit, dass sie doch nicht noch mehr unschuldiges Blut vergießen wollte, dann


 verrichtete sie ihr Gebet brünstig zu Gott und bat auch für diejenigen, welche sie töteten; darauf stand sie freudig auf und ging mit so großer Freude zum Holzstoße, dass es nicht beschrieben werden kann; dabei sagte sie: Dir, o Christe, habe ich mich übergeben, ich weiß  dass ich ewig mit Dir leben werde. Darum, o Gott vom Himmel, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Der Scharfrichter fluchte, weil die Kette nicht nach seinem Sinne war; sie aber sagte: „Freund, bedenke, was du tust, mein Leib ist dessen nicht würdig, dass du Christum darüber lästerst; bessere dich,  dass du nicht in der Hölle brennen mögest.“ Der Prediger, welcher Lehrer zu Delden war, hat die Ursel abgewandt, sie aber wandte sich wieder um und sagte aus einem dringenden Gemüte: „Lasst mich meiner Schwester Ende sehen, denn ich begehre Teil zu nehmen an der Herrlichkeit, während sie eingehen wird.“ Als nun Maria verbrannt war, fragten sie jene, ob sie noch nicht abfallen wollte? Sie sagte aber: „Nein, um des Todes willen nicht; ich will den ewigen Gott nicht also verlassen.“ Sie wollten sie auch mit der leichteren Todesart des Schwertes begünstigen, sie aber sagte: „Mein Fleisch ist nicht zu gut, um für Christi Namen verbrannt zu werden.“ Damit sagte sie zu einer ihrer Basen: „Sagt Jan von Beckum gute Nacht, und  dass er Gott diene, welchem ich nun geopfert werde.“

Als sie zum Scheiterhaufen kam, schlug sie ihre Hände zusammen und sprach: Unser Vater, der Du bist im Himmel. Ja, sprach der Pfaff, dort findet man ihn. Weil ich Ihn dort suche, sagte sie, muss ich des zeitlichen Todes sterben; hätte ich Ihn im Brote bekennen wollen, ich hätte wohl noch länger leben können. Als sie nun auf das Holz trat, glitt sie aus, worauf sie sagte: Es dünkt mich, ich falle ab; der Tyrann aber rief: Haltet ein, denn sie will abfallen! Nein, sprach sie, der Block weicht unter meinen Füßen; ich will in  Gottes Wort nicht schwach werden, sondern bei Christo standhaft bleiben. Also haben sie sich bis an ihr Ende männlich gehalten und haben mit ihrem Tode das Wort Gottes mit großer Geduld und Freimütigkeit versiegelt und uns ein gutes Beispiel hinterlassen.

Johann Niclaus und Lucas Lambertß, einem alten Manne, genannt Großvater, im Jahre 1544

Einige Testamente, geschrieben von Jan Niclaus (welcher in Amsterdam gefangen gelegen) an seine Hausfrau, Kinder und andere Freunde im Jahre 1544.

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