Johannes Bair
Im Jahre 1528, am Mittwoch nach Allerheiligentag, ist der Bruder Johannes Bair von Lichtenfels um des Glaubens und der göttlichen Wahrheit willen gefangen gesetzt worden, und hat zu Bamberg im Frankenlande in einem Turme dreiundzwanzig Jahre wegen seiner Standhaftigkeit in der Gefangenschaft zugebracht, wie aus nachfolgendem Briefe, welchen er an die ältesten Brüder der Gemeinde geschrieben hat, zu ersehen ist:
Liebe Brüder! Die Schreibtafel habe ich empfangen, wie auch die Rechenschaft unseres Gottesdienstes, unserer Lehre und unseres Glaubens, dazu sechs Lichter oder Kerzen und Federn; die Bibel aber insbesondere habe ich nicht empfangen, wie ich vorn in der Tafel auch bemerkt habe; aber das ist noch meine Bitte, dass ihr mir dieselbe, wenn sie noch vorhanden ist, schicken wollet; ich hätte sie vor allen Dingen sehr gern, wenn es nach dem Willen Gottes geschehen könnte; denn ich bedarf ihrer sehr und leide großen Hunger und Durst nach dem Worte des Herrn schon so manches Jahr; solches sei zu Gott und seiner Gemeinde geklagt, denn die Zeit meiner elenden Gefangenschaft besteht aus vollen zwanzig Jahren, weniger acht Wochen; am Mittwoch nach Allerheiligen jährt es sich. Ich, Johannes Bair, von Lichtenfels, der ich ein Elender der Elendigen, ein Verlassener der Verlassenen und in Jesu Christo, unserm Herrn, gefangen bin, klage
dieses abermals Gott und seinen Engeln, wie auch allen seinen Arbeitern, Kirchen und Gemeinden. Nun, meine herzallerliebsten Brüder und Schwestern in dem Herrn; bittet Gott für mich, dass er mich aus dieser Gefahr und großen Not erlösen wolle, aus der Not, welche unaussprechlich ist, das weiß Gott und ich Armer, und ihr wisset es auch mit mir; hiermit Gott befohlen. Geschrieben zu Bamberg, in einem finstern Loche, im Jahre 1548.
Nach diesem Schreiben hat er noch drei Jahre, also 23 Jahre, gefangen gesessen; nach Ablauf dieser Zeit ist er im Jahre 1551 im Gefängnis mit fröhlichem Herzen im Herrn entschlafen und hat die Marterkrone erlangt.
Hieronymus Segerß mit seinem Weib Lysken Dirks und dem großen Henrich, im Jahre 1551
Im Jahre unseres Herrn 1551 sind zu Antwerpen in Brabant Hieronymus Segerß mit seinem Weibe Lysken Dirks und der große Henrich um des Zeugnisses Jesu willen den Tyrannen in die Hände gefallen, und haben, durch Gottes Gnade, viel schwere Pein und Folter ausgestanden und ertragen. Weil sie aber durch den Glauben mit ihrem Hauptmanne Christo Jesu so fest verbunden waren, dass sie keineswegs zum Abfalle gebracht werden konnten, so haben sie den 2. Sept. im Jahre 1551 Hieronymus Segerß und den großen Henrich auf die Schlachtbank gebracht, welche ihre Leiber, ein jeder derselben an einem Pfahle, in großer Standhaftigkeit Gott zum wohlgefälligen Opfer übergeben haben. Die Lysken Dirks, Hieronymus Segerß Weib, welche schwanger war, haben sie, als sie geboren hatte, des Morgens frühe zwischen drei und vier Uhr in einen Sack gesteckt, und so, ehe die Leute aufstanden, mörderischer Weise in die Schelde geworfen und ertränkt. Gleichwohl haben einige Menschen zugesehen, welche von ihrem festen Glauben bis an den Tod Zeugnis gegeben haben; darum ruhen sie auch sämtlich unter dem Altare. Leset ihre folgenden schönen Briefe, welche von ihrem starken Glauben, ihrer festen Hoffnung und brennenden Liebe zu Gott und seiner heiligen Wahrheit Zeugnis geben.
Ein Brief des Hieronymus Segerß im Gefängnisse zu Antwerpen an sein Weib, genannt Liesken, welche auch daselbst gefangen lag, im Jahre 1551 geschrieben
Fürchte Gott allezeit.
Ins Kaisers Stuhl lag ich gefangen und beschwert,
Ums Zeugnis Jesu Christi, das Er uns gelehrt.
Und die Tür‘ ist hart verschlossen,
Auch sehr stark die Wand,
Doch ist's Herren Hand,
Die mich machet unverdrossen,
Gnade, Frieden, Freude, Trost, festen Glauben und ein gutes Vertrauen mit einer feurigen Liebe zu Gott wünsche ich meinem lieben Weibe Lysken Dirks, welcher ich mich vor Gott und seiner heiligen Gemeinde vertrauet, und nach des Herrn Befehle zum Weibe genommen habe. Trost, Freude und Wonne müsse sich bei dir, mein liebes Weib, vervielfältigen und vermehren.
Ich bitte den Herrn ernstlich für dich, dass Er dich trösten und dir das abnehmen wolle, was dir zu schwer ist. Ich weiß es wohl, mein auserwähltes Schaf, dass du um meinetwillen sehr betrübt bist; aber setze doch alle Betrübnis beiseite und siehe auf den Herzog unseres Glaubens und den Vollender Jesus, und laß uns ferner in aller Gerechtigkeit und Heiligkeit wandeln,
als Kinder des Friedens, auch die Gnadenzeit wohl wahrnehmen, und der großen Gnade, welche der Herr an uns erwiesen hat, eingedenk sein. Ach, mein liebes Weib, gedenke doch, welch einem getreuen Gotte wir dienen; er wird uns nicht zu Schanden werden lassen; gedenke, wie treulich er die Kinder Israel mit ausgestreckter Hand aus dem Diensthause Pharaos und aus Ägypten durch das rote Meer geführt habe, und gedenke, wie sie sich zubereiten mussten, ehe sie ausziehen konnten, und wie sie das Osterlamm aßen mit ungesäuertem Brote; stehend mussten sie das Osterlamm essen, und das ungesäuerte Brot, das sie hatten, wickelten sie in ihre Kleider, und fingen an, nach der Wüste auszuziehen; auch ging der Engel des Herrn vor ihnen her, des Tages in einer Wolkensäule und des Nachts in einer Feuersäule und leuchtete ihnen auf solche Weise vor; als sie aber von Pharao und seinem Heere geängstigt wurden, fing das Volk an, wider Moses zu murren, denn sie hatten zu dem Herrn kein festes Zutrauen, dass Er sie ausführen würde; aber der Herr sagte zu Mose, was Er tun wollte, und wie Er Seine Macht an Pharao und seinem Heere beweisen wollte, darum gebot Er Mose, er sollte den Stab nehmen und ins Meer schlagen; und als Moses ins Meer schlug, vertrocknete das Meer, und das Wasser teilte sich voneinander und stand wie Mauern zur rechten und linken Seite, so dass sie trocken durch das Meer gingen; Pharao aber, der ihm nachfolgte, ertrank mit seinem ganzen Heere und Volke, während die Kinder Israel ohne Schaden hindurchgingen, und also Gott lobten und Ihm dankten, dass Er sie aus dem Diensthause Pharaos erlöset hatte. Aber damals waren sie noch nicht im verheißenen Lande; sie kamen erst in eine abscheuliche Wüste, wo kein Brot war; des Brotes, welches sie aus Ägypten brachten, war nur wenig; es war der ungesäuerte Teig, den sie in ihren Kleidern trugen, als sie aus Ägypten zogen. Da ging es an ein Zagen, weil sie nichts zu essen hatten, aber der Herr speiste sie mit Himmelsbrot.
So auch, mein liebes Weib, haben wir noch nicht alles gewonnen, wenn wir die Wahrheit erkannt, uns von der Welt geschieden und uns alle Wollüste und Begierden versagt haben; wir müssen auch wider Feinde streiten, das ist, wir müssen hier in dieser Welt wider Kaiser und Gewaltige und wider die Fürsten dieser Welt streiten; wir müssen in dieser Welt leiden, denn Paulus hat gesagt, dass alle, die gottselig in Christo Jesu leben wollen, Verfolgung leiden müssen; wir müssen die Welt, die Sünde, den Tod und den Teufel ganz überwinden, nicht mit äußerlichen Schwertern oder Spießen, sondern mit dem Schwerte des Geistes, welches Gottes Wort ist, und mit dem Schilde des Glaubens, womit wir alle scharfen, feurigen Pfeile abweisen können; wir müssen den Helm der Seligkeit auf unser Haupt setzen, und den Panzer der Gerechtigkeit anziehen, und Schuhe an unsern Füßen haben zum Dienste des Evangeliums. Wenn wir mit solchen Waffen versehen sind, so werden wir mit Israel durch die Wüste gelangen, und werden allen unsern Feinden Widerstand leisten und sie überwinden; sie müssen zu Schanden werden, die wider die Wahrheit streiten. Als nun die Kinder Israel aus der Wüste waren, aus der grausamen und entsetzlichen Wüste, wo die Schlangen Feuer spien, nachdem sie vierzig Jahre lang in derselben herumgewandelt waren, auch so manche Gefahr überwunden und so viele Städte und Länder diesseits des Jordans eingenommen hatten, so hatten sie doch das verheißene Land noch nicht eingenommen, denn sie waren noch nicht über den Jordan; der Herr aber zeigte Mose das verheißene
Land von ferne. Ach, mein liebes Weib, ich habe das verheißene Land auch von der Ferne gesehen; ich hoffe, bald in die schöne Stadt zu kommen, von welcher Johannes schreibt, welche schön ausgeziert ist; ihre Grundsteine sind zwölf köstliche Steine und ihre Mauern und Straßen von klarem und lauterem Golde; auch hat die Stadt zwölf Tore, ein jedes besteht aus einer Perle; dort ist keine Nacht, denn der Herr, ihr Gott, erleuchtet sie. Und der Herr sprach zu Mose, er solle das Volk nicht in das verheißene Land einführen, sondern Josua brachte sie herein, und der Herr führte sie mit trockenem Fuße durch den Jordan und gebot ihnen, dass, wenn sie seine Gebote und Rechte halten würden, er ihre Feinde vor ihren Füßen ausstoßen werde; als sie aber seine Gebote und Rechte übertraten, übergab sie Gott den Händen ihrer Feinde, so dass sie von ihren Feinden in die Flucht geschlagen wurden. Als sie nun über dem Jordan waren, hatten sie gleichwohl das verheißene Land noch nicht inne, wo Milch und Honig floss, sondern sie mussten es mit Gewalt einnehmen, alle ihre Feinde töten, und die Städte mit Feuer verbrennen; ebenso müssen auch wir das verheißene Land mit Gewalt einnehmen, denn Christus sagt, dass das Himmelreich Gewalt leide. Ich weiß nun erst, was streiten sei; niemand weiß es besser, als derjenige, der es versucht hat; so listig setzten sie an uns, um uns zu verführen.
Wisse, dass ich deinen Brief durch meine Mutter empfangen, welchen ich mit Tränen gelesen habe; ich danke dir, dass du mich so herzlich darin getröstet hast, und freute mich, als ich vernommen habe, dass du so wohl zufrieden seiest.
Wisse, meine innig geliebte Hausfrau Lysken, dass ich vor dem Markgrafen gewesen bin; er hatte zwei Dominikaner, zwei vom Rate und den Schreiber des Blutgerichts bei sich. Er fragte mich, ob ich mich noch nicht besser bedacht hätte, und sagte, dass er die beiden guten Männer oder Herren dazu angewiesen hätte, dass sie meine Seele gewinnen sollten, wenn ich mich bekehren wollte. Ich sagte, ich wollte meinen Glauben nicht verlassen, denn er sei die Wahrheit. Hierauf fragten sie mich, was denn mein Glauben wäre? Worauf ich zu den Mönchen sagte: Fraget den Markgrafen, ihm habe ich meinen Glauben bekannt. Sie quälten mich sehr, ich aber wollte ihnen durchaus nichts sagen. Sie fragten, woher ich wüsste, dass es die Wahrheit sei, ob Gott mündlich mit mir geredet hätte.
Als sie nun von mir sonst nichts erlangen konnten, wurde mein Bekenntnis abgelesen, nämlich, dass ich nichts vom Sakramente hielte. Ich sagte: Für nichts als für einen Brotgott. Die Pfaffen aber wurden hierüber sehr entrüstet, weil ich ihren Gott so verachtete; sie wollten mit mir reden, ich aber sagte: Ich will euch nicht anhören oder mit euch reden; lasset meine Brüder zu mir kommen, so will ich mit euch reden und unsern Glauben bekennen. Da fragten sie mich, ob ich in meinem Glauben nicht genügend bewandert wäre, weil ich mich auf meine Brüder berief. Ich sagte: Ja, mein Glaube ist stark genug, nur damit ihr meine Worte nicht verdrehet. Sie sagten hierauf: Wir wollen deine Worte nicht verdrehen. Ich antwortete: Ich kenne euch allzu wohl und weiß eure Schalkheit gut. Der Markgraf sagte: Es soll dir bewilligt werden. Ich aber meinte, er hätte gesagt, dass er eine Bibel mitbringen wollte. Die Pfaffen meinten, wenn man die Kindlein tauft, so haben sie den Glauben. Ich lachte darüber und sagte, warum sie denn nicht in die Türkei gingen, um die Türken zu taufen, denn wenn dem so ist, wie er sagt, dass man dann gläubig wird, so würden sie ja auch gläubig werden. Sie sagten: Und wenn man auch die Türken taufte, so würden sie doch Türken bleiben. Auch quälten sie mich sehr, dass ich abfallen und ein gutes Kind der römischen Kirche
werden sollte. Selbst der Markgraf und die Herren des Rates zeigten mir eine falsche Art der Barmherzigkeit, indem sie sagten: Wenn man dich am Leben erhielte und du dich bekehren und ein gutes Kind der römischen Kirche werden würdest, so hätte ich gute Hoffnung zu dir, denn du bist jung und unschuldig dazu gekommen; ich weiß wohl durch wen (solches bezog sich auf Jelis von Aken) und auch, weil du so gute Eltern hast und deine Mutter sich bald zu Tode grämt. Ich entgegnete: Wenn auch die Türe offen stände und du zu mir sagen würdest: Gehe deines Wegs und sage nur, es ist mir leid, ich würde nicht gehen, denn ich weiß wohl, dass die Wahrheit mir zur Seite steht. Da sagte der Markgraf: Wenn du nicht gehorchen willst, so will ich dich lebendig verbrennen lassen. Darüber lachte ich und sagte: Was ihr mir um meines Glaubens willen zufüget, will ich gerne leiden; auch sagte er: Sein Weib ist die größte Ketzerin, die in der Stadt ist.
Ich kann dem Herrn für alle Kraft und Stärke, die er mir in dieser Not verleiht, nicht genug danken; ich merke nun wohl, dass der Herr mit uns ist; denn er hilft uns so treulich aus aller Not. Er ist ein treuer Hauptmann und gibt seinen Knechten Mut, stärkt sie auch, dass sie sich nicht fürchten; sie zagen und zittern nicht, um der großen Liebe willen, die sie zu ihrem himmlischen Vater tragen; denn Paulus sagt: Wer will uns von der Liebe Christi scheiden? Trübsal oder Angst, Verfolgung oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert? Wie geschrieben stehet: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wir sind für Schlachtschafe geachtet, aber in dem allen überwinden wir weit um desjenigen willen, der uns geliebt hat; denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgendeine andere Kreatur uns von der Liebe Gottes scheiden mag, die in Christo Jesu, unserm Herrn, ist.
Darum, mein geliebtes Weib Lysken, füge dich in die Zeit und sei geduldig in Trübsal, halte an im Gebet und siehe doch immer auf die schönen Verheißungen, welche uns überall gegeben sind, wenn wir bis an das Ende standhalten. Laß uns doch den Schatz wohl bewahren; denn da wir solchen Schatz in irdischen Gefäßen haben, so können wir denselben nicht verbergen, sondern er bricht überall hervor. Er ist viel zu köstlich, als dass man ihn verbergen sollte; wir freuen uns über diesen Schatz; er besteht in unserm Glauben, in der Hoffnung und Liebe, diese werden uns nicht müßig sein lassen, wenn man gleich uns auch voneinander absondert und uns in ein finsteres Loch werfen wollte, denn der Schatz ist von solcher Art, dass er nicht verborgen sein will; der eine ruft dem andern zu und schüttet so seinen Schatz aus, dass er gesehen werden möge; wir sind so wohlgemut, dem Herrn sei in Ewigkeit Lob und Dank gesagt. Wir rufen, wir singen miteinander, solche Freude haben wir, um uns untereinander zu trösten und zu stärken; der Herr gibt uns solche Stärke und Kraft, dass wir Ihm für die große Gnade, die Er an uns erwiesen, nicht genug danken können. Darum werden wir nicht müde, und wenn auch unser auswendiger Mensch vergeht, so wird der inwendige von Tag zu Tag erneuert; denn unsere Trübsal, welche zeitlich und leicht ist, bringt uns eine ewige und über alles gewichtige Seligkeit, die wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf dasjenige sehen, was unsichtbar ist.
Darum, mein liebes Weib, laß doch nicht nach, dem Herrn, deinem Gott, von ganzem Herzen zu dienen und seinen Fußstapfen nachzufolgen, denn wir wissen, dass wenn unser irdisches
Haus dieser Hütte zerbrochen wird, wir einen Bau von Gott erbaut haben werden, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht, sondern das ewig ist im Himmel, und über dasselbe sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlangt, dass wir damit überkleidet werden, denn wir wollen lieber nicht entkleidet, sondern bekleidet sein; denn so lange wir in diesem Leibe wohnen, so wallen wir dem Herrn.
Darum, mein liebes Weib, wende doch Fleiß an, dass du die Zeit deiner Wanderschaft mit Furcht und Zittern vollenden mögest, nicht (meine ich) mit solcher Furcht und solchem Zittern, dass wir vor der Welt uns fürchten und zittern sollten, weil man so erbittert auf uns ist, sondern wir sollen uns vor dem Herrn fürchten und vor ihm erzittern; seine Gebote und Rechte halten und also die Zeit unserer Pilgerschaft in der Furcht des Herrn vollenden, und das Ende unseres Glaubens, nämlich der Seele Seligkeit davon tragen; dann werden wir ewiglich uns mit dem Herrn erfreuen und Ihm in der Auferstehung der Toten begegnen; darum fürchte dich nicht vor der Welt, denn es sind alle Haare deines Hauptes gezählt; sie haben keine Gewalt, es sei denn, dass sie ihnen von oben gegeben werde, und Christus sagt: Fürchte dich nicht vor denen, die den Leib töten, sondern fürchte den, der, wenn er den Leib getötet hat, auch Macht hat, die Seele in die Hölle zu werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein, und ihr Wurm wird nicht sterben, auch werden sie weder Tag noch Nacht Ruhe haben. Der allmächtige, ewige und starke Gott wolle dich mit seinem gesegneten Worte stärken und trösten, dass du bis ans Ende getreu bleiben mögest, dann wirst du auch unter den Altar zu allen lieben Kinder Gottes kommen, wo alle Tränen von unsern Augen werden abgewischt werden; alsdann wird alle Trübsal ein Ende haben; dann wird unser verachteter Leib verklärt werden, und dem Bild seiner Klarheit gleich sein; alsdann wird unser Weinen in Lachen und unsere Trauer in Freude verwandelt werden; dann werden wir (die wir um des Zeugnisses Jesu willen eine kurze Zeit verachtet und verschmäht, ja verfolgt und mit großer Schmach und Verspottung getötet worden sind), ewig triumphieren und mit dem Herrn leben. Wir werden mit weißen Kleidern angetan werden, gleichwie Johannes in seiner Offenbarung von den Seelen derjenigen bezeugt, die um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten, getötet worden sind; und sie lagen unter dem Altare, riefen mit lauter Stimme und sagten: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger! Wie lange richtest du und rächest nicht unser Blut an denen, die auf Erden wohnen. Und ihnen wurde, einem jeden, ein weißes Kleid gegeben, und es ward zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kleine Zeit ruhten, bis dass vollends ihre Mitknechte und Brüder hinzukämen, die auch noch getötet werden sollten, gleichwie sie. O welch ein herrliches Volk werden wir sein! Wenn wir mit der großen Schar sein werden, von welcher Esdras schreibt und Johannes in seiner Offenbarung sagt, dass er eine große Schar gesehen habe, die niemand habe zählen können, aus allen Heiden, Geschlechtern, Völkern und Zungen, welche vor dem Throne und vor dem Lamme standen, gekleidet in weißen Kleidern und Palmzweige in ihren Händen, und riefen mit lauter Stimme: Heil sei dem, der auf dem Stuhle unseres Gottes sitzt und dem Lamme. Diese sind es, die aus großen Trübsalen gekommen sind, die ihre Kleider gewaschen und sie durch das Blut des Lammes weiß gemacht haben; darum sind sie vor dem Stuhle Gottes und
dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel. Und der auf dem Stuhle sitzt, wird über ihnen wohnen, und sie wird nicht mehr hungern und dürsten; auch wird sie die Sonne nicht mehr brennen, noch sonstige Hitze; denn das Lamm mitten in dem Stuhle wird sie regieren und er wird sie zu dem Brunnen des lebendigen Wassers bringen, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Und Esdras zeugt von derselben Schar, indem er sagt: Dass sie mitten auf dem Berge Zions standen und in weiße Kleider gekleidet waren, und dass mitten unter ihnen ein Jüngling war, der mit seiner Länge alle überragte, und einem jeden einen Palmzweig in die Hand gab und einem jeden eine Krone aufs Haupt setzte; und Johannes sagte, dass er gleichsam ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt, gesehen habe, und dass diejenigen, welche den Sieg über das Tier und dessen Bild mit seinem Zeichen und die Zahl seines Namens erhalten hatten, an dem gläsernen Meere mit Gottes Harfen gestanden und das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes gesungen haben. Siehe doch, mein geliebtes Weib, welche herrlichen Verheißungen wir überall finden, welche Gott allen lieben und wahren Kindern geben und schenken wird, die Ihm hier treu geblieben sind, ihr Leben dem Herrn zu Ehren geendigt und ihre Kleider in dem Blute des Lammes weiß gewaschen haben.
Ach, mein innig geliebtes Weib! Ich kann dem Herrn für alle seine große Tugend, die Er an mir beweist, nicht genug danken; Er gibt mir solche Kraft und Stärke, dass ich es nicht aussprechen kann. Ach, ich werde es nun wohl gewahr, dass der Herr ein getreuer Nothelfer sei! Er verlässt diejenigen nicht, welche Ihm vertrauen; denn wer sich auf den Herrn verlässt, soll nicht zu Schanden werden; Er wird uns wie seinen Augapfel bewahren; er wird uns aus aller Gewalt des Teufels und von der Tyrannei dieser Welt erlösen; ja, Er wird uns bewahren, dass wir nicht zur Hölle fahren, wenn wir Ihm anders bis ans Ende treu bleiben; Christus sagt: Wer bis ans Ende beharret, soll selig werden. Ach, mein innigst geliebtes Weib! Bleibe doch dem Herrn bis in den Tod getreu, denn die Krone ist nicht im Anfange, noch in der Mitte, sondern am Ende. Wenn du dem Herrn getreu bleibst, wird Er dich nicht verlassen; Er wird dir die Krone des ewigen Lebens geben und dich in Sein Reich einführen; Er wird dich mit Preis und Ehre krönen; Er wird alle Tränen von deinen Augen abwischen. Liebe Lysken, soll Er alle Tränen abwischen, so muss man hier erst geweint haben; Er wird uns von unsern Leiden erlösen, darum müssen wir zuerst in dieser Welt leiden; wir müssen streiten und fechten wider die grimmigen Löwen, Drachen und Bären, ja wider das arge und böse Otterngezüchte und die Schlangen; wider die listigen Schlangen dieser Welt und den bösen Samen Kains, denn Paulus sagte, dass wir nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen haben, sondern mit den Herren der Finsternis und wider die Fürsten und Gewaltigen dieser Welt, ja wider die Geister, die in der Luft hantieren, welches die alte Schlange und Satanas ist, welcher, wie Petrus sagt, um uns herumgeht, wie ein brüllender Löwe und suchet, wen er verschlinge, darum wende Fleiß an im Streite, mit Bitten und Flehen zum Herrn und halte dich an der Lehre Jesu Christi, unseres Seligmachers, damit du das Ende deines Glaubens, nämlich deiner Seele Seligkeit, retten mögest. Darum kämpfe doch mit Paulus einen guten Kampf. Hiermit will ich dich, mein herzlich geliebtes Weib und Schwester, dem allmächtigen, ewigen und starken Gotte
und dem Worte seiner reichen Gnade anbefohlen haben, damit du wider alle Pforten der Hölle bestehen mögest. Amen.
Noch ein Brief von Hieronymus Segerß an die Brüder und Schwestern
Die ewige Freude, der Friede und die Gnade Gottes, des Vaters, und die grundlose Barmherzigkeit, Gunst und Liebe des Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, welcher von Gott dem Vater aus Gnaden zum Heile aller derer gesandt ist, die durch sein unvergängliches Wort oder Evangelium mit ihm wiedergeboren sind und seinen Willen vollbringen, und der gründliche und unaussprechliche Trost, Kraft und Gemeinschaft des Heiligen Geistes, welcher von ihnen beiden vom Himmel zum ewigen Troste, zur Freude und Ergötzung ausgesandt ist, sei mit allen wahren, bußfertigen und gehorsamen Kindern Gottes, die ihr Leben gebessert haben und also mit Christo durch sein Evangelium in einem neuen Leben auferstanden sind. Dieser ewige Gott wolle euch sämtlich in seiner ewigen Wahrheit stärken und euch mit dem kräftigen Worte seiner Gnade in aller Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit bis ans Ende erhalten: Er bewahre euern Verstand, euer Herz und eure Sinne in Christo Jesu. Demselben sei Preis, Ehre, Lob, Kraft und Stärke von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Meine herzlich geliebten, werten und auserwählten Brüder und Schwestern, und alle Liebhaber der ungefärbten und ewigen Wahrheit, ich wünsche euch den wahren bußfertigen Glauben, der durch die Liebe tätig ist, welcher vor Gott gilt, in einem reinen und keuschen und heiligen Umgange und Wandel in der Furcht Gottes und eine feurige Liebe zu Gott, unserm himmlischen Vater, eurem Nächsten und zu seiner ewigen, klaren und unveränderlichen Wahrheit. Ich bitte den Herrn Tag und Nacht ohne Aufhören für euch, dass Er euch die Augen des Verstandes öffnen wolle, damit ihr erkennen möget, dass solches die rechte Wahrheit sei und dass Er euch mit seinem göttlichen Worte kräftig und im Glauben stark machen wolle, damit ihr in dieser Wahrheit in aller Demut und Sanftmut wandeln und ein Licht allen Menschen seid und standhaft bis ans Ende bleiben möget. Auch bitte ich den Herrn, dass Er euch vor allen reißenden Wölfen bewahren wolle, die von uns ausgegangen sind und unter euch noch aufstehen werden, welche der Schafe nicht schonen werden, und vor allen falschen, ketzerischen und teuflischen Lehrern, die sich unter Christi Namen aufwerfen und in einem heiligen Scheine auftreten, als ob sie von Christo gesandt wären, die aber vom Teufel gesandt und ausgegangen sind.
Darum, meine lieben Brüder, seid munter, betet und wachet, denn es ist sehr nötig, und denket daran, nach meinem Abschiede, dass ich euch aus dem Gefängnis vor den falschen Propheten gewarnt habe. Also habe ich euch mit Gottes Hilfe ein wenig geschrieben und mit Paulus ein wenig ermahnt, weil ich wohl weiß, dass ich meinen sterblichen Rock bald ablegen und mit meinen Brüdern und Schwestern in Christo entschlafen werde. Obgleich ihr nun selbst in dieser gegenwärtigen Wahrheit unterrichtet und gestärkt seid, so halte ich es gleichwohl für nützlich, euch noch ein wenig zu ermahnen, damit etwa dadurch noch jemand gebessert werde, gebaut, gestärkt und so der Name des Herrn dadurch gelobt und gepriesen werden möchte, auch zu meinem eigenen Andenken, der ich euch in demjenigen, das mir der Herr gegeben hat, ein Vorbild gewesen und in aller Demut unter euch gewandelt bin.
Darum ermahne ich euch, meine herzlich geliebten Brüder und Schwestern in dem Herrn, und bitte euch, mit Paulus, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib zu einem Opfer begebet, das heilig, lebendig und Gott wohlgefällig sei und welches euer vernünftiger Gottesdienst ist. Stellt euch dieser argen und verkehrten Welt nicht gleich, sondern erneuert euch durch die Erneuerung eurer Sinne, damit ihr prüfen könnt, welches der gute, wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes sei.
Ach, meine lieben Brüder, ich bitte euch herzlich, dass ihr doch alle euer Leben bessern und die Welt mit ihren Lüsten fahren lassen und sämtlich auf das Leben Christi sehen wollt, wie er uns vorgewandelt ist, denn Johannes sagt: Wer sich Christi rühmen will, der muss auch wandeln, gleichwie Er gewandelt ist.
Ach seht, meine lieben Freunde, es ist nicht genug, dass wir in Christi Namen getauft sind, ein Bruder oder eine Schwester Christi heißen und Christen genannt werden. Ach nein, solches kann nicht selig machen, denn Johannes sagt: Kindlein, lasset euch durch niemanden verführen.
Wer recht tut, der ist gerecht; wer Sünde tut, der ist vom Teufel, und daran wird es offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind. Und Christus sagt: Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Und abermals sagt Christus: Wer mich lieb hat, wird mein Wort halten, und meine Gebote wahrnehmen, und wer meine Gebote hat, und hält sie, der ist‘s, der mich lieb hat. Johannes sagt: Wer da sagt, dass er Gott liebe, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm. Ihr wisset aber, dass ein Lügner keinen Teil an dem Reiche Gottes habe. Darum seid doch keine Christen mit dem Munde oder mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit; denn es ist ohne allen Wert, den Namen eines Christen zu tragen, solange wir ihm in Worten Werken und Gedanken nicht gleichmäßig sind. Paulus sagt ja: Welche er zuvor ersehen, die hat er auch verordnet, dass sie dem Bilde seines Sohnes gleichförmig sein sollten, damit Er der Erstgeborene unter allen Brüdern sei. Hat er euch nun dazu berufen und verordnet, so wendet auch Fleiß an, um ihm gleichförmig zu werden, damit ihr in der Tat als rechte Christen erfunden werdet, wenn ihr nämlich in solche Trübsal fallt, worin wir nun sind; denn ebenso wohl wie wir uns darin befinden, kann die Reihe auch morgen an euch kommen. Darum wachet und betet, denn ihr wisset weder Zeit noch Stunde, und lasset es euch ein Ernst sein, dem Herrn zu gefallen, denn wir werden alle vor dem Richterstuhle Christi offenbar werden, wo ein jeder an seinem Leibe empfangen wird, je nachdem er gehandelt hat, es sei gut oder böse. Weil nun der Herr zu fürchten ist, so rate ich euch, und bitte euch demütig, dass ihr dem Evangelium gemäß wandeln wollt, denn das macht die Sache nicht aus, dass man den Namen eines Christen trägt, und sich einen Bruder nennen lässt, sondern Gottes Gebote erfüllen, das gilt allein. Ich habe viele unter uns gesehen, die die Christen sehr rühmten, und Christum mit der Zunge lieb hatten, aber mit der Tat verleugneten sie Ihn, was sehr zu beklagen ist, denn sie münzen falsches Geld, welches zwar dem Äußeren nach gutes Geld zu sein scheint, aber wenn man es auf den Prüfstein oder ins Feuer bringt, so ist es seinem Gehalte nach nichts als Kupfer; ebenso wandeln sie auch unter den Frommen, als ab sie rechte Christen wären, wenn sie aber der Herr in Trübsalen zu prüfen beginnt, so sieht man, dass alles auf Sand gebaut ist, und dass sie ihren Bauch lieber haben, als Christum,
was man auch an unsern Mitgefangenen ersehen kann, denn sie haben sich lange fromme Brüder nennen lassen, nun aber führen sie eine andere Sprache.
Darum, meine herzlich geliebten Brüder und Schwestern in dem Herrn, nehmet uns zum Spiegel; alle die ihr dem Herrn ein bequemes Opfer tun wollt, folgt uns nach und seid nicht länger so träge und kaltsinnig in der Liebe, damit, wenn ihr auch in Bande kommt, ihr darin alsdann in Betrübnis geraten müsst, weil ihr nicht besser gewandelt seid, denn damit versucht uns der Teufel Tag und Nacht. Darum warne ich euch aus brüderlicher Liebe, dass ihr eurer selbst wohl wahrnehmt, weil ihr Zeit habt, denn Paulus sagt: Die heilsame Gnade Gottes ist allen Menschen erschienen, und züchtigt uns, dass wir das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste verleugnen und züchtig, gerecht und gottesfürchtig in dieser Welt leben und die Offenbarung und Erscheinung des großen Gottes und unseres Erlösers Jesu Christi erwarten sollen, der sich selbst für unsere Sünden aufgeopfert hat, damit er uns von aller Unreinigkeit reinige, und ihm also ein Werk reinige, das zu allen guten Werken fleißig wäre.
Sehet, meine lieben Freunde, ein solches Volk hat Christus auserwählt, das nicht eitel oder leichtfertig sei, sondern welches durch Geduld in guten Werken das ewige Leben sucht, denn er hat uns dazu berufen und auserwählt, dass wir heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe sein sollten, indem er sich eine solche heilige Gemeinde auserwählt, welche weder Flecken noch Runzeln hat, sondern dass sie heilig, unsträflich und untadelhaft vor ihm in der Liebe wandle. Darum seid fleißig in eurem ganzen Wandel, weil geschrieben steht: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. Ach sehet, meine lieben Brüder, es ist Zeit euch vorzusehen, denn die Axt ist nun den Bäumen an die Wurzel gelegt; ein jeder Baum aber, der keine guten Früchte bringt, soll abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Denn es werden nicht alle, die da sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen meines Vaters im Himmel tun; darum, wenn ihr den Sünden abgestorben und durch die Erkenntnis der Wahrheit gereinigt seid, so müsst ihr nicht müßig sein, damit der Teufel die sieben Geister nicht zu sich nehme und zu euch wiederkomme, und das Letztere ärger werde als das Erste.
Darum lasset die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten, auch übergebt nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern übergebt euch selbst Gott, als solche, die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit und bittet, dass eure Flucht nicht im Winter oder auf den Sabbat geschehe und wandelt nicht im Finstern, liebe Brüder, damit euch der Tag nicht wie ein Dieb überfalle. Werdet ihr also tun, so werdet ihr die Kinder des Lichtes und des Tages sein, denn das sind keine Kinder Gottes, die sich selbst des Glaubens rühmen, und solchen mit den Werken nicht beweisen, indem Christus sagt: So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr es tut. Denn wer es weiß und tut es nicht, wird mit den Narren verglichen, weil der Knecht, welcher des Herrn Willen weiß und nicht tut, doppelt Streiche leiden wird. Die aus dem Grunde ihres Herzens glauben und ihren Glauben mit der Tat erweisen, sind rechte Kinder Gottes, und solche werden auch im Himmelreiche für Gläubige gehalten werden. Darum rate ich euch, und bitte mit Petrus, dass ihr allen Fleiß daran wendet, und
in eurem Glauben Tugend, in der Tugend Bescheidenheit, in der Bescheidenheit Mäßigkeit, in der Mäßigkeit Gottseligkeit, in der Gottseligkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe zeigt; denn wo solches reichlich bei euch ist, wird es euch weder faul noch unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesu Christi.
Und also wird euch der Eingang zum ewigen Leben reichlich dargereicht werden; wer aber dieses nicht hat, der ist blind und vergisst die vorige Reinigung seiner Sünden. Darum machet eure Seelen durch den Gehorsam der Wahrheit keusch, in rechter ungefärbter brüderlicher Liebe, und habt euch untereinander lieb aus reinem Herzen, als solche, die wieder von neuem geboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich durch das lebendige Wort Gottes, welches in Ewigkeit bleibt. Umgürtet die Lenden eures Gemütes, und seid nüchtern und setzet alle eure Hoffnung auf Gott, und habt untereinander eine brünstige Liebe, und seid gleichgesinnt; achtet auch nicht, was hoch ist, sondern haltet euch zu den Geringen, und lasst kein faules Geschwätz aus eurem Munde gehen; verschwendet auch nicht eure Zeit mit eitlen Worten, welche zu nichts nützen als zu einem ungöttlichen Leben und Wesen; sondern redet was holdselig sei zu hören, und nützlich zur Besserung, und lasset eure Worte immer in der Gnade mit Salz vermenget sein; denn Petrus sagt: So jemand redet, so rede er Gottes Wort, auf dass er allen Menschen ein Spiegel sein möge, und Christus sagt: Ihr seid das Salz der Erde; wo nun das Salz dumm wird, so ist es zu nichts mehr nütze, als dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. Denn man zündet nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, auf dass sie alle davon sehen mögen. Und ihr seid das Licht der Welt, lasset euer Licht leuchten vor der Welt, auf dass die Menschen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. Und Petrus sagt: Führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf dass die, welche von euch afterreden, wie von Übeltätern beschämt werden, weil sie euren guten Wandel in der Furcht Gottes verspottet haben.
Und David sagt: Wer leben will und gute Tage sehen, der zähme seine Zunge, dass sie nichts Arges rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen; er wende sich vom Argen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach, denn die Augen des Herrn sehen auf den Gerechten und seine Ohren hören sein Gebet, aber das Angesicht des Herrn siehet auf den, der Böses tut. Darum hütet euch, dass das zornige Antlitz des Herrn euch nicht ansehe; denn am letzten Tage werden die Gottlosen rufen: O ihr Hügel und Berge, fallet auf uns und bedecket uns, damit wir nicht das zornige Antlitz dessen sehen, der auf dem Stuhle sitzt! Und Christus sagt: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Und abermals: Es sei denn, dass ihr umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Sehet, meine lieben Brüder und Schwestern, wenn ihr nicht erniedrigt seid, so wendet Fleiß an, dass ihr so werdet, denn die Worte Christi sind keine Lügen, wenn er sagt: Es werden an jenem Tage viele zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht vor dir gegessen und getrunken und in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Dann aber werde ich ihnen bekennen, dass ich sie noch nie erkannt habe; gehet von mir alle ihr Übeltäter. Und Paulus sagt: Wer nach dem Fleisch lebt, muss sterben. Ach, Freunde, es sind viele unter euch, welche den Eseln und Maultieren nacharten, die in ihrem Gange so träge
sind, dass sie mit Schlägen und Stößen getrieben werden müssen. Ach, das ist nicht nach der Liebe gewandelt; richtet die müden Knie und die lässigen Hände wieder auf, es ist lange genug geschlafen, denn Paulus sagt: Wache auf, der du schläfst und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten; seid ihr mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes seines Vaters sitzt; trachtet nach dem, das himmlisch ist, und nicht nach dem, das irdisch ist.
Ach meine lieben Brüder und Schwestern in dem Herrn, seid doch Gottes Nachfolger als auserwählte Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie er uns geliebt und sich selbst für uns zum Opfer und Gabe dahingegeben hat, Gott zu einem süßen Geruche; Hurerei aber und Unreinigkeit lasset nicht unter euch gefunden werden, gleichwie den Heiligen geziemt; auch nicht schandbare Worte und Narrengeschwätz, welche euch nicht geziemen, sondern vielmehr Danksagung; denn das sollt ihr wissen, dass kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger, welcher ein Götzendiener ist, am Reiche Gottes Erbe hat. Darum seid nicht ihre Mitgenossen, denn ihr waret einst Finsternis, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts, denn die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit, und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern bestrafet sie vielmehr.
Darum ermahne ich euch als Mithelfer, denn der Herr sagt: Ich habe dich zur angenehmen Zeit erhöret und dir am Tage des Heils geholfen; nun ist die angenehme Zeit, nun ist der Tag des Heils; lasset uns niemandem Ärgernis geben, damit unser Dienst nicht gelästert werde, sondern in allen Dingen als Diener Gottes uns zeigen in großer Geduld, in Verfolgung, in Angst, in Schlägen, in Gefängnis, in Aufruhr, in Blöße, in Gefahr, bei dem Schwerte, in Keuschheit, in Erkenntnis, in Langmütigkeit, in Freundlichkeit, in dem Heiligen Geiste, in ungefärbter Liebe, in Worten der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Ehre und Schmach, durch gute Gerüchte und böse Gerüchte, als Verführer und gleichwohl wahrhaftig, als die da sterben und doch leben, als die Unbekannten und doch Bekannten, als die geschlagen und doch nicht getötet werden, als die Armen und die doch viele reich machen, als die nichts haben und doch alles besitzen.
Meine lieben Freunde, mein Mund hat sich aus brüderlicher Liebe zu euch aufgetan, und ich bitte euch demütig, dass ein jeder von euch gesinnt sei, wie Jesus Christus auch war, und erweiset solche Liebe in der Tat untereinander, denn das ist die Botschaft die ihr von Anfang gehört habt, dass ihr einander lieben sollt; denn wer nicht lieb hat, der bleibt im Tode, wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Meine lieben Brüder und Schwestern in dem Herrn, lasset uns nicht länger mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit lieben, und seid immer der Armen eingedenk und ein jeder teile nach seinem Vermögen mit Freuden mit, denn Gott hat einen fröhlichen Geber lieb, und Paulus sagt: Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er es mit Lust. Überlegt es einmal, ob ihr eifrig in der Liebe wäret, wenn es euch in der Welt wohlginge, ob ihr auch wohl zwei oder drei Stüber so leicht zu finden wissen würdet, um sie den Armen zu geben, als ihr sie zum Trinken und Spielen gefunden hättet? Dies sage ich nicht, meine lieben Freunde, als wollte ich euch gebieten oder euch beschweren, sondern ich sage es nur, dass ein jeder
darin nach seinem schwachen Vermögen seine Liebe erweise. Ihr könnt doch das Gut nicht mitnehmen, und hierin könnt ihr ein Beispiel an mir nehmen, denn sie haben alles genommen, ja alles Geld, das wir hatten, und fragten auch dabei, ob wir nicht mehr hätten.
Darum ist es viel besser, dass ihr damit den Armen helft, als dass es die Obrigkeit einziehe, und wenn ihr euer Leben für eure Brüder geben wollt, wie viel mehr gebührt euch, euren Brüdern mit eurem zeitlichen Gute beizustehen, damit erfüllt würde, was geschrieben stehet: Die viel sammelten, hatten keinen Überfluss und die dagegen wenig sammelten, hatten keinen Mangel. Sehet auch zu, dass es aufrichtig zugehe, damit es ein Segen und kein Geiz sei, und damit das Opfer dem Herrn angenehm sei; denn die Handreichung solches bewährten Dienstes ersetzt nicht nur den Mangel der Heiligen, sondern macht sie auch darin wohltätig, dass viele um dieses bewährten Dienstes willen Gott danken. Darum wendet Fleiß an, dass ihr eure Liebe erweiset, damit dem Herrn dadurch gedankt und er gepriesen werden möge, und ihr euch in allen Dingen als Diener Gottes erweist. Leset Paulus an die Korinther; er wird euch lehren, wie ihr euch hierin Verhalten sollt, ja, ich bitte euch, dass wenn ihr solches gelesen habt, ihr darnach tut, denn es ist nötig; ferner bitte ich euch alle, die ihr den Ehestand erst angetreten habt, dass ihr doch in aller Demut, Einfalt und Freundlichkeit beieinander wohnen wollt; ihr jungen Weiber, seid doch euren Männern in der Furcht Gottes untertan; und ihr Männer, habt eure Weiber lieb, wie euch selbst, nehmt sie auf und traget sie in aller Demut und Freundlichkeit, ermahnt und unterrichtet sie herzlich mit dem Worte des Herrn, denn ihr wisset weder Stunde noch Zeit, wann euch der Herr voneinander nehmen wird. Nehmet ein Beispiel an mir und meiner Hausfrau, wie bald uns der Herr ihm zum Preise wieder voneinander geschieden hat. Darum wohnt beieinander in aller Demut, solange euch der Herr beieinander lässt, weil eure Zeit hier kurz ist, denn es gefällt dem Herrn wohl, seine Auserwählten bei sich zu haben.
Ferner bitte ich euch, meine lieben Brüder, dass ihr Fleiß anwenden wollt, auch wieder an andern zu wuchern, denn ich habe das Vertrauen zu dem Herrn, dass sich noch viele, die solches sehen und hören, zu der Wahrheit bekehren werden; was mich betrifft, so will ich auch mein Bestes tun an denen, die zu mir kommen.
Versammelt das arme zerstreute Häuflein wieder, welches ich sehr bejammere, denn sie wissen kaum, wo sie hingehen oder wohnen sollen, und sind mehr beängstigt, als wir hier; aber seid getrost, meine lieben Brüder und Schwestern in dem Herrn, und seid geduldig in eurer Verfolgung, denn obgleich wir mehr Raum haben, als ihr, wo wir sitzen, so werdet doch auch ihr die Städte Israels nicht durchwandeln, bis euch der Herr erlöset. Darum befleißiget euch, zusammenzukommen und einander zu trösten und zu ermahnen in dem Worte des Herrn, damit die Liebe unter euch nicht erlösche.
Darum ermahnt und unterrichtet einander in der Liebe Gottes; ich bitte auch euch, dass ihr unser in eurem Gebet nicht vergesset, und dass ihr auch an meine Frau einen Brief schreibet und sie tröstet, denn sie wird noch lange sitzen. Ferner lasse ich euch wissen, dass ich sehr erfreut bin und meinem Herrn Tag und Nacht nicht genug danken und Ihn loben kann wegen seiner großen Liebe, die er uns mitgeteilt hat, indem er uns beide würdig gemacht hat, um seines Namens willen zu leiden und
um seiner Kraft und Stärke, die Er an uns erwiesen hat, auch um der Verheißung willen, die Er uns gegeben, denn dies ist die Stunde, um welche ich den Herrn so lange gebeten; ich habe mich selbst aber nicht gut oder würdig genug geachtet, um seines Namens willen zu leiden. Darum freue ich mich sehr, dass meine Stunde gekommen ist, dass ich von diesem Fleische erlöst werben soll.
So stärkt euch denn untereinander in der Liebe Gottes, und erwartet die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesu Christi in dem ewigen Leben. Dem aber, der euch ohne Anstoß behalten und euch vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unsträflich und mit Freuden stellen kann, dem Gotte, der allein weise ist, unserem Erlöser, sei Ehre und Macht, Reichtum und Kraft nun und in Ewigkeit, Amen. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kusse des Friedens.
Lasst diesen Brief alle Freunde hören, denn ich habe euch aus brüderlicher Liebe geschrieben, und es ist mir leid, dass ich euch nicht mehr schreiben kann. Seid dem Herrn alle anbefohlen. Grüßt mir G. S. H. D. in dem Herrn, denn ich liebe sie von Herzen, und auch alle Brüder und Schwestern in dem Herrn. Nehmt diese geringe Ermahnung zum Besten auf, denn ich bin in meinem Geiste angetrieben worden, euch ein wenig zu ermahnen.
Geschrieben im Gefängnisse von mir, Hieronymus Segerß.
Ein Brief von Hieronymus Segerß, welchen er an sein Weib Lysken Dirks geschrieben hat
Die Gnade und Barmherzigkeit Gottes des Vaters, die Gütigkeit und Liebe des Sohnes, und die Gemeinschaft und der Friede des Heiligen Geistes, welcher uns vom Vater gesandt ist durch den Namen des Herrn Jesu Christi, zum Trost und zur Freude allen wahren und getreuen Kindern Gottes, welche uns auch treibt, lehrt und unterrichtet, bewahre dein Herz, deinen Verstand und deine Sinne in Christo Jesu, zum Lobe und Preise des Vaters, zum Heile deiner betrübten Seele und zur Erbauung aller Brüder und Schwestern, die den Herrn fürchten und denselben Gott lieben, der allein weise ist, welchem Preis, Ehre, Kraft und Stärke von Ewigkeit zu Ewigkeit sei. Amen.
Mein liebes Weib, ich wünsche dir eine rechte, wahrhaftige, gottselige Liebe, einen rechten, ungefärbten, bußfertigen und ungeheuchelten Glauben, welcher durch die Liebe tätig ist und eine feste Hoffnung und Vertrauen zu Gott, auch eine unbewegliche Standhaftigkeit in deinem Glauben an Gott den Vater und an den Herrn Jesum Christum, Ihm befehle ich dich und dem Worte seiner Gnade. Denn mein liebes Weib Lysken, weil ich mit dir nicht mehr mündlich reden kann, so habe ich dir mit der Hilfe Gottes aus des Herrn Wort ein wenig geschrieben, und obgleich wir dem Leibe nach voneinander geschieden sind, so sind wir doch im Geiste beisammen, denn ich gedenke deiner Tag und Nacht in meinem Gebete und bitte den Herrn, dass Er dich mit seinem Geiste der Wahrheit stärken wolle. Ich weiß sehr wohl, dass es dich noch viel Streit kosten wird, ehe du erlöst werden wirst; auch weiß ich wohl, dass du von den listigen Füchsen und reißenden Wölfen, ja von den Löwen und Drachen, und dem Ottergezüchte sehr versucht werden wirst, welche deine Seele nicht verschonen, sondern dieselbe verderben, verschlingen und ermorden werden. Darum sagt Paulus: Sehet zu, dass euch niemand beraube durch die Philosophie und Schalkheit der Menschen, womit sie uns zusehen, um uns zu verführen. Ja Christus selbst hat uns vorher gesagt, dass in den letzten Tagen
viele falsche Propheten und falsche Christen sein werden, und wenn es möglich wäre, würden auch die Auseiwählten verführt werden; aber es ist nicht möglich, denn der Herr bewahret sie mit seinem starken Arme, so dass ihnen die Pforten der Hölle nicht schaden können. Ja es sagt Paulus, dass in den letzten Tagen einige vom Glauben abfallen und den verführerischen Geistern und der Lehre der Teufel anhängen werden, die da verbieten, ehelich zu werden, und die Speise, die Gott erschaffen hat, zu gebrauchen; auch sagt er: Lasset euch nicht verführen durch eitle Worte, denn darum kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Ja, es hat uns auch Christus vor der Lehre der Pharisäer und vor denen gewarnt, welche in Schafskleidern kommen, denn inwendig sind sie reißend Wölfe; an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, wie Paulus sagt. Verwundert euch nicht, dass des Antichristen Diener sich werden anstellen wie Diener Gottes, denn der Teufel kann sich auch in einen Engel des Lichts verstellen; also kommen sie auch in verstellter Heiligkeit, und werden als Lügner erfunden. Darum siehe, mein liebstes Schaf, wie treulich uns Christus und seine Apostel vor der falschen und listigen Schlange gewarnt haben, damit wir uns von der alten Schlange nicht betrügen lassen sollten, welche der Teufel und Satanas ist, denn dieselbe sucht nichts anderes, als unsere Seelen in die ewige Verdammnis zu stürzen, gleichwie Paulus sagt, dass er um uns herumgehe, wie ein brüllender Löwe, und suche, wen er verschlinge; diesem widerstehet mit einem festen Glauben. Darum bitte ich dich, mein liebes Weib, aus meines Herzens Grunde, weil wir vor den falschen Propheten so treulich gewarnt werden, welche nichts als die Lehre der Teufel haben, und nichts suchen als die Seelen zu verderben und zu verschlingen; ja, ich bitte dich noch einmal, du wollest ihnen kein Gehör geben, und habe auch mit ihnen nichts zu schaffen; denn Paulus sagt: Habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern bestraft sie vielmehr; ja, Johannes sagt, dass, wer nicht in der Lehre Christi bleibt, keinen Gott habe; auch sagt Paulus: Wenn auch ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium predigen würde, als das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wenn sie nun keinen Gott haben, und nichts als eine falsche, ketzerische, verfluchte und teuflische Lehre, wie sollten sie uns etwas Gutes lehren können? Darum hat uns Christus samt seinen Aposteln so treulich gewarnt, dass wir uns von den argen Füchsen und der listigen Weltweisheit und Schalkheit nicht betrügen lassen sollten; denn es wird bis in Ewigkeit kein anderer Grund gelegt werden, als der gelegt ist, nämlich Christus, auf welchen du deinen Bau und dein Fundament gegründet hast; auch mag kein anderes Evangelium gepredigt werden, als was gepredigt ist, an welches du auch glaubst, gleichwie du denn um des Zeugnisses des Evangeliums willen in den Banden liegst.
Darum bitte ich dich, mein liebes Weib Lysken, durch die Barmherzigkeit Gottes, du wollest das Wort des Herrn immer vor Augen haben und dich in deinem Glauben durch die Schalkheit der Menschen, womit sie dir zusetzen, um dich zu verführen, nicht bewegen lassen, denn ich weiß, dass du noch viele Versuchungen wirst leiden müssen. Darum, meine Liebste, siehe nicht auf Menschen, denn der Prophet sagt: Verflucht ist, wer sich auf Menschen verlässt. Ja, vor Menschen sich scheuen bringt zu Fall, sagt der weise Mann. Achte nicht darauf, dass Fleisch und Blut gepeinigt wird, denn das ist der Sonnenbrand, ja das sind die Stürme, wodurch das Werk des Herrn geprüft wird.
Darum bekenne Christum in dieser Zeit, so wird Er uns auch vor seinem himmlischen Vater bekennen, denn Er will den dritten Teil durchs Feuer probieren, wie Gold im Ofen, und was darin übrig bleibet, wird als lauteres Gold erfunden. Auch hast du teilweise schon die Probe ausgestanden, in welcher Probe du standhaft geblieben bist; dem Herrn sei ewig Lob, Preis und Ehre; der gnädige Herr wolle dich stärken, dass gleichwie du angefangen, du auch vor Gott und seiner ganzen Gemeinde als lauteres Gold erfunden werdest.
Also, meine Liebste! Sei standhaft in der Lehre Christi, denn jetzt ist der Tag, wovon Christus geredet hat, dass wir vor Fürsten und Herren geführt werden sollen. Seinen Namen zu bezeugen, und dass wir von allen Menschen verworfen werden sollten; wer aber standhaft bleibt bis an den Tod, soll selig werden. Und Christus sagt: Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen, und es wird die Zeit kommen, dass wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran. Sehet, sagt der Herr, solches alles habe ich euch vorher gesagt, damit, wenn es geschieht, ihr daran denket, dass ich es gesagt habe. Denn dieses werden sie tun, weil sie weder mich noch meinen Vater erkannt haben; so siehe nun, mein liebes Weib, also hat uns Christus vorher gesagt, wie sie mit uns handeln werden. Darum, meine Liebe! Fürchte dich nicht, sei auch nicht verzagt, ob du nun schon mit Daniel in der Löwengrube gefangen liegest, traue auf den Herrn, er wird dich wohl bewahren, dass du von ihnen nicht beschädigt werden wirst; Er wird dich aus ihren Zähnen erlösen, dass sie dich nicht zerreißen werden; verlasse Ihn nicht, so wird Er dich auch nicht verlassen, denn Er sagt: Wer euch verachtet, der verachtet mich; wer euch verfolgt, der verfolgt mich; wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an; wenn sie nun nicht uns, sondern den Herrn verfolgen, so streite doch tapfer, als ein frommer Streiter Christi, streite um den Ehrenkranz, und wie Er bis an den Tod gestritten hat, so streite auch du, durch Gottes Gnade, denn wer da kämpft, der wird nicht gekrönt, es sei denn, dass er gesetzmäßig kämpfe, sagt Paulus.
Darum, meine Liebe! Waffne dich mit dem Harnische Gottes, und schäme dich nicht. Sein Wort vor den Menschen zu bekennen, sondern gedenke immer der Worte Christi: Wer mich vor den Menschen bekennt, den will ich auch vor meinem himmlischen Vater bekennen; wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen werde ich mich auch vor meinem himmlischen Vater schämen; denn wer sein Leben sucht zu erhalten, der wird's verlieren; wer aber sein Leben um des Evangeliums willen verliert, der wird es finden; wer aber etwas lieber hat als mich, der ist nicht würdig, mein Jünger zu sein; ja, wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, das ist nicht tüchtig zum Reiche Gottes, und Paulus sagt: Das ist je gewisslich wahr, sterben wir mit, so werden wir auch mit leben; verleugnen wir aber Ihn, so wird Er uns auch verleugnen.
Darum, meine Vielgeliebte! Verlasse ja den Herrn nicht; denn wir sind nichts als Staub und Asche, nichts als ein sterbliches Fleisch, welches zwar in Unehre dahinsterben muss, aber mit Ehre wieder auferstehen wird. Darum sei geduldig in der Trübsal, denn es ist der rechte Weg, der zum ewigen Leben führt, welchen alle Heiligen Gottes, die Propheten und Apostel, ja Christus selbst, durchwandelt sind, und alle haben diesen Kelch trinken müssen. Darum siehe nicht auf den Tod, sondern durch den Tod, damit nicht ein anderer dir zuvor komme
und dir die Krone nehme. So sei nun, Geliebteste, leidsam in deiner Trübsal und geduldig im Leiden, und warte auf deine Erlösung, gleichwie der Ackermann auf seine Früchte wartet. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott allen denen verheißen hat, die Ihn lieb haben. Es sagt ja Christus: Selig ist der Mensch, der um der Gerechtigkeit willen verfolgt wird, denn das Himmelreich ist sein. Ja, wir preisen selig, die erduldet haben, sagt Jakobus. Christus hat auch für uns gelitten und uns ein Exempel gegeben, dass wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollten. Da nun Christus gelitten hat, so waffnet euch auch mit demselben Sinne; hiermit stimmen auch die Worte Johannes überein, welcher sagt, dass Christus sein Leben für uns gelassen habe, darum sollen wir auch unser Leben für die Brüder lassen.
Darum, sei nicht verzagt, Auserwählte und Geliebte, vor ihren Bedrohungen, sondern lobe und preise den Herrn hierin, denn Christus sagt: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen um meines Namens willen, seid fröhlich und getrost, denn es wird euch wohl belohnet werben von meinem Vater, der im Himmel ist. Meine sehr Geliebte! Solches ist nicht gesagt, um uns in Traurigkeit zu versetzen, sondern dass wir uns freuen sollen, dass wir würdig sind, um seines Namens willen zu leiden. Paulus sagt: Ihr habt keinen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsst, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater. Derselbe Geist gibt unserem Geiste Zeugnis, dass wir Kinder Gottes sind, wenn wir anders mit leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden; denn da dieser Zeit Leiden die Herrlichkeit nicht wert ist, die an uns offenbar werden soll, so hat auch kein Auge gesehen und ist in keines Menschen Herz gekommen, auch hat es niemals ein Mund ausgedrückt, als Gott allein, was denen offenbart werden soll, die ihn lieb haben, und sein Wort bewahren. Und Paulus sagt: Dass es nicht genug sei, dass ihr an Ihn glaubet, sondern dass ihr um seinetwillen leidet.
Darum, meine Geliebteste! Sei doch eine freiwillige Braut zum Streite geschickt, denn Er wird dich nicht über Vermögen versucht werden lassen, sondern bewirken, dass die Versuchung in der Weise ein Ende gewinne, dass du es ertragen kannst. Und ob auch eine Mutter ihres Kindes vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen, spricht der Herr; Er wird dich bewahren wie seinen Augapfel. Darum fürchte dich nicht vor den Menschen, welche wie das Heu vergehen, sondern setze mit Josua und Kaleb deine Reise unverzagt fort nach dem verheißenen Lande, warte mit Noah auf den Tag des Herrn, denn Christus sagt: Meine Schafe hören meine Stimme, und sie folgen mir, aber der Fremden Stimme hören sie nicht, und niemand wird sie aus seiner Hand reißen, denn es ist unmöglich, dass die Auserwählten verführt werden, wie Paulus sagt: Wer kann uns von der Liebe Gottes scheiden? Ja, keine Pein dieser Welt, denn wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, indem unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, uns eine über alles gewichtige Herrlichkeit bringt; weil dies nun des Herrn Wille ist, so hoffe ich, dass auch diese, deine Versuchung dir zum Besten dienen wird, denn der Herr hat deine Zeit bestimmt, diese werden wir nicht überschreiten; darum fürchte dich nicht, denn Gott ist dein Hauptmann, Er ist deine Stärke, Er ist dein Führer, verlasse Ihn nicht, Er wird dich auch nicht verlassen; traue auf
Ihn, so wirst du nicht zu Schanden. Sei getreu bis in den Tod, die Krone des Lebens ist dir zubereitet; ich will meinen Leib dem Herrn zum Preise willig aufopfern; ja nicht allein meinen Leib, sondern auch, wenn jedes Glied, ja jedes Haar ein Leib wäre, so will ich sie alle durch die Kraft Gottes zum Preise des Herrn aufopfern, um seine Verheißungen zu erlangen. Denn welche Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass wir Gottes Kinder heißen sollen; darum kennt uns die Welt nicht, denn sie kennt Ihn nicht. Meine Liebste, wir sind nun Gottes Kinder, und wir wissen, wenn Er offenbar werden wird, dass wir Ihm gleich sein werden. Ja, Petrus sagt: Wir werden seiner göttlichen Natur teilhaftig werden und werden bei Christus sein und mit Ihm alle Geschlechter richten. Ja, wir werden dem Lamme folgen, wo es hingeht und auf dem Berge Zion das neue Lied singen. Denn wir wissen gewiss, dass wenn unser irdisches Haus dieser Hütte zerbrochen wird, wir einen Bau von Gott erbauet haben, der ewig ist im Himmel; wer wollte dieses faule, stinkende Fleisch, welches nichts ist als ein Haufen Erde, über diese schöne Verheißungen erheben? Ach, siehe doch, welche schöne Verheißungen Christus den Seinen gegeben hat, welche bis ans Ende standhaft bleiben, denn es ist kein anderer Weg zum ewigen Leben, als dieser, in dem von Anfang her alle gerechten Seelen haben leiden und also das Reich Gottes haben einnehmen müssen. Darum, mein geliebtes Weib, weil doch kein anderer Weg ist, so sei doch eine willige Braut, deinen Bräutigam zu empfangen. Dann wirst du mit Preis und Ehre gekrönt weiden.
Darum, meine Geliebte, habe ich ein wenig geschrieben, womit du dich durch das Wort Gottes ein wenig stärken kannst, denn Christus sagt: Die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig und betrübt sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden und niemand wird eure Freude von euch nehmen können, denn der in uns wirkt, ist stärker, als der in der Welt ist. Und Johannes sagt, dass unser Glaube der Sieg sei, der die Welt überwunden habe. Gedenket immer an Lots Weib und an den Mann Gottes, welchen der Löwe getötet, weil er wider den Befehl Gottes Brot gegessen hat und vom falschen Propheten betrogen worden ist; also laß dich von den falschen Propheten nicht verführen, sondern streite mit dem Propheten David wider den Goliath, so wirst du ihn als Brot aufzehren; denn das Himmelreich leidet nun Gewalt, und die ihm Gewalt antun, reißen es zu sich; denn Josua und Kaleb haben das verheißene Land mit Gewalt eingenommen, und die nicht standhaft blieben, konnten nicht hineinkommen.
Darum laß den Mut nicht sinken, obschon du hier eine kurze Zeit versucht wirst, denn es ist nun sein Wille. Deshalb nimm nun gutwillig von seiner Hand an, was Er dir zusendet, denn Paulus sagt: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen; es will ja Christus seine wunderbare Kraft und Stärke wider die Drachen und das Otterngeschlecht, ja wider die reißenden Wölfe an dir offenbaren, welche täglich Christo widerstehen und wider dich streiten, um dich zu verderben; aber sei getrost und traue auf Christum. Er wird dich nicht verlassen, denn Er ist deine Stärke; Er sorgt für dich. Er ist dein Beschützer, durch welchen du alle deine Widersacher überwinden wirst, denn Er wird dich mit dem Brote des Lebens, ja mit dem Brote des Verstandes speisen und wird dir vom Wasser der Weisheit zu trinken geben, und wird dich in aller deiner Trübsal trösten, und dir einen festen standhaften Glauben in
dein Herz drücken, welchem sie nicht werden widerstehen können. Denn derjenige, der das gute Werk in dir angefangen hat, wird es auch durch seine Gnade und Kraft, zu seinem Preise, bis ans Ende, zu deiner Seele Heil und zur Erbauung aller derer, die den Herrn fürchten, ausführen und vollenden. Derselbe Gott, der dir aus aller Trübsal helfen und dich erlösen, und vor allen Stricken des Teufels und vor aller falschen Lehre bewahren kann, dem sei Preis, Ehre, Kraft, Stärke von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Siehe, mein liebes Weib! Weil ich dir nun weder mit meinen Tränen, noch mit meinem Blute helfen kann, so habe ich dir ein wenig geschrieben, um dich zu trösten und habe dir solches zum Andenken oder Testamente zugesandt, wobei du meiner immer eingedenk sein kannst, wie ich dir vorgewandelt sei, denn ich hoffe, diesen Brief mit meinem Blute zu versiegeln; dass nämlich solches die lautere Wahrheit sei, dafür will ich mein Leben lassen, Gott zum Preise und zur Erbauung aller derer, die den Herrn fürchten, und wie ich durch die Gnade Gottes dir voranzugehen hoffe, so bitte ich auch den Herrn, dass Er dich nachfolgen lassen wolle, wie ich denn auch das Zutrauen zu dir habe, dass du mir durch des Herrn Gnade so standhaft nachfolgen werdest. Auch bitte ich den Herrn, dass Er die Frucht zu seinem Preise anwachsen lassen wolle, damit sie auch würdig erfunden werden möge, um des Namens des Herrn willen zu leiden; also habe ich die Frucht dem Herrn anbefohlen, welcher kräftiger ist, euch zu bewahren, als ich. Der Herr wird euch auch bewahren, wie ich nicht daran zweifle; dazu hoffe ich, dass mein Blut dieses Briefes Siegel sein wird.
Darum befehle ich dich dem Herrn und dem Worte seiner Gnade, dass Er dich in aller Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit bewahren wolle, und obgleich wir hier voneinander scheiden müssen, so weiß ich doch und habe das feste Vertrauen zum Herrn, dass wir im ewigen Leben beisammen sein werden; darum will ich willig mein Opfer tun.
Ach, möchte ich für dich leiden, ich wollte gern mein Fleisch für dich aufopfern. Es tut mir leid, dass ich dir nicht mehr schreiben kann. Hiermit sei dem Herrn befohlen, und sei nicht für das Kind besorgt, denn meine Freunde werden es wohl in Acht nehmen, ja der Herr wird für dasselbe sorgen. Henrich von Deventer lässt dich herzlich grüßen im Herrn, und bittet den Herrn Tag und Nacht für dich, dass du bis ans Ende standhaft bleiben wollest.
Noch ein Brief des Hieronymus Segerß an sein Weib
Gnade, Friede, herzliche Freude durch die Erkenntnis Jesu Christi sei mit dir, mein liebes Weib Lysken in dem Herrn. Ich wünsche dir, mein liebes Weib Lysken, eine feurige Liebe zu Gott und ein fröhliches Gemüt in Christo Jesu. Wisse, dass ich deiner Tag und Nacht in meinem Gebete gedenke, dass ich für dich zu Gott flehe und seufze, denn ich bin sehr betrübt um deinetwillen, weil du so lange gefangen sitzen musst, und ich hätte gewünscht, wenn es des Herrn Wille wäre, dass du von den Banden befreit worden wärest. Nun aber hat der Herr ein anderes gewollt, weil Er dich prüfen und seine Kraft und Stärke gegen alle Widersprecher der Wahrheit an dir offenbaren will. Darum kann ich wider des Herrn Willen nichts tun, damit ich Ihn nicht versuche, sondern ich will Ihn vielmehr loben und Ihm danken, dass Er uns beide gewürdigt hat, um seines Namens willen zu leiden, denn alle auserwählten Schafe hat Er hierzu verordnet, indem er sie aus den Menschen zu Erstlingen Gottes erkauft
hat. Ferner, meine Liebste, ich bin bis auf diese Stunde sehr fröhlich gewesen, habe den Herrn gelobt und Ihm gedankt, weil Er uns hierzu tüchtig gemacht; als ich aber von dir hörte, dass du mehr betrübt seiest, als dein Mund ausdrücken könnte, so hat mir solches viele Tränen verursacht und mich in meinem Herzen sehr betrübt. Auch habe ich verstanden, dass deine Betrübnis daher entstanden sein sollte, weil du mir oft gesagt, wir sollten Assuerus verlassen, was ich aber nicht getan habe; solches hat mich viele Tränen gekostet und ist mir herzlich leid; gleichwohl aber kann ich nichts gegen des Herrn Willen tun, und wäre es sein Wille gewesen, Er hätte uns wohl eine Rettung verschafft, aber Er hat uns ein Ziel gesetzt, welches wir nicht überschreiten können. Weil wir dem Herrn nun nicht entlaufen können, so laß uns um sein Werk nicht betrübt sein, sondern vielmehr, wie Christus sagt, uns freuen und fröhlich sein, denn im Himmel wird es uns wohl belohnt werden, und wie Petrus sagt: den Herrn in solchem Falle ehren. Ach, meine Liebe! Solches sagt er nicht, dass wir uns betrüben sollen; darum sei doch geduldig in deiner Trübsal und gelassen in deinem Leiden, denn Paulus sagt, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen; deshalb habe ich auch das Vertrauen im Herrn, dass es dir zum Besten gereichen wird, dass du so lange gefangen sitzen musst. Darum nimm doch gutwillig von seiner Hand an, was Er dir zusendet, denn Er lässt niemanden über seine Kräfte versucht werden. Deshalb sei ein Mitgenosse des Leidens Christi, denn alle, welche ohne Züchtigung sind, sind Hurenkinder und keine Kinder. So sagt auch Jakobus: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erträgt, denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche der Herr denen verheißen hat, die Ihn lieb haben.
Deshalb sei doch Christi Nachfolgerin, und nimm dein Kreuz in Geduld und mit Freuden auf und folge ihm getrost nach, denn Er hat um unseres Heils willen so viel erlitten; darum laß uns auch Ihm zu Ehre leiden, denn es ist jetzt unsere Stunde. Laß uns um die Krone des Lebens, welche uns zubereitet ist, freudig streiten.
So bitte ich dich nun, meine Liebe, du wollest doch deine Betrübnis fahren lassen, denn der Herr wird dich wie seinen Augapfel bewahren, und ob auch eine Mutter ihres Kindes vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen, spricht der Herr. Ja, meine Schafe hören meine Stimme, sagt der Herr, und sie folgen mir nach, und niemand wird sie aus meiner Hand nehmen. Darum, Geliebteste, sei doch immer zufrieden, und vertraue auf den Herrn; Er wird dich nicht verlassen. Auch habe ich von meiner Schwester vernommen, dass deine Betrübnis zum Teile deshalb entstanden sei, weil du dich nicht verträglich genug gegen mich bezeugt hast. Siehe, mein liebes Schaf, du bist nicht widerspenstig gewesen; wir haben nicht anders miteinander gelebt, als es unsere Schuldigkeit erfordert; warum wolltest du dem betrübt sein? Sei nur zufrieden, denn solches wird uns Christus nicht zurechnen, weil Er ja unserer Sünden nicht gedenken will; ich danke dem Herrn, dass du in deinem Umgange mit mir so demütig gewesen bist; ich wollte wohl ein Jahr lang bei Wasser und Brot für dich sitzen, und auch zehnmal des Todes sterben, wenn du damit befreit werden könntest. Ach, könnte ich dir mit meinen Tränen und mit meinem Blute helfen, wie gern wollte ich für dich leiden, aber mein Leben kann dir nicht helfen. Darum sei doch zufrieden; ich will den Herrn noch mehr für dich bitten; ich habe auch diesen Brief mit Tränen geschrieben, weil
ich hörte, dass du so betrübt seiest, und bitte dich, du wollest mir schreiben, wie es um dich stehe. Hiermit befehle ich dich dem Herrn.
Ein Brief der Lysken, Hieronymus Hausfrau, welchen sie im Gefängnisse zu Antwerpen im Jahre 1551 an ihn geschrieben hat
Gnade und Frieden widerfahre uns beiden von Gott dem Vater; die Liebe des Sohnes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns zu unserer Seelen Stärke, Trost, Freude und Seligkeit.
Mein geliebter Mann in dem Herrn! Wisse, dass mir im Anfange die Zeit sehr lang gefallen ist, weil ich nicht gewohnt war, gefangen zu sitzen, auch sonst nichts hörte, als dass ich versucht wurde, vom Herrn abzufallen. Sie sagten, warum ich mich mit der Schrift bemühen wollte; ich solle meine Naht nähen. Es scheint, sagten sie, dass du den Aposteln nachfolgen willst; wo sind die Zeichen, die du tust? Sie haben alle Sprachen geredet, als sie den Heiligen Geist empfangen hatten, und sagten: Wo ist deine Sprache, die du vom Heiligen Geist empfangen hast? Aber es ist genug, dass wir durch ihre Worte gläubig geworden sind, wovon Christus spricht, wie Johannes berichtet: Ich bitte nicht allein für sie, sondern auch für diejenigen, die durch ihr Wort an mich glauben werden. Hiermit befehle ich dich dem Herrn; die Gnade Gottes sei stets mit uns.
Dank sei Gott dem Vater, der solche Liebe zu uns gehabt und an uns erwiesen hat, dass Er seinen lieben Sohn für uns dahingegeben hat; derselbe wolle uns solche Liebe, solche Freude, solche Weisheit und solch ein standhaftes Gemüt durch Christum und durch die Kraft des Heiligen Geistes verleihen, dass wir wider alle reißenden Tiere, wider Drachen und Schlangen, und wider alle Pforten der Hölle stehen mögen, die nun sehr listig sind, unsere Seelen zu fangen, zu betrügen, zu verderben und zu verführen. Deshalb sollen wir den Herrn Tag und Nacht ohne Aufhören demütig bitten; denn der uns zu verschlingen sucht, geht um uns her und sucht, welchen er verschlinge, indem uns nicht bekannt ist, was er im Sinne hat. Aber obschon sie sehr listig sind, so ist doch des Herrn Hand nicht zu kurz bei denen, die Ihn lieb haben und seinen Willen tun, denn die Augen des Herrn sehen auf diejenigen, die Ihn lieben, und seine Ohren hören auf ihr Schreien, aber das Angesicht des Herrn steht über denen, die Böses tun. Darum soll sich auch ein jeder wohl vorsehen, dass des Herrn Angesicht nicht über ihm stehe, denn eines jeden Menschen Seele, welcher sündigt, soll des Todes sterben, wenn er sich nicht bessert, ehe der Herr kommt. Wir sind aber nicht gewiss, wann der Herr kommen wird, denn Er wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Darum soll einer für den andern bitten, dass unsere Flucht nicht am Sabbat geschehe, wenn wir müßig, noch im Winter, wenn unsere Bäume ohne Frucht sind, denn ein jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen; den aber, der gute Früchte bringt, wird Er reinigen, damit er reichliche Früchte hervorbringe. Auch ist uns durch des Herrn Wort verkündigt, dass, wenn wir mutwillig sündigen, wir ferner kein Opfer mehr für die Sünde haben, sondern ein schreckliches Warten des Gerichtes und des Feuereifers, der die Widerwärtigen verzehren wird. Das Gesetz Moses hatte solche Kraft, dass, wer solches übertrat, ohne Gnade des Todes sterben musste, durch zwei oder drei Zeugen; wie vielmehr wird der gestraft werden, welcher den
Sohn Gottes mit Füßen tritt. Ferner sagt auch der Heilige Geist: Wenn wir mit leiden, so werden wir auch mit herrschen; sterben wir mit, so werden wir auch mit leben; verleugnen wir ihn, so wird Er uns auch verleugnen; glauben wir nicht, so bleibt Er doch getreu, denn Er kann sich selbst nicht verleugnen, noch versagen. Da wir nun eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, so lasst uns alles ablegen, was uns beschwert, und die Sünde, die uns träge macht, und lasst uns durch Geduld in dem Kampfe laufen, der uns verordnet ist und zu dem Vollender aufsehen, welcher, da Ihm die Freude vorgelegt wurde, das Kreuz erduldete und der Schande nicht achtete, auch nicht drohte, als er für unsere Sünde, zu unserer Seelen Heil, litt. Also auch wir, mein Liebster in dem Herrn, dem Herrn zum Preise und zum Troste aller lieben Freunde. Ich wünsche uns beiden den gekreuzigten Christum zur ewigen Freude und Stärke. Ich habe das Vertrauen zu dem Herrn, der allein weise ist, und seine Weisheit allein den Einfältigen, Unschuldigen und in dieser Welt Verstoßenen mitteilt, dass Er uns trösten werde, bis unsere Geburt geschehen ist.
Mein lieber Mann in dem Herrn, mit welchem ich mich vor Gott und seiner Gemeinde verehelicht habe, wovon sie sagen, dass ich mit dir im Ehebruch gelebt hätte, weil unsere Ehe in dem Baal nicht befestigt worden ist; aber der Herr sagt: Freuet euch, wenn alle Menschen Übles von euch reden um meines Namens willen; freuet euch alsdann und seid fröhlich, denn es wird euch im Himmel wohl belohnt werden.
Wisse, dass ich sehr geweint habe, weil du um meinetwillen betrübt warst, indem du vernommen hast, dass ich oft zu dir gesagt habe, wir sollten von Assuerus fortziehen, und du gleichwohl solches nicht getan hast; sei hierin zufrieden, mein Liebster in dem Herrn; hätte solches dem Herrn nicht wohl gefallen, es wäre nicht so geschehen; des Herrn Wille soll zu unserer beiden Seelen Seligkeit geschehen; denn Er lässt uns nicht über unser Vermögen versucht werden. Darum sei getrost, mein Liebster in dem Herrn, und freue dich in dem Herrn, wie du zuvor getan hast; lobe Ihn und danke Ihm, dass Er uns dazu ersehen hat, dass wir um seines Namens willen so lange in Banden liegen sollten und dessen würdig geachtet sind; Er weiß, was Er hierin zuvor verordnet hat. Und obschon die Kinder Israel lange in der Wüste lagen, so wären sie doch mit Josua und Kaleb in das Land der Verheißung gekommen, wenn sie der Stimme des Herrn gehorsam gewesen wären. Also sind wir nun auch hier in der Wüste unter den reißenden Tieren, welche ihre Netze täglich stellen, um uns zu fangen; der Herr aber ist stark, der die seinen nicht verlässt, die auf ihn trauen, bewahrt Er vor allem Übel, ja wie seinen Augapfel; darum sollen wir uns in Ihm zufrieden geben und unser Kreuz mit Freuden und Geduld auf uns nehmen, und mit festem Vertrauen auf die Verheißungen warten, welche Er uns gegeben hat und an welchen nicht zu zweifeln ist, indem derjenige, der uns diese Verheißungen gegeben hat, sagt, dass wir auf dem Berge Zion gekrönt werden und, mit Palmen geziert, dem Lamme nachfolgen sollen. Ich bitte dich, mein Lieber im Herrn, sei getrost im Herrn, nebst allen lieben Freunden, und bitte den Herrn für mich, Amen.
Ein Brief des Hieronymus Segerß an sein Weib
Gnade und Frieden sei mit dir von Gott, dem Vater, die Barmherzigkeit und Liebe des Sohnes und die Kraft und Gemeinschaft des Heiligen Geistes stärke deinen Glauben, dein Herz,
deine Sinne und deinen Verstand in Christo Jesu, Amen. Dies wünsche ich meinem geliebten Weibe, die ich vor Gott und seiner heiligen Gemeinde geehelicht habe, gleichwie Abraham Sarah, Isaak Rebecca und Tobias seines Vetters Tochter zum Weibe genommen hat, so habe ich dich zum Weibe genommen, nach der Lehre und dem Befehle des Wortes Gottes, und nicht, wie diese arge blinde Welt; darum lobe ich den Herrn und danke Ihm Tag und Nacht, weil Er uns so lange erhalten hat, bis wir miteinander bekannt worden sind und die Erkenntnis der Wahrheit erlangt haben. Sie sagen, dass unser Verhältnis Ehebruch gewesen sei, weil wir dasselbe nicht, wie das ehebrecherische Geschlecht, auf eine abgöttische, fleischliche, eitle, hoffärtige und wollüstige Weise haben bestätigen lassen, was vor Gottes Augen nichts als ein Gräuel ist. Darum lügen sie über uns, gleichwie sie auch über Christum gelogen haben. Und wenn sie auch sagen: Du sollst dich an das Nähen halten, so hindert uns solches nicht, denn Christus hat uns alle berufen und uns die Schrift zu durchforschen befohlen, denn sie zeugt von Ihm; auch sagt Christus ferner, dass Magdalena das beste Teil erwählt habe, weil sie in der Schrift forsche.
Und ferner, meine Geliebte, wenn sie dich auch fragen wollten, wo deine Zeichen und Sprachen wären, solches schadet dir nichts, denn die Gläubigen, welche Petrus und Johannes tauften, redeten nicht mit Zungen, sondern es war ihnen genug, dass sie an Christum glaubten. Auch hat Stephanus, welcher des Heiligen Geistes voll war, nicht mit Zungen geredet, gleichwie auch die Bischöfe und Lehrer, die mit Paulus waren, weder Wunder getan, noch mit Sprachen geredet und gleichwohl das Wort Gottes unsträflich gelehrt haben. Und so sagt auch Paulus, dass der Heilige Geist in den Gemeinden seine Gaben mitteilt; dieser hat die Gaben gesund zu machen, ein anderer zu weissagen, ein anderer mit vielen Sprachen zu reden, ein anderer Wunder zu tun, ein anderer zu ermahnen, ein anderer Barmherzigkeit zu erweisen, ein anderer standhaft zu glauben, und dieses wirkt alles der Heilige Geist, durch welchen einer dem andern zu seiner Selbstbesserung Handreichung tut und also zum heiligen Tempel aufwächst; darum wandle ein jeder, wie er berufen ist. Ferner ist uns genug, dass Christus nicht nur für seine Jünger, sondern auch für diejenigen gebetet hat, die durch ihr Wort an Ihn glauben würden.
Siehe, mein geliebtes Weib in dem Herrn, wie gern die reißenden Wölfe die einfältigen Seelen mit ihren Lügen und ihrer Arglist ermorden wollen, womit sie auch uns zusetzen, um uns zu verführen und auch deine Seele in den ewigen Tod zu stürzen suchen; darum hüte dich vor ihnen und gib ihnen kein Gehör, weil sie sehr listig sind, sondern tue, wie Christus sagt: Meine Schafe hören meine Stimme, die fremde Stimme hören sie nicht; darum wird sie auch niemand aus seiner Hand nehmen.
Siehe, meine Geliebte, wie uns Christus vor dieser Zeit gewarnt habe; darum laß uns vorsichtig sein, damit wir nicht durch die listige Schlange betrogen werden. Und wisse, dass ich auch einmal vor den Herren gewesen bin, als ich dir zurief und dass ich damals so geredet habe, dass sie mich zufrieden gelassen haben, und wiewohl sie die andern noch zweimal vorgefordert, so haben sie mich doch in Ruhe gelassen; auch habe ich einmal mit den Pfaffen von der Sendung gehandelt und sie mit des Herrn Wort dergestalt bestraft, dass sie aus Erbitterung mit ihren Fäusten auf den Tisch schlugen und nichts zu sagen wussten, denn sie
sagten nur, Petrus sei Papst gewesen und St. Andreas habe die erste Messe gehalten. Hierauf antwortete ich ihnen, dass sie es mit der Wahrheit nicht dartun könnten; ich sagte ihnen auch, dass sie Irrgeister wären und die Lehre der Teufel hätten, worauf sie mich verließen.
Ferner lasse ich dich wissen, mein geliebtes Weib in dem Herrn, es tut mir leid, dass du geweint hast, denn als ich hörte, dass du betrübt wärest, so habe ich den Herrn Tag und Nacht desto brünstiger für dich gebeten und bin versichert, dass Er dich wie seinen Augapfel bewahren wird; ich lobe den Herrn allezeit, weil Er uns beide würdig gemacht hat, um seines Namens willen zu leiden, worüber ich mich sehr freue.
Als ich deinen Brief las und hörte, wie es mit dir stand, und dass du mir den gekreuzigten Christum zu einem Gruße wünschest, so hüpfte mein Herz und mein Geist vor Freude auf, so dass ich den Brief nicht auslesen konnte, sondern ich musste meine Knie vor dem Herrn beugen, Ihm danken und Ihn für seine Kraft, seinen Trost und seine Freude loben, obgleich ich auch um unserer Brüder und um deinetwillen betrübt bin, weil ihr so lange sitzen müsst. Ich habe dich und unser Kind des Herrn Händen anbefohlen, denn ich traue Ihm solches zu, und zweifle nicht daran, dass Er dir dieselbe Freude geben werde, welche Er mir gegeben hat, und dich bis ans Ende bewahren werde. Ich freue mich und bin so fröhlich in seinen Verheißungen, welche Er denen gegeben hat, die bis ans Ende standhaft bleiben. Ich bin so voller Freude, Trost und Fröhlichkeit, als ich jemals gewesen bin; ja, ich habe solche Freude, dass ich‘s nicht sagen oder schreiben kann, ich hätte auch nicht gedacht, dass ein Mensch solche Freude im Gefängnisse haben könnte, denn ich kann Tag und Nacht vor Freude kaum schlafen, kann auch dem Herrn nicht genug danken und Ihn loben, denn es kommt mir vor, als wäre ich hier noch keinen Tag gewesen. Ach möchte ich mein Herz in Stücke brechen und es dir und unsern Brüdern geben. Ach, ich wollte, dass ich ihnen mit meinem Blute helfen könnte, ich wollte gern für sie leiden.
Ach, meine Geliebte in dem Herrn! Nun erfahre ich, wie kräftig, nachdrücklich und väterlich Er diejenigen bewahrt, die Ihm trauen und nichts als seine Ehre suchen; ja welche Stärke, welchen Trost und welche Freude Er ihnen gibt, wie abscheulich Er aber diejenigen fallen lässt, die Ihn verlassen und verleugnen und sich auf Menschen verlassen, sodass sie ein nagendes Gewissen, ein betrübtes Herz und grausamen Schrecken bekommen und nichts erwarten, als die ewige Verdammnis, des Feuers Pein und das erschreckliche Wort: Gehet hin, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, denn das Angesicht des Herrn sieht auf die, die da Böses tun. Darum siehe, mein geliebtes Weib in dem Herrn, laß uns auf den Vollender Jesum sehen, wie Er uns um unsers Heils willen bis in den Tod vorgewandelt ist; denn siehe, die Krone des Lebens ist uns bereitet; wir werden mit Ihm auf seinem Throne sitzen; wir werden mit weißen Kleidern angetan werden. Hiermit befehle ich dir den gekreuzigten Christum zum Troste und zur Freude, dass Er dich bewahren, dich mit seinem göttlichen Worte sättigen und mit dem Brote des Lebens und mit dem Brote des Verstandes speisen und dir aus dem Brunnen des Lebens das Wasser der Weisheit und die unverfälschte Milch zu trinken geben wolle. Derselbe bewahre deine Seele zur Seligkeit, Amen.
Ein Brief von Lysken, des Hieronymus Weib
Die Gnade, der Friede, die Freude und Liebe, die Christus seinen Jüngern hinterlassen hat, ist es, um welche ich aus eifrigem Herzen bitte, dass Er uns solche Liebe und solch ein standhaftes Gemüt mitteilen wolle, dass wir tüchtig erfunden werden mögen, der schönen Verheißung teilhaftig zu werden, die Er uns gegeben hat, wenn wir anders bis ans Ende standhaft bleiben. Demselben Christo sei Preis und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Ich kann dem Herrn nicht genug für seine große Gnade, grundlose Barmherzigkeit und die große Liebe danken und loben, welche Er an uns erwiesen hat, dass wir seine Söhne und Töchter sein sollen, wenn wir überwinden, gleichwie Er überwunden hat. Ach, wir mögen wohl mit Recht sagen, dass der wahre Glaube sich nach dem richtet, das nicht erscheint; der, welcher durch die Liebe wirkt, wird uns auch zur Herrlichkeit bringen, wenn wir anders mit Ihm leiden. Lasset uns darauf merken, liebe Freunde in dem Herrn, welche große Liebe die Weltmenschen, einer gegen den andern, haben. Es sind, wie man sagen hört, solche auf dem Stein gefangen, die sich freuen, wenn sie nach der Folter gebracht werden, weil sie daselbst denjenigen desto näher sein können, die sie lieben und zu welchen sie doch nicht persönlich gelangen können. Höret doch, meine geliebten Brüder und Schwestern in dem Herrn: Hat die Welt solche Liebe, ach, welche Liebe sollten wir denn nicht haben, die wir auf solche schöne Verheißungen hoffen? Es steht mir noch ein schönes Bild vor Augen von einer Braut, die sich schmückt, um ihrem Bräutigam von dieser Welt zu gefallen. Ach, wie sollten wir uns denn nicht schmücken, um unserem Bräutigam zu gefallen? Ach, möchten wir so ausgerüstet sein, wie die fünf klugen Jungfrauen ausgerüstet waren, mit Öl in ihren Lampen, um unserem Bräutigam entgegen zu gehen, und dass wir auch seine süße Stimme hören mochten: Kommt, ihr Gesegneten, ererbet das Reich meines Vaters. Ich bitte den Herrn Tag und Nacht, dass Er uns solche brünstige Liebe geben wolle, dass wir auch der Pein nicht achten, die sie uns antun, ja dass wir mit dem Propheten David sagen mögen: Ich fürchte mich nicht, was können mir Menschen tun. Und diese unsere Pein, welche leicht und zeitlich ist, ist nicht mit der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll, zu vergleichen. Deshalb, da es des Herrn Wille ist, dass ich mit Daniel so lange in der Löwengrübe liege und brüllende und reißende Wölfe und Löwen, wie auch die alte Schlange erwarten soll, die von Anfang her gewesen ist und auch bis ans Ende sein wird, so bitte ich alle lieben Brüder und Schwestern, dass sie in ihrem Gebete meiner eingedenk sein wollen; solches will ich auch wieder nach meinem Vermögen tun. Ach, meine lieben Freunde, wie kann ich meinem himmlischen Vater genug danken, dass Er mich armes Schaf tüchtig gemacht hat, um seines Namens willen so lange in Banden zu liegen; ich bitte den Herrn Tag und Nacht, dass diese meine Prüfung zu meiner Seele Heil, zum Preise des Herrn und zur Auferbauung meiner lieben Brüder und Schwestern gereichen möge, Amen.
Nicolaus auf der Buckerei hat zwei Pfaffen zu mir hierher gebracht, um mich zu unterrichten, welchen ich durch des Herrn Gnade antwortete. Sie sagten zu mir, es täte ihnen sehr leid, dass ich dieser Lehre zugefallen wäre, denn sie konnten daraus keinen Glauben machen, sondern nur eine Meinung, weil wir das nicht beobachten, was die christliche Gemeinde oder Kirche gebiete; ich aber antwortete ihnen: Wir begehren sonst nichts zu tun oder zu glauben, als was uns die Kirche Christi gebietet;
aber mit dem Baal oder andern Tempeln wollen wir nichts zu tun haben, weil sie mit Händen gemacht sind nach der Menschen Gebote und Lehren, und nicht nach Christo. Stephanus sagt, dass der Allerhöchste nicht in Tempeln wohne, die mit Händen gemacht sind, denn er sagte, er sehe den Himmel offen, und Christus zur rechten Hand seines allmächtigen Vaters sitzen. Und Paulus sagt, dass wir der Tempel des lebendigen Gottes seien; wenn wir anders seinen Willen tun, so will Er in uns wohnen und wandeln. Sie sagten, dass sie gesandt wären, und diejenigen seien, welche auf Moses Stuhl sitzen; hierauf antwortete ich ihnen, dass sie also die Wehen angingen, von welchen geschrieben stände, Mt 23. Sie fragten mich, ob ich sagen wollte, dass derjenige, der mir diese Dinge gelehrt hätte von Gott gesandt worden sei, worauf ich antwortete: Ja, ich weiß dies gewiss, dass derselbe von Gott gesandt war. Hierauf fragten sie mich, ob ich wohl wüsste, wie ein Lehrer sein müsste? Ich antwortete: Ein Lehrer soll eines Weibes Mann sein, unsträflich, der gehorsame Kinder hat, kein Trunkenbold, Weinsäufer oder Hurenjäger ist; hierauf entgegneten sie: Tun wir Böses, so wird es auf unsere Kappe triefen; der Herr ist barmherzig. Da fragte ich, ob sie auf die Barmherzigkeit Gottes sündigen wollten und fügte hinzu, dass es geschrieben stände, dass wir nicht Sünde mit Sünde häufen und nicht sagen sollten: Der Herr ist barmherzig. Wir haben mehr geredet, welches zu weitläufig wird zu beschreiben. Ich sagte ihnen unter anderem, dass sie diejenigen seien, die allezeit lernten, und doch nicht zur rechten Erkenntnis der Wahrheit kommen könnten. Da sagten sie, Christus habe zu seinen Aposteln gesprochen: Euch ist es gegeben zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen; ich entgegnete: Die es nun recht verstehen, denen ist es auch gegeben. Zuletzt zeichneten sie sich sehr mit dem Kreuze und sagten, ich sollte es wohl innewerden, wenn ich vor Gericht stehen würde. Das soll wahr sein, sagte ich, wir werden dort zu Richtern gesetzt werden, um das ungehorsame und ehebrecherische Geschlecht zu richten. Hiermit gingen sie davon. Auch sagte ich ihnen, sie seien vom Satan gekommen, meine Seele zu ermorden und zu töten.
Noch einmal wünsche ich meinem lieben Manne in dem Herrn und mir den gekreuzigten Jesu zur unvergänglichen Freude, und eine unvergängliche Liebe bis in Ewigkeit, Amen.
Wisse, mein lieber Mann in dem Herrn, als ich las, dass du so sehr erfreut bist in dem Herrn, konnte ich den Brief nicht auslesen, sondern musste den Herrn bitten, dass Er mir solche Freude auch verleihen und mich bis an das Ende erhalten wolle, damit wir unser Opfer, zur Verherrlichung unseres Vaters, der im Himmel ist, und zur Erbauung aller lieben Brüder und Schwestern mit Freuden erfüllen mögen. Hiermit will ich dich dem Herrn und dem Worte seiner Gnade anbefehlen. Wisse, dass ich dir für deinen Brief, welchen du an mich geschrieben hast, sehr dankbar bin. Die Gnade des Herrn sei allezeit mit uns.
Noch ein Brief von Lysken an ihren Mann geschrieben
Die unbegrenzte Gnade Gottes sei allezeit mit uns beiden, die Liebe des Sohnes mit seiner unergründlichen Barmherzigkeit, und die Freude des Heiligen Geistes sei mit uns bis in Ewigkeit, Amen. Demselben, welcher uns von den Toten wiedergeboren hat, sei Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.
Ich wünsche uns beiden den gekreuzigten Jesum zum Beschützer und Erhalter unserer Seelen; derselbe wolle uns in aller Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit bis ans Ende bewahren.
Er wird uns auch als seine Söhne und Töchter, ja als seinen Augapfel bewahren; wenn wir anders das angefangene Wesen bis ans Ende festbehalten. Darum laß uns Ihm vertrauen, so wird Er uns in Ewigkeit nicht verlassen, sondern uns bewahren, wie Er den Seinen von Anfang der Welt her getan hat, und wird uns keine andere Versuchung überfallen lassen, als die menschlich ist.
Der Herr ist getreu, sagt Paulus, der wird uns nicht über unser Vermögen versucht werden lassen. Dank sei Gott, dem Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns tüchtig gemacht hat, um seines Namens willen ein kurzes und geringes Leiden zu ertragen, durch die schönen Verheißungen, die Er uns nebst allen, die in seiner Lehre standhaft bleiben, gegeben hat; wir werden hier ein wenig gestäupt, aber viel Gutes wird uns widerfahren.
Mein herzlich geliebter Mann im Herrn, du hast zum Teil schon eine Versuchung ausgestanden, in welcher Versuchung du standhaft geblieben bist; dem Herrn sei ewig Lob und Preis für seine große Gnade. Ich bitte den Herrn darum mit Weinen, dass Er mich auch tüchtig machen wolle, um seines Namens willen zu leiden, denn alle auserwählten Schafe hat Er hierzu ersehen, indem Er sie aus den Menschen zu Erstlingen Gottes erkauft hat. Ja, wir wissen, wie Paulus sagt, dass, wenn wir mit leiden, wir auch mit herrschen werden; sterben wir aber mit, so werden wir auch mit leben. Darum laß uns die Züchtigung des Herrn nicht verachten, denn diejenigen, die Er lieb hat, züchtigt Er, und stäupt einen jeden Sohn, den er aufnimmt, wie Paulus meldet. Hiermit will ich dich dem Herrn anbefehlen und dem Worte seiner Gnade und Herrlichkeit, wodurch Er uns verherrlichen wird, wenn wir anders dabei ans Ende verharren. Die Gnade des Herrn sei mit uns.
Ein Brief von Hieronymus Segerß an sein Weib geschrieben
Die Gnade, die Freude, der Friede von Gott dem Vater, die Barmherzigkeit und Liebe des Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, und die Gemeinschaft und der Trost des Heiligen Geistes wolle uns trösten, stärken und kräftig machen, und wolle uns beide in aller Gerechtigkeit und Heiligkeit bis ans Ende erhalten. Demselben sei Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.
Ich wünsche meinem auserwählten Weibe in dem Herrn und mir die ewige Freude und das unvergängliche, unverderbliche Leben, und gönne uns beiden, dass wir bei seinem göttlichen Worte und seiner ewigen Wahrheit bis ans Ende unveränderlich bleiben möchten, welches Er auch tun wird, denn Er hat es uns verheißen, wenn wir anders in demjenigen treu bleiben, was Er uns gegeben hat, und auch Ihm zum Preise, dafür streiten wollen, gleichwie Er auch um unser Heil gestritten hat, und seinem Vater bis zum Tode gehorsam gewesen ist. Wenn wir nun auch bis zum Tode getreu bleiben, so werden wir die Krone des Lebens empfangen und mit ihm das ewige Leben besitzen. Dann wird Er uns in Ewigkeit nicht verlassen, indem der Herr nicht wider sein Wort handeln kann oder mag, weil sein Wort in Ewigkeit nicht vergehen wird. Daneben hat Er uns auch so treulich verheißen, dass er uns bewahren wolle, wenn wir Ihn nicht verlassen, dass uns niemand aus seiner Hand reißen wird. Er wird uns wie seinen Augapfel, ja wie seine Söhne und Töchter bewahren. Denn siehe, meine Geliebte, wie treulich Er diejenigen bewahrt, die Ihm getreulich gedient haben, gleichwie Noah in der Arche bewahrt worden und Lot aus Sodom geführt wurde, und Jakob vor seinem Bruder Esau erhalten ward, wiewohl er ihn zu töten suchte, auch Joseph vor seinen
Brüdern, den Söhnen Jakobs, und Josua und Kaleb, welche in das Land der Verheißung eingegangen sind vor allen Heiden, und David vor dem Goliath, und die Susanna vor den falschen Zeugen, und Daniel vor den Löwen, und noch mehrere andere, welche zu beschreiben zu viel Zeiten kosten würde.
Aber hieran können wir merken, wie treulich Er diejenigen bewahrt, welche Ihn von Herzen lieben und fürchten, ja wie schändlich auch diejenigen fallen, die ihn verlassen; wie wir von Anfang der Welt her sehen mögen, dass dieselben um ihrer Bosheit willen zu Grunde gegangen sind, wie Lots Weib gestraft worden sei und Esau seine Erstgeburt nicht wieder habe erlangen können, und wie das ganze Israel in der Wüste vergangen sei. Siehe, mein geliebtes Weib, solches hat der Herr zugelassen, nicht allein um derer willen, die gesündigt haben, sondern auch um unseretwillen, damit wir sehen möchten, wie Christus mit den Gerechten sei und sie bewahre, und dass wir erkennen möchten, wie Er die Gottlosen verlässt und zu Grunde richtet; denn Paulus sagt: Alles, was geschrieben ist, ist zu unserer Lehre geschrieben. Darum laß uns Fleiß anlegen, dass wir den Herrn von unseres Herzens Grunde suchen, fürchten und lieben, Ihm treulich dienen, und Ihn nicht verlassen, denn Christus sagt: Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet; gleichwie wir täglich vor unsern Augen sehen, wie kräftig Er denen beistehe, die sich auf Ihn verlassen, und wie bald die zu Falle gekommen seien, die Christum verlassen und ihr Vertrauen auf Menschen gesetzt haben. Darum, mein geliebtes Weib in dem Herrn, laß uns dem allmächtigen Herrn vertrauen, und allezeit auf den Herzog des Glaubens und Vollender, Jesum, sehen; laß uns allezeit den gekreuzigten Christum vor Augen haben und Ihm treulich nachfolgen, gleichwie Er uns vorgegangen ist; auch unser Kreuz mit Geduld auf uns nehmen und allezeit an die Worte Christi denken, wo Er spricht, dass sie uns töten werden und dabei meinen, sie tun Ihm einen Dienst damit; gedenke, dass solches uns vorhergesagt ist, damit, wenn es geschieht, wir uns daran nicht ärgern sollen, denn der Knecht ist nicht mehr als sein Herr. Und dieses werden sie euch tun, weil sie weder mich, noch meinen Vater erkannt haben.
Denn das Wort vom Kreuz Christi dünkt denjenigen, die verloren gehen, eine Torheit und Narrheit zu sein, uns aber ist es eine Kraft Gottes. Darum lasst uns stets an das Wort des Herrn halten, wovon Christus spricht: Wer mich vor den Menschen bekennt, den will ich auch vor meinem himmlischen Vater bekennen; wer mich vor den Menschen verleugnet, den will ich auch vor meinem himmlischen Vater und vor seinen heiligen Engeln verleugnen. Laß uns doch unser ganzes Vertrauen ans Ihn setzen, so wird Er uns nicht verlassen, denn Er verlässt die Seinen nicht, sondern hat seinen himmlischen Vater gebeten, dass Er wolle, dass, wo Er sei, auch wir mit Ihm sein sollten. Darum laß die Welt nur verketzern, wiedertäufern, verdammen, denn Paulus sagt: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht, wer will uns verdammen? Christus ist hier, der für uns gestorben ist, der auch auferstanden ist und zur rechten Hand des Vaters sitzt und für uns bittet; wie sollte Er uns nicht alles geben? Denn Er hat seinen eingebornen Sohn nicht verschont, sondern hat Ihn für uns alle dahingegeben; hat uns nun Gott so geliebt, als wir noch Feinde waren, wie viel mehr werden wir vor dem Zorne erhalten
werden, nachdem wir durch sein Blut gerecht geworden sind. Denn nachdem wir durch den Glauben gerecht geworden sind, haben wir Friede mit Gott, durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen wir zu dieser Gnade, worin wir stehen, einen Zugang haben und uns der zukünftigen Herrlichkeit rühmen, die uns Gott geben wird; nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsal, weil wir wissen, das Trübsal Erfahrung, Erfahrung Geduld, Geduld aber Hoffnung wirkt, die Hoffnung aber wird uns nicht zu Schanden werden lassen; und das darum, weil die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist, in unsere Herzen ausgegossen ist.
Meine Geliebteste, darum laß uns unser Vertrauen auf den Herrn setzen, und in Geduld auf seine Verheißungen warten, gleichwie der Ackermann auf seine Früchte wartet, und laß uns ihn nicht verlassen, dann wird Er uns auch nicht verlassen. Ich habe uns beide und unser Kind seinen Händen anbefohlen, dass er uns nach seinem göttlichen Willen tue, wodurch sein Name verherrlicht werden möge, und dass es zu unserer Seelen Seligkeit und zum Troste und zur Freude aller derer, die den Herrn fürchten, gereichen möge; ich habe das feste und unbedingte Vertrauen zu ihm, dass er uns als seine Söhne und Töchter, ja wie seinen Augapfel bewahren werde. Und ich berichte dir, dass ich mich sehr gefreut, als ich deinen Brief gelesen habe, weil du schreibst, du bätest den Herrn mit weinenden Augen, dass er dich auch tüchtig machen wolle, um seines Namens willen zu leiden. Meine Geliebte, sorge nicht, sondern bitte den Herrn mit demütigem Herzen, dass Er uns geben wolle, was unserer Seele am ersprießlichsten ist; solches wird Er ohne Zweifel tun, und wird uns nicht über unser Vermögen versucht werden lassen. Derselbe wolle uns in aller Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit bis ans Ende bewahren.
Ferner berichte ich dir, meine Geliebte, dass sie mich sehr peinigten, um die Hebammen zu entdecken, die unsere Schwestern entbunden haben; der Herr aber war kräftiger (der meinen Mund bewahrt hat) als alle Pein. Dem Herrn sei ewig Preis und Lob, der die Seinen nicht verlässt; sie erlangten von mir keine Namen als einen oder zwei, die sie mir aus einem Briefe vorgelesen hatten; solche wollte ich ihnen sagen, um zu vernehmen, was sie sagen würden. Sie aber fragten mich, ob ich mit ihnen spottete, und setzten mir noch heftiger zu, ich sollte die Frauen und mehrere andere verraten, oder sie wollten mich peinigen bis am andern Morgen und wollten mich einen Fuß länger auseinander spannen, als ich lang wäre; sie sagten auch zu Gileyn, er sollte ausspannen, und sein Knecht zog nach Kräften aus, Gileyn aber goss mir den Leib voll Wasser; sie hatten mich mutternackend auf der Bank liegen und mir weiter nichts als mein Hemd gelassen, um meine Blöße zu bedecken; in dieser Beschaffenheit hatten sie mich mit vier Stricken auf die Bank gebunden, dass es mir vorkam, ich hätte bereits meinen Hals und meine Füße verloren; aber sie erlangten sonst nichts, dem Herrn sei Lob und Preis. Als sie mich nun wieder von den Stricken befreiten, mussten mich ihrer zwei oder drei von der Bank heben und mich ankleiden; es wäre nicht möglich gewesen, ohne des Herrn Hilfe die Pein zu ertragen; auch sagten sie, ich sollte mich bedenken und ein gutes Kind der römischen Kirche werden; auch sollte ich alle, die ich wusste, verraten, oder sie wollten es mir noch besser machen; aber ich sagte hierauf, ich hätte nicht geirrt und wollte lieber sterben, als meinen Glauben verleugnen. Sie entgegneten darauf, sie wollten bald wiederkommen, aber sie konnten nicht mehr tun, als ihnen der Herr zuließ. Dem Herrn sei ewig Lob, der uns hierzu tüchtig gemacht hat. Er wolle uns ferner zubereiten, damit
wir Kinder seines Reiches werden, Amen. Mein geliebtes
Weib, ich befehle dich dem Herrn und dem Worte seiner Gnade.
Ein Brief von Hieronymus Segerß an den großen Henrich, welcher auch daselbst gefangen lag, im Jahre 1551 geschrieben
Die Gnade und der Friede von Gott dem Vater, und die große Barmherzigkeit und Liebe des Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, der vom Vater aus Gnaden und zum Heile allen denen gesandt ist, die ihren Sünden abgestorben und also mit Christo in einem neuen Leben auferstanden sind, und die ewige unergründliche Freude, Trost und Gemeinschaft des Heiligen Geistes starke dein Herz, deinen Verstand und deine Sinne in Christo Jesu. Demselben sei Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.
Ich wünsche dir, mein lieber Bruder im Herrn, Henrich, den ich aus meines Herzens Grunde, um der Stärke unsers Glaubens willen in Christo Jesu liebe, den rechten bußfertigen Glauben, welcher durch die Liebe wirksam ist, den du hast, und ein festes, beständiges Gemüt und Standhaftigkeit bis ans Ende in diesem kräftigen, seligmachenden Glauben. Ich bin über deine Standhaftigkeit sehr erfreut, weil du wieder so wohlgemut und zufrieden bist, dem Herrn sei ewiger Preis; ich bitte auch den Herrn für dich Tag und Nacht, dass Er dich mit seinem göttlichen Worte stärken und dich im Glauben befestigen, auch dich in der Löwengrube bewahren wolle, wie Er Daniel bewahrt hat, und dass Er dich mit seinem starken Arme behüten und dir das neue Jerusalem zum Erbteile geben wolle, was Er auch tun wird; denn Er ist treu, der es verheißen hat.
Darum, mein lieber Bruder in dem Herrn, laß uns wider alle reißenden Tiere tapfer streiten, denn das Leben ist uns zubereitet, und laß uns vor ihrem Drohen nicht furchtsam sein, noch ihrer Pein erschrecken, denn ohne den Willen des Vaters können sie nichts tun. Der Herr wird uns nicht über unser Vermögen versucht werden lassen. Der Herr ist unser Hauptmann, vor wem sollten wir uns fürchten? Der Herr ist mit uns, wer mag wider uns sein? Er wird uns bewahren wie seinen Augapfel, wie seine Söhne und Töchter, denn niemand wird seine Schafe aus seiner Hand reißen; es ist ja unmöglich, dass die Auserwählten Gottes sollten verführt werden können.
Darum siehe, mein lieber Bruder in dem Herrn, sei unverzagt, wenngleich sie hässlich über dich grunzen und murren, sie können dir sonst nichts tun. Laß uns wider alle Drachen und Löwen tapfer streiten, ergreife den Harnisch Gottes und das Schwert des Geistes und widerstehe ihnen getrost und unverzagt, und scheue niemanden; sie werden sich bald auf die Flucht begeben, denn das Schwert, welches uns der Herr gegeben hat, ist ihnen zu scharf; so ist auch der Herr für uns im Streite, wer sollte wohl vor Ihm stehen können? Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer, welches seine Feinde verzehrt. Darum bitte ich dich mein Bruder, laß es dich nicht verdrießen, dass sie dich hier in dieser Löwengrube so lange sitzen lassen, denn damit prüft uns der Herr, weil Er seine Auserwählten wie das Gold im Ofen prüft. Darum sei doch in deiner Trübsal geduldig, denn wo kein Streit ist, da ist auch kein Sieg; sollen wir nun überwinden, so müssen wir streiten; wer aber überwindet,
wird alles besitzen. Darum laß uns das Kreuz mit Demut und Geduld auf uns nehmen und auf unsere Verheißung warten, gleichwie ein Ackermann auf seine Früchte wartet. Laß uns den Herrn vor Augen haben und Ihm bis in den Tod getreu sein, denn hier werden wir ein wenig gestäupt, aber viel Gutes wird uns widerfahren; er wird uns auf seinen Thron setzen und uns mit dem verborgenen Himmelsbrote speisen, und uns zu Pfeilern in dem Tempel seines Gottes machen. Hiermit sei dem Herrn anbefohlen und dem Worte seiner Gnade; Er wolle dich in seiner Gerechtigkeit bis ans Ende stärken.
Ferner berichte ich dir, dass du (wie mir gesagt worden ist) gehört haben solltest, ich hätte den Herrn verlassen, denn solches ist nicht wahr, wird auch in Ewigkeit nicht wahr werden, aber solches haben sie gesagt, um dich wieder abzuziehen und zu betrüben, und haben über mich gelogen, denn ich habe in meinem Glauben sonst nichts bekannt, als was sich gebührte, und bin jetzt noch ebenso getrost, als ich war, als ich bei dir lag, dem Herrn sei Lob, habe mich auch niemals bewegen lassen, denn ich wollte lieber alle Tage zehnmal gepeinigt und zuletzt auf einem Roste gebraten werden, als meinen Glauben, den ich bekannt habe, verleugnen.
Darum glaube ihnen nicht, wenn sie dir sagen, dass ich abgefallen sei, weil solches der Teufel tut, um dich damit zu verführen und zu betrügen, denn durch Gottes Gnade werde ich den Herrn nimmermehr verlassen; aber ich bin lange körperlich krank gewesen, wiewohl mein Geist um desto stärker gewesen ist. Ich habe den Herrn gebeten, Er solle mir mehr Leiden zusenden, wenn es mir ersprießlich sein würde, und Er stärkt und tröstet mich noch immer mehr, wofür ich Ihm nicht genug danken kann. Hiermit sei dem Herrn befohlen. Wenn du laut singst, so höre ich dich wohl. Ich danke dem Herrn, dass Er mir noch so viel Kraft gibt, dass ich singen hören kann.
Dies ist der letzte Brief, den Hieronymus an sein Weib, in der Nacht, als er zum Tode verurteilt worden war, geschrieben hat; er ist im Jahre 1551, den 2. September, getötet worden
Gnade und Friede von Gott dem Vater, die unergründliche Barmherzigkeit des Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi und die Gütigkeit und Gemeinschaft des Heiligen Geistes in deinen Banden, Trübsal, Leiden und Drang in deiner Arbeit und zum Troste in deinem Glauben und Liebe. Demselben sei Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.
Mein herzlich geliebtes, auserwähltes Weib in dem Herrn! Ich wünsche dir den rechten, wahren, bußfertigen Glauben, der durch die Liebe tätig ist, auch ein recht festes unbewegliches und standhaftes Gemüt in meinem und deinem allerheiligsten Glauben. Ferner wünsche ich dir den gekreuzigten Christum zum Bräutigam, der dich zur Tochter, Braut und Königin erwählt hat; diesem Könige des Allerhöchsten, dem ewigen Vater und eifersüchtigen liebhabenden Gott, habe ich dich anbefohlen, meine Geliebte in dem Herrn, dass Er nun dein Tröster und Bräutigam sein wolle, weil Er mich zuerst gerufen und abgefordert hat, womit ich auch wohl zufrieden bin, weil ich erkannt habe, dass es des Herrn Wille sei; dem Herrn sei ewig Lob und Preis für seine große Kraft, die Er an uns erwiesen hat. Darum, meine Liebste in dem Herrn, mache dir hierüber keinen Kummer oder Betrübnis, weil Er mich zuerst abgefordert hat; dies hat Er uns zum Besten getan, damit ich dir ein Vorbild sein möge und du
mir tapfer nachfolgen könnest, wie ich, durch Gottes Gnade, dir vorangehen werde, der uns würdig gemacht hat, dass wir um seines Namens willen leiden sollen. Ach, mein liebes Schaf, ich bitte dich demütig, du wollest den Papisten oder anderen Menschen kein Gehör geben, sondern folge deinem Bräutigam, deinem unbeweglichen Bräutigam standhaft nach, folge Seinen Fußstapfen nach und fürchte dich nicht vor ihren Bedrohungen, erschreck auch nicht vor ihrer Peinigung, denn mehr können sie nicht tun, als ihnen der Herr zulässt, denn sie können kein Haar von deinem Haupte kränken ohne den Willen des Vaters, der im Himmel ist. Darum fürchte dich nicht, sondern sei beständig und standhaft in der Lehre Christi und bei der rechten Wahrheit, denn der Herr wird dich nicht verlassen, sondern wie seinen Augapfel bewahren, ja wie seine Tochter und sein Kind, denn es ist unmöglich, dass die Auserwählten Gottes sollten verführt werden können, indem seine Schafe seine Stimme hören und ihm nachfolgen, aber der fremden Stimme gehorchen sie nicht; darum wird sie auch niemand aus seiner Hand reißen, denn Er ist ihr Hirte und Beschützer. Deshalb, mein auserwähltes Schaf, streite tapfer um des Herrn Ehre willen, gleichwie Er auch so tapfer um unserer Seelen Heil gestritten hat.
Sei daher wohlgemut, wenn du auch noch eine Zeitlang in dieser Löwengrube liegen musst. Deine Erlösung ist vor der Tür und verzieht nicht zu kommen, sondern sie kommt. Wenn nun derjenige kommt, der mit Kraft kommen soll, so wird Er dich als seine Braut und Königin aufnehmen, denn es gefällt Ihm wohl. Seine Auserwählten bei sich zu haben und Er hat ein Wohlgefallen, sie anzuschauen; deshalb ist auch der Tag des Herrn nahe vor der Türe.
Darum, mein liebes Weib in dem Herrn, streite auch so tapfer und scheue dich vor keinem Menschen, sondern sage lieber mit Susanna, du wollest lieber in der Menschen als in Gottes Hände fallen, denn schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. So gehe denn dem Herrn mit brünstiger Liebe entgegen, wie du bisher durch des Herrn Gnade, die in dir wirksam ist, getan hast, und streite tapfer, denn die Krone des Lebens ist dir bereitet, indem den Überwindern alles verheißen und zugesagt ist; sie werden auch alles besitzen, denn Christus sagt: Selig seid ihr, wenn alle Menschen übel von euch reden, denn es wird euch im Himmel wohl belohnt werden; ferner sagt er: Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn das Himmelreich ist ihr; auch sagt der Herr, dass, wenn sie uns vor Herren und Fürsten geführt, gepeinigt und getötet haben werden, so werden sie noch meinen, sie hätten Ihm einen Dienst damit getan haben. Darum setze dein Vertrauen fest auf Christum, so wird dich der Herr nicht verlassen, denn die Krone des Lebens ist dir zubereitet. Hiermit will ich dich dem Herrn und dem Wort seiner Gnade anbefehlen und will meinen Abschied hier in dieser Welt von dir nehmen, denn ich glaube nicht, dass ich dein Angesicht mehr sehen werde, hoffe dich aber in kurzer Zeit unter dem Altare Christi wiederzusehen.
Darum, mein geliebtes Eheweib in dem Herrn, wenn uns schon die Welt für Lügner hält und uns dem Leibe nach voneinander scheidet, so wird uns doch der barmherzige Vater in kurzer Zeit unter seinem Altare wieder zusammenbringen, sowie auch unsern Bruder, denn ich zweifle nicht an ihm, sondern habe ein festes Vertrauen zu ihm; ich habe uns drei in seine Hände befohlen, dass Er an uns seinen göttlichen Willen also erfüllen wolle, wie sein Name am meisten dadurch gepriesen und Ihm Dank abgestattet werden möchte, zur Seligkeit unserer
Seelen und zum Troste und zur Stärkung aller derer, die den Herrn fürchten. Seinem Namen dienen und denselben lieben, was Er auch tun wird, wie ich nicht bezweifle, denn Er verlässt die Seinen nicht, die auf Ihn trauen. Darum gehe ich auch dahin mit einem fröhlichen Gemüte mein Opfer zu tun zum Preise des Herrn. Hätte ich noch einmal zu dir kommen können, ich hätte es getan; aber Joachim wollte nicht, wiewohl uns Christus in kurzer Zeit unter seinem Altare wieder zusammenbringen wird, was die Menschen nicht werden verhindern können. Hiermit sage ich gute Nacht, bis wir unter dem Altare wieder zusammenkommen. Sei dem Herrn anbefohlen. Der große Henrich lässt dich sehr grüßen im Herrn. Siehe, mein liebes Weib in dem Herrn, nun ist die Stunde gekommen, dass wir voneinander scheiden müssen; ich gehe nun mit großer Freude und getrost voran zu meinem himmlischen Vater, und bitte dich demütigst, du wollest um deswillen nicht betrübt sein, sondern dich mit mir freuen. Ich war zum Teil betrübt, dass ich dich unter diesen Wölfen lasse, aber ich habe dich mit der Frucht dem Herrn anbefohlen, und weiß gewiss, dass Er dich bis ans Ende bewahren wird, womit ich mich zufrieden gebe. Halte dich tapfer in dem Herrn.
Hier folgt nun, wie Lysken, Hieronymus Eheweib, tapfer gestritten, und vor allen Menschen ihren Glaubensgrund bekannt habe, auch bis ans Ende standhaft geblieben sei, bis man sie des Nachts in einen Sack gesteckt und in die Schelde geworfen und also ihren Glauben mit ihrem Tode versiegelt hat
Lysken, unsere Schwester, welche lange in Banden gelegen, hat die Zeit ihrer Wanderschaft vollendet und ist, der Herr sei ewiglich gepriesen, in des Herrn Wort bis ans Ende unbeweglich und standhaft geblieben; sie hat auch ihren Glauben ohne Scheu und Heuchelei im Gerichte vor der Obrigkeit und dem gemeinen Volke bekannt. Zuerst haben sie dieselbe wegen der Taufe gefragt, worauf sie sagte: Ich erkenne nicht mehr als eine Taufe, welcher sich Christus und seine Heiligen bedient und uns hinterlassen haben. Was hältst du, fragte der Schultheiß, von der Kindertaufe? Worauf Lysken antwortete: Für nichts anderes als für eine Kindertaufe und Menschensatzung. Da standen die Herren auf und steckten die Köpfe zusammen, während welcher Zeit Lysken ihren Glaubensgrund vor dem Volke klar bekannt und an den Tag gelegt hat; darum haben sie das Urteil gegen sie ergehen lassen. Sodann hat Lysken also zu den Herren gesprochen: Ihr seid nun Richter, aber die Zeit wird kommen, dass ihr wünschen werdet, Schafhirten gewesen zu sein, denn es ist ein Richter und Herr, welcher über alle ist, der wird euch auch zu seiner Zeit richten; aber wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu streiten, sondern wider die Fürsten, Gewaltigen und Herren dieser Welt. Darum sprachen die Herren: Führet sie hinweg vom Gerichte.
Hierauf ist das Volk in großer Menge herbeigelaufen, um sie zu sehen; aber Lysken hat freimütig zum Volke gesprochen: Wisset, dass ich nicht um Diebstahls, Mordes oder sonstiger Missetat, sondern allein um des unvergänglichen Wortes Gottes willen leide. Als sie zur Bergkirche kamen, hat sie gesagt: O du Mordgrube! Wie manche Seele wird in dir ermordet! Als sie zwischen den Dienern, welche sie übrigens nicht führten, vorwärtsging, so haben die Diener zu dem Volke gesagt: Stehet auf und machet Platz. Da hat Lysken gesagt: Sie hindern
mich nicht, sie mögen mich wohl sehen und an mir einen Spiegel nehmen, die das Wort des Herrn lieben; unter diesem Gespräche ist sie wieder ins Gefängnis zurückgeführt.
Hierdurch ist das gemeine Volk sehr bewegt worden; die Freunde aber sind fröhlich und guten Mutes gewesen, weshalb am Nachmittage einige unserer Freunde in Begleitung einer großen Volksmenge auf den Stein zu ihr gegangen sind, um mit ihr zu reden; hier haben die Freunde ein wenig mit ihr gesprochen und gesagt: Es ist gut, dass du allein um des Wohltuns und in nicht um Böses willen leidest, aber um des andern Volks willen, das auf dem Stein ist, musste sie sich ihrer entziehen. Auch hat Lysken freimütig und tapfer zum Volke geredet und ein schönes Liedlein gesungen, worüber sich das Volk sehr verwunderte; desgleichen sind zwei Mönche dahin gekommen, um sie noch einmal zu versuchen, und haben sich (mit ihr) zu dreien in eine Kammer eingeschlossen; Lysken aber wollte ihnen kein Gehör geben. Als nun bei dieser Gelegenheit die Kammertür geöffnet wurde und viel Volk davor stand, sprach Lysken (welche eben in der Türe stand) zu den Mönchen: Gehet eures Weges, bis man euch rufet, denn ich will euch kein Gehör geben; wäre ich mit eurem Sauerteige zufrieden gewesen, ich wäre nicht hierzu gekommen; hierauf wurden sie abermals zu dreien in die Kammer geschlossen, und also sind die irrenden Geister oder Sterne mit ihrem falschen und tödlichen Gifte gekommen, aber Lysken war (Gott Lob) unerschrocken und wohlgemut, hat auch in der Mönche Gegenwart ein Liedlein zu singen angefangen. Hierauf hat einer von den Freunden, welcher daselbst war, gesagt: Schwester, streite tapfer; als sie aber solches hörten, sind sie sehr zornig geworden und haben gesagt: Hier ist noch einer von ihrem Volke, der ihr Gemüt stärket, und deshalb mehr verdient verbrannt zu werden, als sie selbst; sodann sind sie aber im Zorne weggegangen, denn ihre Stimme war fremd und sie wurden nicht angehört. Hierauf wurde Lysken allein in eine Kammer eingeschlossen, welche an der Straße lag, wo sie zu sitzen pflegte und niemand zu ihr kommen konnte, als derjenige, der den Schlüssel hatte. Als nun die Mönche auf die Straße kamen, um fortzugehen, haben sie einige Freunde, welche ihnen begegneten, gefragt: Will sie sich denn nicht bekehren? Hierauf antworteten sie: Nein, denn es war daselbst einer von ihrem Volke, welchen sie lieber hörte. Als es nun gegen den Abend ging, fügte es der Herr, dass einer von den Freunden an den Ort kam, da Lysken saß, und vieles mit ihr redete, dass es auch das Volk auf der Straße hörte, und jedermann sich nach dem Orte umsah, wo der Freund war, so dass einige, die bei ihm waren, ängstlich wurden, und ihn abgehen hießen; er aber sagte: Ich muss zuerst von ihr Abschied nehmen; dann sagte er zu der Gefangenen: Stehe auf, Schwester, und laß dich sehen und schaue zum Fenster hinaus; solches hat sie sofort getan, und als sie nach dem Volke, das auf der Straße stand, hinaussah, sind auch einige Freunde unter demselben gewesen, welche ihr zugerufen haben: Liebe Schwester, streite tapfer, denn dir ist die Krone des Lebens vorgelegt. Da sagte sie zum Volke: Trunkenbolde, Hurer und Ehebrecher werden alle geduldet, sie lesen in der Schrift und reden von derselben; aber die nach Gottes Willen leben und wandeln, müssen geängstigt, unterdrückt, verfolgt und getötet werden. Auch hat sie nachher zu singen angefangen: Siehe doch, sind wir nicht arme Schafe. Unter dem Singen aber (als das Liedchen noch nicht geendigt war) kamen die Herren mit den Dienern auf den Stein; da sagten einige Freunde: Lysken, singe ohne Scheu bis ans Ende; ehe sie aber das Lied geendigt hatte, zogen sie jene
vom Fenster, und es fing an Abend zu werden, sodass man sie nicht mehr sah. Am Samstag früh aber sind wir aufgestanden, einige vor Tag, andere mit dem anbrechenden Tage, um diese Hochzeit zu sehen, wovon sie meinten, dass sie nun geschehen würde; aber die bösen Mörder sind uns zuvor gekommen; wir hatten zu lange geschlafen; sie hatten bereits zwischen drei und vier Uhr ihre Mordtat vollbracht. Sie sind nämlich mit dem Schäflein nach der Schelde gegangen, wo sie dieselbe in einen Sack gesteckt und, ehe das Volk ankam, ertränkt haben, so dass nur einige Menschen zugesehen haben, doch haben es einige gesehen, dass sie getrost zum Tode gegangen ist und herzhaft gesagt hat: Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist. Auf solche Weise ist sie zu des Herrn Preise überantwortet worden und abgeschieden, so dass viel Volk durch Gottes Gnade dadurch bewegt worden ist. Als nun das Volk ankam und vernahm, dass sie schon tot wäre, ist ein großer Aufruhr unter demselben entstanden, denn das Volk bejammerte solches so sehr, als ob sie öffentlich umgebracht worden wäre, und sagte auch: Diebe und Mörder bringt man öffentlich vor alle Menschen; und also ist dadurch ihre Falschheit desto mehr ausgebreitet worden. Darum fragten einige einfältigen Leute: Warum muss dieses Volk sterben, denn viele geben ihnen ein gutes Zeugnis; einige von den Freunden, die gegenwärtig waren, sagten öffentlich zum Volke: Die Ursache ist, weil sie Gottes Geboten mehr gehorchen, als des Kaisers oder der Menschen Gebote, und weil sie sich von Herzen zu dem Herrn, ihrem Gott, von den Lügen zur Wahrheit, von der Finsternis zum Lichte, von der Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit, vom Unglauben zum rechten Glauben bekehrt haben, weil sie ferner ihr Leben gebessert und sich, nachdem sie recht gläubig geworden waren, nach Christi Befehle und dem Gebrauche seiner Apostel haben taufen lassen; sie haben auch ferner das Volk aus dem Worte Gottes unterrichtet, dass die Papisten diejenigen seien, von welchen der Apostel Paulus geweissagt hat, dass sie verführerische Geister seien, welche die Lehre der Teufel lehren; auch wie die Gerechten von Anfang her, von Abels Zeiten bis nun, haben leiden müssen, gleichwie auch Christus hat leiden und also zu seines Vaters Herrlichkeit eingehen müssen, und uns ein Beispiel hinterlassen hat, dass wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen, denn alle, die in Christo Jesu gottselig leben wollen, müssen Verfolgung leiden.
Peter Bruinen, Jan Plennis und Jahn, der alte Kleiderkäufer, mit noch einem Bruder, sind alle den 2. Oktober im Jahre 1551 zu Antwerpen getötet worden
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und dem Herrn Jesu Christo. Gelobt sei der Gott der Barmherzigkeit, der uns durch sein göttliches Wort zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren hat, welche uns im Himmel vorbehalten ist, die wir durch die Kraft Gottes in dem Glauben bewahrt und um des Reiches Gottes willen bewährt werden, um welches willen wir leiden, wofür dem Herrn gedankt sei, weil er uns hierzu ersehen hat, zum Erbteile seiner Heiligen in seinem Lichte. Darum, liebe Brüder, seid getrost und unverzagt, wandelt
in einem starken, unveränderlichen Glauben vor Gott und seiner Gemeinde, und setzt euch fest vor, von dem Herrn nicht abzufallen, noch euch von seiner Liebe, um Trübsal oder Leidens willen, zu scheiden, dann wird er euch in eurer Verlassenschaft, wenn ihr aller menschlichen Hilfe und Trostes beraubt sein werdet, beistehen und euch trösten, denn er kommt demjenigen zu Hilfe, der von sich selbst ausgeht, und sich verleugnet, indem er allein in dem Herzen der Menschen wohnt und wohnen will; er will auch nicht, dass wir außer Ihm jemandem dienen sollen. Darum gründet und erbauet euch in Ihm, und lasset die Liebe untereinander wachsen, worin einer durch den andern erhalten wird, und befleißigt euch mit einem fröhlichen Gemüte, dass ein jeder in der Tugend der Vornehmste sei. Gebt nicht Achtung auf der Trägen und Unachtsamen Wandel, nämlich derjenigen, die bei ihres Lebens Gemächlichkeit und Kleiderpracht, oder bei äußerlichen Dingen sich Christen nennen lassen, und folgt ihrer Weise nicht nach, sondern merkt auf diejenigen, deren Leben und Glaubensbekenntnis mit der Lehre Jesu übereinkommt, damit ihr nicht in der Höhe oder Tiefe, Breite oder Länge zu weit fahrt; denn viele verlaufen sich hierin, dass einer auf den andern sieht, wodurch sie erkalten.
Deshalb, meine lieben Brüder, seid ihr mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, auf dass euer Gemüt auf das Unvergängliche gerichtet sei; lasst eure Hoffnung auf das Unsichtbare gerichtet sein und seid darinnen geduldig, denn Geduld ist nötig, wenn wir anders die Verheißung empfangen wollen. Stärket eure Herzen, denn des Herrn Zukunft ist nahe; ziehet den alten Menschen aus, und den neuen an, verleugnet das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste; verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes; wollt ihr der Auferstehung Christi teilhaftig werden, so wisset, dass ihr zuvor den alten Menschen gekreuzigt haben müsst, auf dass der sündhafte Leib aufhöre. Werdet nicht müde Gutes zu tun, denn eure Arbeit wird nicht vergeblich sein, indem ihr Christi teilhaftig geworden seid, wenn ihr anders den Anfang seines Wesens bis ans Ende bewahrt, darum lasst euch durch kein Ding bewegen, fürchtet auch nicht ein Menschenkind, welches wie das Heu vergeht, denn ohne Gottes Zulassung können sie euch nichts tun. O fürchtet aber Gott denn das ist vollkommene Weisheit; demütigt euch vor ihm, denn von den Niedrigen wird die große Herrlichkeit geehrt; vergleicht euch allezeit mit den Demütigen, so werdet ihr in Gottes Augen groß sein; lasst euch selbst nicht dünken, als ob ihr etwas wüsstet, oder etwas wäret, damit ihr euch selbst nicht betrügt; gehet allezeit von euch selbst aus und achtet es nicht, wer euch etwas Ungöttliches oder Leiden zufügt, wenn man euch schon unrecht tut; denn das ist Gnade bei Gott, wenn man um des Gewissens willen Trübsal erduldet und unschuldig leidet. Darum seid nun geduldig in eurer Trübsal, und teilhaftig des Leidens Christi, damit ihr die Verheißung ererben mögt, denn hier ist die Zeit, worin man Schmach leidet, gegen die ewige Freude nur kurz. Und dieses Leiden, welches zeitlich und leicht ist, wirkt eine ewige und über die Maßen große Herrlichkeit; denn wenn wir auch ein armes Leben haben, so wird uns doch viel Gutes vergolten werden, und obgleich jetzt der Tod über uns herrscht, so wird doch ein Ostwind vom Herrn kommen, der seine Plage wieder trocknet, denn es wird gesät in Unehre, und wird auferstehen in Kraft, es wird gesät ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistiger. Wenn wir nun den Bau, der von Gott
erbauet ist, erlangen wollen, so muss das Haus dieser Hütte zerbrochen werden. Darum dürfen wir diejenigen nicht fürchten, die den Leib töten, denn sie können der Seele nicht schaden; denn für alles, dessen sie uns berauben, wird uns Gott wieder reichlich belohnen; nachher können sie nichts mehr ausrichten. Darum umgürtet die Lenden eures Gemütes, seid nüchtern, wachet im Gebete, und sagt Gott dem Vater allezeit Dank, durch unfern Herrn Jesum Christum für seine reiche Gnade, und weil Er uns seinen Willen bekannt gemacht, und den Geruch seiner Erkenntnis offenbart, auch uns die herrlichsten und allerteuersten Verheißungen gegeben hat, die wir zuvor durch die Vernunft in bösen Werken und von dem Leben entfremdet waren, das aus Gott kommt, dessen wir keine Hoffnung hatten in den Verheißungen; als aber die Freundlichkeit Gottes uns erschienen, nicht um der Werke willen, die wir getan haben, sondern durch seine Gnade macht Er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung des Heiligen Geistes, durch welchen wir bis auf die Zeit der Erlösung versiegelt sind, dieser ist das Pfand des zukünftigen Erbteils, welcher uns auch versichert und uns Zeugnis gibt, dass wir Gottes Kinder sind, und uns allerlei lehrt; derselbe ist uns von Gott zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung gegeben. Gott der Vater, welcher allein Unsterblichkeit hat, und dem allein Kraft und Macht, Lob und Preis zukommt, sei Ehre und Dank durch Christum, unsern Herrn, durch seine unaussprechliche Gnade von nun an bis in Ewigkeit.
Wie es um uns steht, dafür sei der Herr gelobt, welchem wir nicht genug für die Freude danken können, dass Er uns würdig erkannt hat, um seines Namens willen zu leiden, und die Freude, die Er uns daneben in unserer Gefangenschaft zubereitet hat, denn Er ist getreu und verschafft den seinen in den Versuchungen ein Auskommen; auch lässt Er die Seinen die Ihm vertrauen, nicht zu Schanden werden. Die Gnade des Herrn sei mit euch. Grüßet euch untereinander mit dem heiligen Kusse. Jan Pleun und ich grüßen euch auch sehr. Hiermit seid Gott und dem Worte seiner Gnade befohlen. Geschrieben von mir, Peter von Weert, als ich zu dritt im Gefängnis saß.
Hierauf folgt des Peter zweiter Brief, worin er Abschied nimmt
Hiermit befehlen wir euch dem Herrn, alle ihre lieben Brüder und wünschen euch, dass ihr euren Lauf zu des Herrn Preise vollenden möget, damit ihr die Krone erlangen, bis ans Ende standhaft bleiben und die Seligkeit erwerben möget, denn niemand erlangt den Preis, der nicht ritterlich streitet; darum lauft, damit ihr das Kleinod erlangt, streitet als Ritter des Herrn; nehmt euch fest vor, nicht zu sorgen, wie oder was ihr in der Stunde reden werdet, wenn ihr vor die Obrigkeit werdet gebracht werden, denn der Herr lässt die Seinen, die ihm vertrauen nicht zu Schanden werden, und wenn sie auch als Übeltäter dastehen, so verlässt er doch die Seinen nicht. Den Abend hindurch währet zwar das Weinen, aber des Morgens die Freude, und wenn Er schon um der Züchtigung willen eine Zeitlang zornig ist, so erhält Er uns doch durch seine Gnade im Leben; darum sind wir von Ihm nicht verlassen, obgleich wir mehr Widerwärtigkeiten haben, als die Welt. Meine Brüder, der Knecht ist nicht mehr als sein Herr oder Meister; gedenkt, dass Christus um unseretwillen arm geworden sei und obgleich Er reich und in
Herrlichkeit war; dessen ungeachtet hat Er um unseretwillen Schmach erlitten und angenommen, damit wir durch seine Armut reich und durch seine Schmach Miterben seiner Verheißungen würden. Darum lasst uns mit Ihm zum Lager hinausgehen und seine Schmach tragen helfen; lasst uns nach dem zukünftigen Gute uns sehnen; wandelt nicht in der Finsternis, noch beladet euch mit Essen oder Trinken; verwickelt euch nicht in Nahrungshändel oder Sorgen; wandelt als Kinder des Lichtes; seid immer fertig als solche, die allezeit auf ihren Herrn warten, denn Er wird kommen wie ein Dieb in der Macht; rüstet euch, nehmt den Stab in die Hand, umgürtet eure Lenden, wandert nach dem Lande der Verheißung, ihr werdet es einnehmen, wenn ihr anders nicht in Unglauben fallt; es ist lustig und schön, wir haben es von fern gesehen, wofür wir dem Herrn danken und Ihn preisen. Darum ist meine Bitte an euch, dass ihr die Wahrheit liebt, dass ihr mir dem Herrn, danken helft, denn ich habe auch dem Herrn einmal ein Gelübde getan, dass ich Ihm alle Tage meines Lebens leben wollte; solches hat Er mir halten helfen; darum preise ich Ihn, und habe auch solches oft mit ausgestreckten Armen inbrünstig getan. Ich schreibe solches darum, dass ihr nicht vergeßt, dem Herrn zu danken und Ihn zu loben, denn Er ist mehr als all‘ unser Leben; ihr könnt Ihn auch nicht so groß machen, oder Er ist noch wunderbarer. Bleibt in seinen Worten und haltet seine Gebote; habt euch untereinander von Herzen lieb. Auch preisen wir Ihn darum, weil Er seine Zusage treulich hält, indem Er uns freudig macht, wovon ich, liebe Brüder, nicht genug zu schreiben weiß; denn bei unserer Gefangennahme waren wir freudig und ohne Furcht, gleichwie auch vor den Herren; ebenso waren wir auch auf der Brücke und in unserem Gefängnisse voller Freude; hoffen auch ferner, dass uns Gott bis ans Ende Mut verleihen werde. Darum, liebe Brüder, erschreckt nicht, wenn man uns auch mehr als einen Tod antun würde, denn man kann in einer Viertelstunde viel tun; unser Leiden ist doch weit entfernt von der höllischen Pein, und auch mit der zukünftigen Freude nicht zu vergleichen.
Wenn wir diese Angst überstanden haben, und diese Enge durchwandelt sind, werden wir zur Freude und in den weiten Raum gelangen; dann wird man alle Tränen von uns abwischen; wir werden nicht mehr weinen oder schreien, sondern von einer Freude zur andern gehen. Ach, meine Brüder, trachtet darnach, zu seiner Freude einzugehen. Lebt fernerhin christlich, und macht, dass um euretwillen das Evangelium nicht gelästert werde. Seid allezeit sanftmütig und habt ein unbeflecktes Gewissen. In allem, was ihr tut, bedenkt das Ende, dann werdet ihr nimmer Übels tun; vergesst auch nicht des ersten Ernstes in der geistlichen Bekehrung des christlichen Lebens, damit ihr nicht, indem ihr meint, vollkommene Christen zu sein, noch selbst der Besserung des Lebens nötig habt. Seid Gott befohlen und dem Worte seiner Gnade. Wir, Jan, Pleun und Peter grüßen euch im Herrn. Bittet den Herrn für uns, dass wir unsern Lauf zu seiner Verherrlichung vollenden mögen. Wir bitten auch für euch.
Jans, des alten Kleiderkäufers, Bekenntnis oder Verantwortung des Glaubens, als er zu Antwerpen, im Jahre 1551, in Gefangenschaft war
Frage: Was hältst du von der Kindertaufe? Antwort: Ich halte solches für nichts anderes als für eine Menschensatzung. Frage: Womit willst du denn deine Taufe beweisen oder gutmachen? Antwort: Mit Mk 16. Frage: Was hältst du denn von den Sakramenten? Antwort: Ich weiß nichts von den Sakramenten
der Menschen zu sagen, aber das Abendmahl, welches Christus mit seinen Aposteln gehalten hat, wird von mir hoch und würdig geachtet; ich denke, dass viele Menschen seien, die nicht wissen, was das Sakrament bedeute. Frage: Was hältst du von der römischen Kirche? Antwort: Davon halte ich nichts; aber die christliche Kirche, welche die Gemeinde Christi ist, halte ich hoch und wert. Fragt: Was hältst du von der Hostie, welche der Priester in seiner Hand hat? Glaubst du nicht, dass darin unser Herr mit Fleisch und Blut sei? Antwort: Nein, denn es steht geschrieben, Apg 1, dass Er wiederkommen werde, wie Er gen Himmel gefahren ist. Frage: Was hältst du von dem Papste? Antwort: Dass er der Antichrist sei. Frage: Was hältst du von der Messe, den Zeremonien und von der Beichte, welche man in der Kirche verrichtet? Antwort: Davon halte ich nichts; denn der Baum, der es hervorgebracht hat, ist zu nichts nütze. Frage: Wo bist du getauft? Antwort: Meine Herren, was fragt ihr mich doch, da ihr solches schon wisset? Frage des Schultheißen: Ich beschwöre dich bei deiner Taufe, dass du uns sagest, wo du getauft seiest. Antwort: Ich halte meine Taufe für vollkommen und gut, aber dein Beschwören achte ich nicht. Hierauf haben sie mir die Vor- und Zunamen aller derjenigen, die mitgetauft worden sind, vorgelesen und gesagt: Assuerus hat es uns bekannt; worauf ich antwortete: Es ist wahr. Frage: Wer hat dich getauft? Antwort: Solches ist mir nicht erlaubt zu sagen. Frage: Wir wollen es dich wohl sagen machen. Antwort: Hier ist das Fleisch, tut damit nach eurem Wohlgefallen.
Wilhelm Kistemacher wird in Cleve enthauptet, desgleichen wurde daselbst Wendel Ravens im Jahre 1551 getötet
Dieser Wilhelm Kistemacher hat in Weeß gewohnt, welches ein Dorf im Clevischen Gebiete ist, er war ein friedsamer und erbaulicher Mann, der zuvor um seines christlichen Glaubens willen sein Vaterland hat verlassen müssen; weil er sich aber der Welt nicht gleichstellen wollte, ist er von Weeß nach Cleve gefänglich gebracht worden, wo er ungefähr ein Jahr gefangen gelegen und zuletzt enthauptet worden ist; er hat einige Briefe im Gefängnis geschrieben.
Als nun Wilhelm Kistemacher vom Rate zu Cleve verurteilt werden sollte, wollte einer der Ratsherrn, Namens Claes Meselaar, im Rate nicht beisitzen, um denselben zu verurteilen, sondern legte sich zu Bett und stellte sich krank; darum ist der Bürgermeister mit den sechs Ratsherren an sein Bett gekommen und hat um seine Stimme zu desselben Verurteilung angehalten; derselbe sagte aber: Er wollte solch einen frommen Mann nicht verurteilen, worauf der Bürgermeister entgegnete: Dadurch wirst du bei unserm gnädigen Fürsten und Herrn in große Ungnade fallen. Hierauf sagte Claes zu den Ratsherren: Ich will lieber in des Herzogs Wilhelm, als in des Höchsten Ungnade sein. Dann will ich es auf mich nehmen, sagte der Bürgermeister, welcher auch nachher die Strafe von des Herrn Hand empfunden hat, denn die Läuse quälten ihn, und er konnte eine Zeitlang seine Sprache nicht gebrauchen und ist in großem Elende gestorben. Aber dieser Claes Meselaar hat seine Ratsstelle niedergelegt und ist auch als ein Bruder der Gemeinde gestorben.
Außer diesem ist noch ein Bruder zu Cleve, namens Wendel Ravens, getötet worden, welcher auch, gleichwie die Vorhergehenden
sein Leben mit dem Tode vertauscht, nachdem er seine Seele in die Hände Gottes befohlen hat.
Maria von Monjou, 1552
Gleichwie es nach dem Zeugnisse der göttlichen Schrift bekannt und offenbar ist, dass alle, die in Christo Jesu gerecht und gottselig leben, von Anfang der Welt her haben leiden müssen, so ist diese Maria als eine fromme, gottesfürchtige Frau, dieses Leidens auch teilhaftig geworden; denn als sie, nach dem Befehle der Schrift, sich auf den wahren Glauben, als ein Glied an dem Leibe Christi, taufen ließ, auch eine Zeitlang bei ihren Brüdern und bei allen Menschen einen erbaulichen Wandel geführt hatte, so ist sie durch den Neid des Drachen ruchbar geworden; darum hat der Amtmann von Monjou diese Frau abholen lassen und hat sie daselbst gefangen gesetzt, wo sie bis ins zweite Jahr gesessen und obgleich sie vieles zu leiden hatte, so hat sie solches mit Freuden ertragen; auch hat sie die Frommen stets ermahnt, dass sie doch in der Liebe wandeln und sich fest an den Bund Christi halten sollten; sie ist selbst allezeit damit umgegangen, dass sie ihren Leib zum Opfer geben möchte, welches lebendig, heilig und Gott wohlgefällig wäre, und dass sie zum geistigen Hause auferbaut werden möchte, welches inwendig mit dem Worte Gottes ausgeziert wäre. Die Obrigkeit hat sie drei Tage nacheinander versucht, aber nicht bewegen können, ihren Glauben zu verlassen, denn sie wollte bei Christo bleiben, indem, nach dem Zeugnisse der Schrift, niemand zu Schanden wird, der Gott von Herzen fürchtet. Der Amtmann fragte sie bittweise, ob sie in die Kirche gehen wollte, in diesem Falle wolle er sie in Freiheit setzen und ihr ein ganzes Jahr die Kost geben; sie aber hat ihm solches nicht zugestanden, sondern begehrt, bei Christo zu bleiben und ihr Leben für denselben zu lassen, worauf sie verurteilt worden ist, dass sie im Wasser ertränkt werden sollte. Als sie nun zum Wasser hinausging, sang sie mit fröhlichem Gemüte, weil dieser Tag erschienen wäre und sie diese Stunde erlebt hätte; sie ist in die Hände des Pilatus übergegangen, gleichwie ein Schäflein zur Schlachtbank geführt wird, und wie man auch, nach der Schrift Zeugnis, mit Christo umgegangen ist, sie werden euch töten und meinen, sie hätten Gott einen Dienst damit getan. Auf dem Wege hat Maria gesagt: Ich war eines Mannes Braut, aber heute hoffe ich eine Braut Christi zu sein und mit Ihm sein Reich zu ererben. Als sie sich dem Wasser näherte, sagte einer von den Heuchlern: Ach, Maria, bekehre dich doch, oder es wird dir nicht wohl ergehen. Bei dem Wasser hielt man sie länger als zwei Stunden auf, in der Hoffnung, sie zu bewegen, die Wahrheit zu verlassen und ihnen nachzufolgen. Darauf sagte Maria: Ich bleibe bei meinem Gott; fahret doch darin fort, warum ihr hierher gekommen seid. Das Korn ist im Stroh, es muss gedroschen sein; also hat das Wort Gottes angefangen und das muss vollendet sein; hiermit hat sie ihre Kleider ausgezogen; sich dazu willig übergeben und gesagt: O himmlischer Vater! In Deine Hände befehle ich meinen Geist; sodann ist sie im Wasser ertränkt worden und gestorben, hat auch zum Troste aller Gläubigen, den Namen Gottes bezeugt und solches mit ihrem Tode versiegelt.
Um diese Zeit hat man auch eine fromme, gottesfürchtige Frau, Bärbel genannt, zu Jülich ertränkt, weil sie das Papsttum und die Abgötterei verlassen und sich unter den Gehorsam des heiligen Evangeliums begeben hat.
Wilhelm von Bierk, Christoph aus den Geistens, Christian aus
dem Eukeraat und Tieleman aus Nunkirchen, im Jahre 1552
Desgleichen auch Wilhelm von Bierk, Christoph aus den Geistens, Christian aus dem Eukeraat und Tielemann aus Nunkirchen. Diese vier Brüder sind sämtlich auf einen Tag zu Blankenburg mit dem Schwerte hingerichtet worden. Um des Zeugnisses Jesu Christi willen haben sie den Tod willig erlitten und dasselbe mit ihrem Blute bezeugt.
Mariken und Anneken, im Jahre 1552
Diejenigen, welche sich allein auf Gott und sein heiliges Wort gründen und dasselbe zu vollbringen suchen, werden nicht nur verfolgt, sondern auch gefangen und getötet, gleichwie es im Jahre 1552 sich in Leyden mit zwei Frauen, Mariken und Anneken genannt, zugetragen hat; dieselben wurden gefangen genommen und in ein Haus gebracht, wo sie der Schultheiß fragte, was sie von der römischen Kirche hielten. Sie antworteten, sie hätten größtenteils nichts anderes als eine teuflische Lehre. Ferner fragte er sie von dem Sakramente der Pfaffen, ob Christus nicht leiblicher Weise darin wäre. Sie sagten, es möge wohl ein verdeckter Teufel sein, denn Gott ließe sich in kein silbernes oder goldenes Kistlein einschließen. Hierauf brachte man sie zum Gefängnisse, und als sie an der Kirche vorbeigingen, sagten sie: O Mördergrube und Teufelschor! Des Schultheißen Knecht sagte: Warum redet ihr solche hohe Worte? Sie sagten: Weil in dieser Kirche so viele arme Seelen ermordet werden. Als sie nun eine Zeitlang gefangen lagen und untersucht wurden, haben sie ihren Glauben tapfer bekannt, und sind standhaft dabei geblieben, weshalb sie zum Tode verurteilt worden sind. Das Urteil der Mariken lautete: Sie hätte die Kindertaufe verleugnet, das Sakrament verworfen und, gegen des Kaisers Befehl, ungebührlichen Versammlungen beigewohnt. Die Anneken, weil sie nicht getauft war, wäre frei ausgegangen, wenn sie von ihrem Glauben hätte abfallen wollen; man hat sich auch darum sehr bemüht; sie aber blieb unbeweglich und sagte: Euer Brotgott wird von den Spinnen und Würmern aufgezehrt; ich will kein Teil an solchem haben. Weil sie aber in andern Artikeln auch standhaft blieb, wurde sie zum Tode verurteilt. Also haben diese beiden ihr Leben um der Wahrheit willen lassen müssen, und haben hiermit die blutdürstigen Richter gesättigt, deren Füße schnell sind, Schaden zu tun, und deren Hände schnell sind, unschuldiges Blut zu vergießen.
Guilliame von Robaeys, im Jahre 1552
Zu Komen, in Flandern, wurde auch in demselben Jahre ein Bruder, genannt Guilliame von Robaeys, um der Gerechtigkeit, Wahrheit und der Nachfolge Christi willen verfolgt, gefangen, untersucht, gepeinigt und endlich getötet.
Henrich Dirkß, Dirk Janß und Adrian Cornelius
Auch wurden in demselben Jahre 1552 drei Brüder, mit Namen Henrich Dirkß, Dirk Janß, und Adrian Cornelius, zu Leyden gefangen genommen und wegen ihres Glaubens untersucht; als sie aber denselben ohne Furcht bekannten und davon nicht abweichen wollten, sind sie auch zum Tode verurteilt worden. Henrich Dirkß trat mit Freuden vor und sagte: Selig sind, die hier weinen, denn sie werden dort lachen und mit